22.11.2019 05:31

Offene Worte

Hirscher: „Es gab gegen die Familie Morddrohungen“

Im neuen Buch „Marcel Hirscher - die Biografie“, geschrieben von „Krone“-Reporter Alex Hofstetter in Zusammenarbeit mit Mike Pircher und Stefan Illek, spricht der inzwischen pensionierte Ski-Superstar offen wie selten zuvor: über Morddrohungen gegen seine Familie, plötzlich unmögliche Disco-Besuche von Freundin (und später Ehefrau) Laura, seine mäßig gute Beziehung zu Olympia und vieles mehr. Erhältlich ist das Buch ab sofort. Hier die wichtigsten Auszüge.

Hirscher spricht unter anderem über ...

 ... seine mentale Stärke:
„Da war ein Fass, das ich aufmachen konnte, wenn ich wollte und wenn ich es unbedingt brauchte. Ganz ehrlich: Manchmal war ich mir selbst ein Rätsel, wie ich das alles geschafft habe.“

... Olympia:
„Klar bin ich froh, dass ich auch meine Olympia-Goldene hab. Und im Leben ist es halt fast immer so: In Erinnerung bleiben die schönen Dinge. Aber dieses Tohuwabohu, diese Reglementierungen. Irgendwie fühlt man sich als Sportler am Ende des Tages nur noch als Produkt. Wirklich warm bin ich mit Olympia nie geworden … Durch all diese Erlebnisse wurde Olympia für mich doch ziemlich entzaubert.“

... das WM-Abfahrtstraining 2009 in Val d’Isere:
„Ich hab mich hingelegt und zu weinen begonnen.“

... Ehefrau Laura:
„Sie hat mich als Nobody kennengelernt. Sie ist mit mir den gesamten Weg gegangen. Ohne Laura würde es all diese Kugeln und Medaillen nicht geben, ganz sicher nicht. Die ‚First lady‘ im österreichischen Skisport!? Völliger Blödsinn. Laura konnte plötzlich nicht mehr in die Discos und Clubs gehen, in denen sie sonst gerne war. Weil alle gesagt haben: ‚He, zahl amal a Runde!‘ Nur, weil sie sich in den ‚Falschen‘ verliebt hat!? Sie hat sich wirklich einiges anhören müssen.“

... die Einfädleraffäre:
„Es gab Morddrohungen gegen meine ganze Familie. Wir sind alle miteinander daheim gesessen, ich wurde von Leibwächtern bewacht und wir alle waren der Verzweiflung nah.“

... den Drohnen-Crash in Madonna:
„Wäre ich eine Zehntelsekunde langsamer gewesen, wäre ich wahrscheinlich schwer verletzt oder vielleicht sogar ausgeknipst worden. So viele Schutzengeln werde ich hoffentlich nie wieder in meinem Leben brauchen.“

... die Welle der Popularität, die ihn im wahrsten Sinne des Wortes überrollt hat:
„Niemand hat mich auch nur im Geringsten darauf vorbereitet, was passiert, wenn du mit Anfang 20 als Österreicher den Gesamt-Weltcup gewinnst, im Rampenlicht stehst und bei der Heim-WM in Schladming Weltmeister wirst.“

Marcel vor der WM-Kombination 2017 in St. Moritz:
“Wenn’s mich auf die Goschn haut, hör ich mit dem Skifahren auf. Das ist mein voller Ernst. Dann war’s das!“

Marcel über sein letztes Gold bei der WM 2019 in Aare:
„Das letzte Gold meiner Karriere hatte einen sehr hohen Preis. Noch einmal Weltmeister zu werden, das hab‘ ich teuer bezahlt.“

Ferdinand Hirscher über den jungen Marcel bei den Jugend-Meisterschaften in Turnau: „Ich hatte Marcel vor einem Hügel gewarnt. Er ist trotzdem drüberradiert und in den Wald gefahren. Marcel fuhr vom Wald zurück auf die Piste und fuhr weiter ins Ziel. Bei der Siegerehrung haben sie ausgerufen: ‚Staatsmeister in der Kombination: Marcel Hirscher!‘ Was da für ein Wirbel war, alle dachten, dass das unmöglich sei, der Hirscher ist ja im Wald gestanden. Aber er war trotzdem der Schnellste. Es war unglaublich, wie schnell der Bub Ski gefahren ist.“

Ferdinand Hirscher über Marcels Sölden-Sieg 2014: „Wir waren im Pitztal, nichts ist gegangen. Ich ging zum Hotel Vier Jahreszeiten und wollte mir eine Kreissäge ausborgen. Die haben mich zum Bauern gegenüber geschickt. Der Bauer hatte eine Kreissäge, allerdings mit einem komplett rostigen Sägeblatt. Mit dem hab ich die Oberfläche des Skis von vorne bis hinten aufgeschnitten und dann präpariert. Das war dann der Ski, mit dem Marcel in Sölden mit Riesenvorsprung gewonnen hat …“

Reinfried Herbst, der in frühen Jahren wichtiger Ansprechpartner von Marcel war: „Marcel hat sein Team, seine spezielle Betreuung, voll und ganz verdient. Aber es ging in manchen Phasen auf Kosten von uns ‚Alten‘. Wir hatten teilweise nicht einmal mehr einen Trainer, weil sich alle um Marcel kümmerten. Wir blieben gemäß unserem Gefühl auf der Strecke.“

Felix Neureuther über den WM-Slalom 2013 in Schladming: „Ich hab‘ geführt, ich hätte WM-Gold gewonnen. Aber ich stand im Ziel, schloss die Augen, saugte die Atmosphäre förmlich auf und sagte mir: ,Hoffentlich gewinnt Marcel, ich will erleben, was da los ist, wenn Marcel hier Gold holt.‘“

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