Green-Event-Zertifikat

UNO-Ball: Paarung von Umweltschutz mit Dekadenz

Die spektakulären Wiener Bälle sind in der Faschingszeit nicht aus dem Kalender wegzudenken. Ein Abend voller Dekadenz und der Besinnung auf das Schöne. Allzu oft vergisst man dabei auf das wirklich Wichtige, wie die Umwelt. Nicht so jedoch die Organisatoren des IAEA-Balls (auch bekannt als UNO-Ball), die sich im Jahr 2018 dazu entschlossen, den Ball zu einem zertifizierten Green Event zu machen, jedoch ohne Einschränkungen für die Gäste. City4U hat mit Fabien Petit, dem Koordinator des Balls und Elodie Broussard, der Co-Organisatorin gesprochen und den IAEA-Ball in der Wiener Hofburg besucht.

Im Jahr 2018 hat der IAEA-Ball, als erster Wiener Ball überhaupt, das Umweltzeichen für Green Events erhalten. Seitdem haben sie dies jedes Jahr aufs Neue geschafft. „Wir wollen den Gästen aber nicht sagen, was sie tun sollen. Wir wollen ihnen vielmehr Lösungen präsentieren“, betont UNO-Mitarbeiterin und Co-Organisatorin Elodie Broussard beim City4U-Gespräch im Vienna International Center in Kaisermühlen. Damit eine Veranstaltung als Green Event gilt, müssen zahlreiche Anforderungen erfüllt werden. Dabei gibt es verpflichtende Punkte, sowie solche, die zur Wahl stehen. „Das Schwierigste war gar nicht, die Zertifizierungspunkte einzuhalten, sondern sich überhaupt einmal in die Thematik einzulesen“, lacht Broussard. „Die Verantwortlichen mussten sogar die Guidelines ändern, weil sich noch nie ein Ball als Green Event beworben hat“, erinnert sich ihr Kollege und Ball-Koordinator Fabien Petit. Die Organisation des IAEA-Balles dauerte sechs Monate, bis die Zertifzierungsurkunde kam, vergingen vier Monate. Durch die Austragung als Green Event steigen nicht nur die Kosten, es nimmt auch mehr Zeit in Anspruch.

Um diese in Händen halten zu können, musste einiges verändert werden: Das Catering von Motto musste komplett umgebaut werden. „30 Prozent der angebotenen Speisen am Ball sind oder bestehen aus Bio-Produkten. Außerdem gibt es mehr vegetarische Gerichte als früher. Der Kaffee, der am Ball getrunken werden kann, wurde mit Segelschiffen der Firma Brigantes nach Wien gebracht. Ein Wiener Unternehmen, dass es sich zum Ziel gemacht hat, die Transportkultur zu ändern. Zudem haben wir so wenig Schnittblumen wie möglich als Dekoration in der Hofburg. Die Pflanzen am Ball sind in Töpfen, sodass sie nachher weiterhin verwendet werden können. Es gibt keine Damenspende und auch keine Goodies, da dies oft unnötig Müll erzeugt. Außerdem machen wir schon auf der Website darauf aufmerksam, öffentlich anzureisen“, fasst Petit die wichtigsten Punkte des Green Events zusammen.

Das Motto des diesjährigen IAEA-Balles, der vergangenen Samstag über die Bühne ging, lautete „Life under water“. Gleich beim Eingang präsentierte das Naturhistorische Museum eine Installation mit ausgestopften Meerestieren, die unter der Plastikverschmutzung leiden. Am Aufgang über die legendären, mit roten Teppich ausgelegten Stufen, begrüßten an die Wand projizierte Delfine die Besucher. Im Gang neben dem Festsaal fühlte man sich wie in einem Aquarium. Das Thema wurde also perfekt umgesetzt. Anstatt einer Damenspende konnten die Besucher das Magazin „Terra Mater“ mitnehmen. Ein weiteres Highlight war zudem, dass die Ballbesucher online einen Baum im Rahmen des Projekts „Reforest‘Action“ auf einem Kontinent ihrer Wahl pflanzen konnten. Dies galt vor allem als CO2-Ausgleich für jene, die mit dem Flugzeug anreisten. Was jedoch dann doch etwas verwunderlich war, war, dass die Tombola-Preise großteils Kurz- und Langstreckenflüge waren.

„Es ist natürlich sonst ein normaler Ball. Für die Gäste ändert sich nichts“, betont Petit. Genau so war es auch und die Idee wurde prima umgesetzt. Die Gäste erfuhren keine Einschränkungen, wurden aber mit der Thematik der Meeresverschmutzung konfrontiert. „Wir waren der erste Ball, der das Green-Event-Zertifikat erhielt und wir hoffen natürlich, dass uns andere Veranstalter folgen“, so Petit. Bis dahin wollen sie vor allem eines: „Dass sich die Gäste mit dem Thema des Balls mehr verbunden fühlen und ihre eigene Verantwortung wahrnehmen und zu einem verantwortungsbewussten Konsum übergehen“, sagt Broussard.

Februar 2020

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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