01.04.2020 15:55

Häusliche Gewalt

Salzburgs Frauenhäuser rechnen mit spätem Ansturm

Nicht alle Frauen, die von ihren Partnern misshandelt werden, suchen sich Hilfe. Wenn, dann tun sie es aber, sobald ihre Peiniger aus dem Haus sind. Aufgrund der aktuellen Ausgangsbeschränkungen passiert das so gut wie gar nicht. „Frauen finden gerade kaum Zeit anzurufen“, so Frauenhaus-Leiterin Doris Weißenberger.

Die meisten Salzburger haben gerade viel Zeit, die sie in den eigenen vier Wänden verbringen. Langeweile, Frust, Jobverlust und Alkohol sind die giftige Mischung, die derzeit besonders Frauen gefährlich werden kann, weiß Doris Weißenberger, Leiterin des Frauenhaus Mirjam in Hallein. Noch sind dort viele Betten frei, Telefone laufen noch nicht heiß. „Wir wissen, dass so eine Welle zeitverzögert auf uns zukommt. Denn viele Frauen, die jetzt gerade häusliche Gewalt erleben, finden keine Gelegenheit bei uns anzurufen. Normalerweise passiert das nämlich dann, wenn der Mann in der Arbeit oder außer Haus ist“, so Weißenberger. Aufgrund der aktuellen Ausgangsbeschränkungen kommt das so gut wie nicht vor. Zu Hause spitzt sich die Lage zu: „Die Gewaltspirale beginnt klein und schaukelt sich dann immer weiter auf.“

Derzeit kein Anstieg bei Gewalt gemeldet

Auch das Gewaltschutzzentrum Salzburg und das Frauenhaus in der Landeshauptstadt registrieren derzeit noch nicht mehr Fälle häuslicher Gewalt. „Die meisten Menschen sind momentan noch damit beschäftigt, die äußere Krise zu bewältigen“, sagte Renee Mader vom Gewaltschutzzentrum. Selbst die Salzburger Polizei spürt noch keinen Anstieg bei häuslichen Gewaltdelikten. Nach einem leichten Anstieg an den ersten Tagen dürfte es sich jetzt wieder eingependelt haben. Allerdings liegen dazu noch keine genauen Zahlen vor.

Frauenhäuser setzen auf einfache Informationen

Für die Zeit nach der Corona-Krise wollen sich die Frauenhäuser rüsten. Neben zusätzlichen Unterkünften wird es Aufklärung brauchen, sagt Weißenberger. Poster in allen Supermärkten hält sie für sinnvoll. „Wir sind auch jetzt rund um die Uhr da“, so Weißenberger. Die Frauenhäuser und die Frauenhelpline (Tel. 0800/222555) sind auch online und per Email erreichbar.

Magdalena Mistlberger
Magdalena Mistlberger
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