500.000-Euro-Klausel

Ibiza-Falle: Wer darüber redet, der zahlt!

Die Soko Ibiza zieht die Schlinge um die Hintermänner der Videofalle für Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache immer enger. Zwei Sicherheits-Söldner und die Ex-Freundin des im Film den Dolmetscher der „Oligarchennichte“ spielenden Detektivs sind noch in Verwahrungshaft. Jetzt taucht in dem Krimi ein mysteriöses Schweigegelübde auf.

Omerta - so bezeichnet die italienische Mafia ihren Ehrenkodex. Wer redet, dem droht der Tod. Ganz so radikal ging es bei den Hintermännern im Ibiza-Krimi zwar nicht zu, aber der als Hirn der Bande verdächtige Wiener Anwalt, der die Aktion selbst als „zivilgesellschaftliches Projekt“ bezeichnet, hatte einen gefinkelten Plan. Damit die Mittäter nichts verraten können, ließ er sie wie bei einem Geheimbund eine Verschwiegenheitsklausel unterschreiben. Wer auspacken sollte, müsste 500.000 Euro Strafe zahlen!

  • Die Nebel rund um den Ibiza-Krimi lichten sich nach mehreren Razzien und Festnahmen durch die Soko langsam.
    Die Nebel rund um den Ibiza-Krimi lichten sich nach mehreren Razzien und Festnahmen durch die Soko langsam.

So lief das Drehbuch für die Videofalle auf Partyinsel
Die Furcht vor dem horrenden Bußgeld erschwerte natürlich auch die Nachforschungen der Soko seit dem Auffliegen des Skandals. Was die Komplizen freilich nicht wussten: Bei strafrechtlichen Ermittlungen ist ein solches Schweigegelübde rechtlich wertlos …

Geld ist übrigens auch das Hauptmotiv der Ibiza-Hintermänner. Neben dem Juristen stehen dabei der Detektiv, ein 39-jähriger Österreicher mit bosnischen Wurzeln und ein Serbe (52), die zusammen früher in einer Firma arbeiteten, im Fokus. Industriespionage für Konzerne war das frühere Betätigungsfeld des vorbestraften Trios mit teils Geheimdiensterfahrung.

Die wichtigsten Passagen aus dem Ibiza-Video:

Straches Bodyguard lieferte Infos
Als die Sicherheits-Söldner durch eine Lebensbeichte aus den eigenen Reihen aufflogen, war guter Rat teuer. Da kam eben der Wiener Anwalt mit Infos aus dem innersten Kreis Straches von dessen Bodyguard (er steht auch im Mittelpunkt der Spesenaffäre) ins Spiel. Schnell war ein schöner Lockvogel, der die Zunge lockerte, gefunden - und die Falle für den blauäugigen FPÖ-Chef schnappte im Sommer 2017 auf der spanischen Partyinsel zu.

  • Strache mit seinem damaligen Bodyguard bei einer Wahlkampfveranstaltung in Wien (Archivbild 2014)
    Strache mit seinem damaligen Bodyguard bei einer Wahlkampfveranstaltung in Wien (Archivbild 2014)

Die beiden Verdächtigen aus dem ehemaligen Jugoslawien und die Ex-Freundin des Detektivs bleiben nach den jüngsten Razzien und Hausdurchsuchungen in Salzburg und Wien in Verwahrungshaft. Denn neben mutmaßlich gefakten Infos für den Betreiber einer Internet-Aufdeckerplattform kommt noch die Gier hinzu. Der Serbe soll im Auftrag des „Oligarchinnen-Dolmetschers“ noch einmal versucht haben, bei Strache abzukassieren bzw. ihn zu erpressen: 400.000 Euro für den kompletten Film. Der Krimi bleibt spannend …

Christoph Budin, Kronen Zeitung

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