19.05.2019 11:30

„Krone“ war dabei

Cobra-Großübung am Bodensee in Bregenz

Die Beamten des Einsatzkommandos Cobra West haben im Zuge der „Krone“-Serie bisher – wie ausführlich berichtet – am Boden sowie in der Luft trainiert. Dieses Mal sind sie in Bregenz in See gestochen.

Sie ist fast 62 Meter lang, bietet Platz für 1000 Passagiere und wirkt mit ihrem rot-weiß-roten Lack sehr edel: die MS Vorarlberg, das derzeit längste Fahrgastschiff auf dem Bodensee. Es zählt zur Flotte der Vorarlberg Lines Bodenseeschifffahrt GmbH, die bei jedem Wetter spannende Rund- sowie Eventfahrten anbietet.

Plötzlich fielen Schüsse
Vor wenigen Wochen, an einem herrlichen Frühlingstag, wollte die MS Vorarlberg in See stechen. Es war alles angerichtet, das Schiff stand am Hafen zur Abfahrt bereit. Doch noch bevor die zahlreichen Passagiere eingestiegen sind, waren plötzlich Schüsse zu hören. Kurz darauf ging ein Notruf ein.

„Es ist ein Attentäter an Bord, der vermutlich mit einer Pistole geschossen hat. Doch wo er sich genau aufhält, ist nicht bekannt. Acht Besatzungsmitglieder sind auf dem Schiff“, hieß es. Der Behördenleiter ordnete daraufhin den Notzugriff durch die Cobra-Beamten an.

Attentäter konnte überwältigt werden
Ein Polizeiboot raste in Richtung Hafen und steuerte auf die MS Vorarlberg zu. Uniformierte Beamte waren darauf zu erkennen, sie entpuppten sich als Cobra-Beamte. Sie sprangen vom Boot auf das Schiff, teilten sich in Gruppenstärke auf und konnten den Attentäter schließlich in der Steuerkabine überwältigen. Die Gefahr war somit gebannt.

„Sehr gut gemacht. Diese taktische Variante war die richtige Wahl“, lobte der Ausbildungsleiter die Vorgehensweise der Beamten. Nun war klar, dass es sich um keinen echten Einsatz, sondern um eine Großübung der Sondereinheit handelte.

„Solche Einsätze sind bei uns nicht unrealistisch“
„Ein derartiger Einsatz ist bisher in Österreich noch nicht passiert. Das bedeutet aber nicht, dass so ein Vorfall unrealistisch ist. Im Gegenteil, wir haben zahlreiche Schiffe auf diversen Seen“, erklärt Harald Gonner, Chef des Einsatzkommandos Cobra West, und führt weiter aus: „Es können genauso gefährliche Situationen entstehen wie zum Beispiel in einem Bus oder in einem Zug. Wir wollen für den Notfall bestens gerüstet sein.“

Daher seien solche Übungen auch notwendig. „Es geht um taktisches Bewegen auf dem Boot, von engen Gängen bis zu weiten Sälen ist meist alles vorhanden. Auch die Koordinierung sowie die Kommunikation mit dem Fahrer des Polizeibootes ist wichtig“, sagt Gonner.

Um ein derartiges Training absolvieren zu können, bedarf es auch einer guten Kooperation mit anderen Organisationen. „Einsatzkräfte von der Wasserrettung sowie des Roten Kreuzes müssen dabei sein. Sie müssen einschreiten, sobald etwas passiert. Dafür opfern sie sogar einen Urlaubstag“, gibt der Cobra-Chef preis.

„Ein Todesopfer in Frankreich“
Doch bergen diese Übungen auf See tatsächlich großes Gefahrenpotenzial? „Ja, das tun sie. In Frankreich gab es bei einer Übung auf einem noch viel größeren Schiff ein Todesopfer. Die Uniform samt Schutzausrüstung der Beamten wiegt 20 Kilogramm. Hinzu kommen Zusatzgegenstände wie etwa eine Schwimmweste, ein Schild, die Bewaffnung samt Munition sowie Verbandszeug. Fällt ein Beamter ins Wasser, kann dieser daher rasch untergehen und unter das Schiff kommen“, verdeutlicht Gonner. 

Da die Cobra-Beamten inkognito bleiben sollen, werden wir im Laufe der gesamten Jahresserie keine Vor- und Nachnamen veröffentlichen. Auch die Gesichter der Beamten werden wir in jedem Artikel unkenntlich machen.

Jasmin Steiner
Jasmin Steiner

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