Der Fall Seisenbacher

Vom Olympiasieger zum Untersuchungshäftling

Am tausendeinundsiebzigsten Tag nach seiner Flucht bleibt ihm der Missbrauchs-Prozess nicht erspart: Judo-Doppelolympiasieger Peter Seisenbacher wird am Montag in Handschellen in den Großen Schwurgerichtssaal des Wiener Landesgerichtes geführt werden, er sitzt in U-Haft.

Was war die Freude groß, als Peter Seisenbacher seinen größten Sieg wiederholen konnte: Judo-Olympiasieg anno 1984 und 1988. Dies gelang noch keinem Judoka vor ihm. Nach der aktiven Karriere folgte das Trainerdasein internationaler Mannschaften.

  • Peter Seisenbacher bei einem Schaukampf in den 90er-Jahren mit einem Sumoringer im Wiener Rathaus
    Peter Seisenbacher bei einem Schaukampf in den 90er-Jahren mit einem Sumoringer im Wiener Rathaus
  • Seisenbacher als georgischer Trainer
    Seisenbacher als georgischer Trainer

Was war das Entsetzen groß, als erste Missbrauchsvorwürfe auftauchten. Von jungen Frauen, die erst nach Jahren und Therapien ihr Schweigen brechen wollten. Oder konnten. Erst neun Jahre jung soll eines der Mädchen gewesen sein, als „es“ angefangen haben soll. Hätte man ihnen geglaubt, hätten sie vorher gesprochen? Immerhin war Peter Seisenbacher ein Idol, hochdekoriert, hoch geehrt, unzweifelhaft.

  • Seisenbacher bei der Verhaftung in seiner Wohnung in Kiew
    Seisenbacher bei der Verhaftung in seiner Wohnung in Kiew
  • In diesem Wohnblock in Kiew soll Seisenbacher seine Zeit zugebracht haben.
    In diesem Wohnblock in Kiew soll Seisenbacher seine Zeit zugebracht haben.

Was war der Schock groß, als es 2016 wirklich zur Anklage kam - und wenige Tage vor Weihnachten der Prozess starten sollte. Denn wer nicht kam, war der Angeklagte. Sein Sessel vor Richter Christoph Bauer blieb leer, sein Anwalt Bernhard Lehofer - Judoka wie er selbst - starrte verzweifelt in sein Handy. Peter Seisenbacher zog die Flucht vor.

Auslieferung nach 998 Tagen auf der Flucht
Was war das Kopfschütteln groß, als Bilder von ihm auftauchten, als er im August 2017 in der Ukraine gefunden, verhaftet, aber wieder freigelassen wurde. Und prompt erneut untertauchte, als sein angestrengtes Asylverfahren scheiterte. Was war die Erleichterung groß, als er nach 998 Tagen auf der Flucht an der polnischen Grenze erwischt wurde - und aufgab. „Ich will nach Hause“, sagte er und stellte selbst den Auslieferungsantrag. 1071 Tage später wird man erfahren, was geschah.

Gabriela Gödel, Kronen Zeitung

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