City4U fragt nach

DJ im Talk: „Große Sprünge momentan nicht möglich“

DJ Elian Dust ist in der Wiener Szene kein Unbekannter, legt er doch bei diversen Hotspots wie dem Vienna City Beach Club auf. Auch überregional stand er bereits oft hinter den Turntables. Damit ist seit Corona jedoch Schluss. Wie und ob er finanziell überlebt? City4U hat nachgefragt: 

Bist du durch Corona arbeitslos geworden oder hast du noch andere Einkommensquellen?

Ich gründete 2009 meine Firma Navida, mit der ich diverse Kunden in den Bereichen Grafik-Design als auch Marketing betreue. Das „DJing“ hat aber für mich immer oberste Priorität gehabt und ist und bleibt meine große Leidenschaft, nur man muss wirklich höchst professionell arbeiten. Davon generell - aber speziell hier zu Lande - leben zu können, ist nicht gerade leicht. Allen, die das schaffen, zolle ich meinen größten Respekt. Jetzt ist diese Einnahmequelle für viele weggebrochen auch ich spüre das natürlich und bin hier arbeitslos, wie jeder andere DJ momentan wahrscheinlich.

Wie bewältigst du die Krise finanziell?

Ich habe bis dato 1000 Euro aus dem Corona Härtefonds erhalten und warte nun seit Ende April auf eine weitere Unterstützung. Zum Glück halten sich meine Ausgaben in Grenzen, jedoch kann ich derzeit quasi Null investieren beziehungsweise nur nötigste Ausgaben wie zum Beispiel eine kleine Promokampagne über eine englische PR Firma für mein nächstes Release buchen. Große Sprünge sind jetzt einmal vorerst nicht möglich, aber für mich steht jetzt auch der Zusammenhalt und dass wir gemeinsam diese ganze „Krise“ bestmöglich meistern im Vordergrund.

Frotzelei. Wie soll jemand von diesem Betrag sein Unternehmen, wenn auch nur KMU geschweige denn sein Leben bestreiten? Eine Antwort auf meine Bitte um Stellungnahme seitens WKO habe ich umgehend gesendet, ich bin gespannt, wie hier reagiert wird, hoffentlich „schnell und unbürokratisch“.

Du nimmst Live-Streams auf, profitierst du davon auch, um dich über Wasser zu halten?

Ich hatte bisher einen einzigen Livestream mit meinem lieben Kollegen Steve Hope, Danny und Joanish im Himmelblau Beachclub. Ich habe für mich sofort vereinbart, das nicht überhand nehmen zu lassen und wenn dann nur wirklich interessante und qualitative Streams meinen Fans anzubieten. Am 14. Mai bin ich gemeinsam mit den „Plattendrehern“ am Steg bei der Mole West am Neusiedler See zum Sundowner. Sowas macht Sinn und bietet auch dem Zuseher etwas Entertainment als ein klassischer „Wohnzimmerstream“.

Wie aufwendig ist so ein Stream?

Das ist nicht ganz meine Baustelle. Theoretisch könnte man die Anlage aufdrehen, beim Smartphone auf Facebook „LIVE“ gehen und fertig. Aber ich bin da wie bei allem Perfektionist. Ich möchte mehrere Kameraeinstellungen, ein wenig Werbung im Vorfeld, damit die Freunde und Fans auch Bescheid wissen und natürlich das Wichtigste, ein schönes vorbereitetes Set.

Wie ist die generelle Stimmung um dich in der DJ-Szene?

Durchwachsen. Ichh selbst mache mir natürlich Sorgen, wie es bei mir weitergeht. Wird es eine DJ-Szene wie bisher überhaupt noch geben, wird es eine richtige Clubszene geben, was machen die Partypeople da draußen jetzt eigentlich, um ihre Bedürfnisse was die Musik und das Soziale angeht zu befriedigen. Die einen DJs sind entspannter als die anderen, aber ich hoffe generell, dass wir gemeinsam und gestärkt zurückkommen und das „Party machen“ wieder einen höheren Stellenwert bekommen und mehr geschätzt wird.

Kannst du ab der Gastro-Eröffnung wieder hier und da an den Turntables stehen?

Derzeit plane ich den Juni am Vienna City Beach Club ein wenig um und wir werden eine „No dancing, just listen to the music“ Politik einführen. Wir hoffen sehr, dass wir im Juli langsam aber sicher wieder - natürlich gemeinsam mit den Babyelefanten - mit den Füßen im Sand tanzen dürfen. Ich freue mich übrigens wahnsinnig, endlich die neue Musikanlage am Beach einweihen zu dürfen, das Ganze unter anderem in der neuen DJ-Kanzel und vor der neuen Galerie.

Letztendlich kann niemand etwas dafür, ich sehe es auch als eine Art „Entschleunigung“ für uns alle. Jeder hetzte nur noch von Termin zu Termin, ob beruflich oder in der Freizeit. Auch der Planet, das Ökosystem freut sich glaube ich gerade über ein paar Wochen „durchschnaufen“ und vielleicht lernen wir jetzt, einige Dinge wieder zu schätzen.

Mai 2020

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