22.11.2019 12:54

Vorfall in Kroatien

Schuss auf Flüchtling war laut Polizei ein Unfall

Der Schuss aus einer Polizeiwaffe, bei dem ein Migrant vergangenes Wochenende an der kroatischen Grenze lebensgefährlich verletzt wurde, ist offenbar versehentlich abgefeuert worden. Wie die kroatische Polizei mitteilte, sei der Vorfall die „Folge einer Verkettung unglücklicher Umstände“. Der Betroffene befindet sich laut Angaben des Spitals in Rijeka mittlerweile außer Lebensgefahr.

Als eine Gruppe von jungen Migranten am Samstag illegal über den Berg Tuhobic über die Grenze nach Kroatien gelangen wollte, löste sich ein Schuss - ein Mann wurde getroffen und schwer an Lunge, Leber und Wirbelsäule verletzt. Mit vier Operationen retteten Ärzte das Leben des Flüchtlings, bei dem es sich seinen Begleitern zufolge um einen Afghanen handeln soll. Er war tagelang in Lebensgefahr geschwebt.

Polizist nach Warnschüssen ausgerutscht
Wie die Polizei nun erklärte, soll es sich dabei um keinen gezielten Schuss gehandelt haben. Ein Polizist habe lediglich Warnschüsse abgegeben - währenddessen war er aber im unwegsamen Gelände ausgerutscht. Dabei habe sich versehentlich der Schuss gelöst, fand ein Expertenteam heraus. Bei der Waffe habe es sich um ein Gewehr gehandelt.
Wie die Polizei nun erklärte, war der Polizist am Samstag von seinen am Berg eingesetzten Kollegen getrennt worden, als er auf eine Gruppe von rund 20 Migranten traf. Trotz seiner wiederholten Aufforderungen „Stopp, Polizei“, die er auf Kroatisch und Englisch zugerufen habe, sei die Gruppe nicht stehen geblieben, sondern ging weiter auf ihn zu, hieß es in einer Mitteilung.

Um seine Kollegen zur Hilfe zu rufen, habe der Beamte einzelne Warnschüsse in die Luft gefeuert, woraufhin die Gruppe auseinandergelaufen sei. Auf dem nassen Boden sei er in felsigem Gelände ausgerutscht. Noch bevor er die Waffe sichern konnte, habe sich beim Sturz ein Schuss gelöst. Zur Untermauerung der Darstellung fügte das Innenministerium der Mitteilung noch ein Foto und ein Video des Geländes hinzu.

Mit dem Fall beschäftigt sich auch die Staatsanwaltschaft. Die restlichen Migranten aus der Gruppe, insgesamt 17, hätten den Wunsch nach Asyl geäußert. Diesem Wunsch sei man nachgekommen.

Kroatische Polizei wegen Gewalt gegenüber Migranten in Kritik
Vor der Polizeimitteilung kursierten in kroatischen Medien unterschiedliche inoffizielle Versionen des Geschehens. Unter anderem wurde berichtet, dass der Polizeibeamte von Migranten mit Steinen beworfen worden sei. Außerdem gab es Berichte, dass die anderen Migranten aus der Gruppe zurück nach Bosnien geschickt werden sollten. All das führte zu Spekulationen, dass die Polizei das eigentliche Geschehen vertuschen wollte. Der bekannte kroatische Anwalt Anto Nobilo mahnte zur vollkommenen Transparenz in dem Fall - auch mit Blick auf frühere Berichte über vermeintlich unverhältnismäßigen Gewalteinsatz durch kroatische Grenzpolizisten.

Der Grenzpolizei des jüngsten EU-Mitglieds wird von NGOs immer wieder vorgeworfen, Migranten und Flüchtlinge, die aus Bosnien kommen, brutal zu misshandeln und gewaltsam zurückzuschieben. Kroatien bestreitet diese Vorwürfe stets.

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