Fehlender Schutz

Erster Arzt in Österreich am Coronavirus gestorben

Covid-19 hat am Sonntag das erste Todesopfer unter den heimischen Medizinern gefordert. Es handelte sich einer Aussendung der Ärztekammer zufolge um einen Hausarzt in Niederösterreich, „der sich bis zuletzt in seiner Ordination um seine Patienten gekümmert hat“. „Die Gedanken der Ärztekammer und der gesamten Ärzteschaft gelten nun unserem Kollegen, der in Erfüllung seiner ärztlichen Arbeit sein Leben verloren hat“, trauerte auch der Präsident der Ärztekammer, Thomas Szekeres, um den Mediziner. Die Kammer kritisiert fehlende Schutzmaßnahmen für die niedergelassenen Ärzte des Landes und spricht von „dramatischem Handlungsbedarf“.

Der Erkrankte sei auf der Intensivstation eines Krankenhauses gestorben, teilte eine Sprecherin der niederösterreichischen Ärztekammer mit. Der Mediziner habe über das gesetzliche Pensionsalter hinaus gearbeitet. Bis zuletzt habe sich der 69-Jährige, der innerhalb seiner Heimatgemeinde sehr angesehen war, in seiner Ordination um seine Patienten gekümmert, wie am Sonntag zu erfahren war.

Auf krone.at-Nachfrage hieß es am Sonntagabend vonseiten der Ärztekammer, es sei landesweit der erste bekannte Fall eines Mediziners, der nun an den Folgen der Covid-19-Erkrankung verstorben sei.

Hausärzte stünden an vorderster Front in der ärztlichen Versorgung im niedergelassenen Bereich, so Szekeres. Alle Warnrufe der Ärztekammer hinsichtlich mangelnder Schutzausrüstung im niedergelassenen Bereich seien von Bund, Ländern und Sozialversicherung bislang ignoriert bzw. verharmlost worden.

  • Thomas Szekeres, Präsident der österreichischen Ärztekammer
    Thomas Szekeres, Präsident der österreichischen Ärztekammer

Szekeres:Dramatischer Handlungsbedarf
„Es besteht ein dramatischer Handlungsbedarf. Mein Warnruf von vor zwei Wochen wurde teilweise als Panikmache abgetan. Ich wünschte, ich hätte mich geirrt. Tatsächlich aber benötigen wir dringend Schutzausrüstung für die Ordinationen“, lautet der Appell von Szekeres. Die Regierung müsse alles daransetzen, Ordinationen raschest mit entsprechenden Schutzausrüstungen auszustatten.

„Die Gedanken der Ärztekammer und der gesamten österreichischen Ärzteschaft gelten nun unserem Kollegen, der in Erfüllung seiner ärztlichen Arbeit sein Leben verloren hat.“ Szekeres spricht der Familie und seinen Freunden seine tief empfundene Anteilnahme aus: „Wir verbeugen uns vor dem Kollegen, der im Dienst der Versorgung seiner Patienten sein Leben lassen musste.“

„Ein deutliches Zeichen“
Auch Christoph Reisner, Präsident der Ärztekammer Niederösterreich, betonte, dass es nach wie vor an ausreichender Schutzausrüstung für die niedergelassenen Ärzte fehle. Der Tod des Kollegen sei „ein deutliches Zeichen, dass endlich von höchster Stelle reagiert werden muss. Wir können derzeit nur Masken und Handschuhe verteilen, die wir von anderen Organisationen geschenkt bekommen. Das reicht nicht aus“, so Reisner.

Dietmar Baumgartner, Vizepräsident und Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte, erinnerte, dass sich alle Kurien der Landesärztekammer und die Bundeskurie der niedergelassenen Ärzte auf eine Resolution geeinigt hätten. Die Bundesregierung und das Parlament werden dahin gehend aufgerufen, „in Zeiten der schwersten Gesundheitskrise seit Jahrzehnten die Ärzteschaft mit allen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu unterstützen, damit diese auch weiterhin die Basisversorgung aufrechterhalten kann“.

 krone.at
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