22.04.2019 15:15

Sprengsatz gefunden

Einheimische Islamisten verübten Ostermassaker

Der Verdacht, dass das Blutbad in Sri Lanka von religiösen Extremisten verübt wurde, scheint sich nun bestätigt zu haben: Wie ein Kabinettsprecher des Inselstaates am Montag bekannt gab, soll die Islamistengruppe National Thowheed Jama‘ath (NTJ) hinter den Anschlägen auf mehrere Kirchen und Hotels in Sri Lanka mit fast 300 Toten stecken. Bei den Angreifern habe es sich um Einheimische gehandelt, hieß es weiter. Ein Forensiker hatte in der Nacht auf Montag bestätigt, dass es sich bei allen nahezu zeitgleichen acht Explosionen um Selbstmordattentate gehandelt hatte. Am Ostermontag erschütterte zudem eine weitere Explosion die Stadt Colombo. Bombenentschärfer sprengten ein Fahrzeug in der Nähe der St.-Antonius-Kirche, die am Tag zuvor ebenfalls Ziel eines Anschlags gewesen war.

Kabinettssprecher Rajitha Senaratne enthüllte den aktuellen Ermittlungsstand einer einheimischen Journalistin. Sämtliche Attentäter kämen ihm zufolge aus Sri Lanka - über ihre genauen Motive ist noch nichts bekannt. Die Islamistengruppe beanspruchte die Anschlagsserie noch nicht offiziell für sich.

Selbstmordattentäter sprengte sich bei Hausdurchsuchung
In Zusammenhang mit den Explosionen wurden bereits 24 Verhaftungen vorgenommen. Drei Polizisten wurden dabei getötet, als sie das Haus eines Verdächtigen durchsuchen wollten. Dieser sprengte sich in die Luft und riss die drei Beamten mit in den Tod. Nun werde auch geprüft, ob die Gruppierung Unterstützung aus dem Ausland erhalten habe. „Wir glauben nicht, dass eine kleine Organisation in diesem Land all das alleine machen kann", so der Sprecher

  • Sicherheitskräfte beim Haus eines Verdächtigen
    Sicherheitskräfte beim Haus eines Verdächtigen
  • Kurz bevor die Polizei das Haus durchsuchen konnte, sprengte sich ein Selbstmordattentäter in die Luft.
    Kurz bevor die Polizei das Haus durchsuchen konnte, sprengte sich ein Selbstmordattentäter in die Luft.

Explosion während einer Bombenräumung in Colombo
In der Nähe eines der Anschlagsorte vom Ostersonntag in Sri Lanka ist ein Sprengsatz in einem geparkten Auto gefunden worden. Bombenentschärfer sprengten das Fahrzeug am Montag in der Nähe der St.-Antonius-Kirche in der Hauptstadt Colombo, nachdem darin ein Sprengkörper entdeckt worden war, wie die Polizei mitteilte. An einem anderen Ort der Stadt seien an einer Bushaltestelle 87 Zünder sichergestellt worden.

Ein Mann wurde den Angaben zufolge in der Gegend um die Kirche festgenommen. Der Fund des Sprengsatzes und die Sprengung lösten in der Umgebung eine Panik aus, wie Videos in sozialen Medien zeigten. Zeugen berichteten auf Twitter zudem, dass die Polizei den Festgenommenen vor einer aufgebrachten Menge schützen musste.

Polizei hatte vor Anschlägen auf Kirchen gewarnt
Mittlerweile wurde auch bekannt, dass die Polizei mehr als eine Woche vor der Serie von Selbstmordanschlägen Hinweise auf mögliche Angriffe auf Kirchen gehabt hatte. Der stellvertretende Polizeichef Priyalal Dissanayake verfasste am 11. April ein Schreiben, in dem er von Anschlagsplänen einer einheimischen radikal-islamischen Gruppe auf katholische Kirchen sowie die indische Botschaft in Sri Lanka warnte.

  • Die römisch-katholische St.-Sebastians-Kirche in Negombo war Ziel eines Anschlags.
    Die römisch-katholische St.-Sebastians-Kirche in Negombo war Ziel eines Anschlags.
  • Soldaten sichern das Gelände um die St.-Antonius-Kirche in Colombo.
    Soldaten sichern das Gelände um die St.-Antonius-Kirche in Colombo.

Namentlich genannte Verdächtige hätten nach dem Anschlag auf zwei Moscheen im März im neuseeländischen Christchurch gegen andere Religionen gehetzt, hieß es. Der Sprecher des sri-lankischen Kabinetts, Rajitha Senaratne, bestätigte am Montag in einer Pressekonferenz die Echtheit des an mehrere Polizeieinheiten adressierten Schreibens, das Telekommunikationsminister Harin Fernando auf Twitter veröffentlicht hatte. Premierminister Ranil Wickremesinghe sei jedoch nicht informiert worden.

Islamistengruppe beschädigte im Vorjahr buddhistische Statuen
Die NTJ soll hinter der Beschädigung buddhistischer Statuen in Sri Lanka im vergangenen Jahr stehen. Islamistische Terrorangriffe hatte es bisher in dem tropischen Inselstaat nicht gegeben. Auch von Angriffen ausländischer Islamisten blieb das Land bisher verschont. Nur rund zehn Prozent der Bevölkerung Sri Lankas sind Muslime.

Video zeigt mutmaßlich Terroristen, als er Kirche betritt
In sozialen Medien werden immer mehr Bilder und Videos geteilt, die mögliche Selbstmordattentäter oder sogar Szenen von den Schauplätzen während der Anschläge zeigen. Ein Clip zeigt das Innere einer betroffenen Kirche, wenige Sekunden bevor sich dort eine der Explosionen ereignen. Darin ist ein Mann zu sehen, der gerade die Kirche betritt und dabei einen auffälligen Rucksack trägt. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich dabei um einen der Terroristen handelt.

 krone.at
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