Auch in Österreich?

US-Studie: Immer mehr transsexuelle Jugendliche

Weniger als 50 Prozent der Jugendlichen in Amerika bezeichnen sich laut Studie als heterosexuell. Begriffe wie pansexuell, bisexuell, homosexuell gehören zum alltäglichen Wortschatz. Die Zahl der transidenten Menschen hat sich in den vergangenen zehn Jahren erhöht, auch in Österreich. City4U hat mit dem Psychotherapeuten und Leiter der Beratungsstelle Courage Wien für LGBTIQ-Personen, Johannes Wahala, über diese Veränderung gesprochen.

In den letzten zehn Jahren wurde in allen Courage-Beratungsstellen in Österreich ein Anstieg von Kindern und Jugendlichen verzeichnet, die Probleme mit ihrer Geschlechtsidentität haben. Generell steigt die Zahl der Personen, die sich als transident bezeichnen. Auch jene, die öffentlich aussprechen, dass sie sich zu mehr als nur einem Geschlecht sexuell hingezogen fühlen, werden mehr. Ist das ein Trend? Ein Hype, der von zahlreichen Promis wie Bella Thorne, Paris Jackson und Ezra Miller in den sozialen Medien unterstützt wird? „Ich würde es nicht Hype nennen. Seitdem wir Menschen erforschen können, hat es Transidentitäten gegeben. Eine selbstbestimmte Geschlechtsidentität ist ein Menschenrecht. Früher war das jedoch kein Thema, in welchem Geschlecht man sich fühlt. Heute befassen sich jedoch schon die Jugendlichen damit. Das ist natürlich herausfordernd, da die Pubertät schon schwierig genug ist. Es ist jedoch gut, dass diese Lebensmodelle zur Disposition stehen“, betont Johannes Wahala.

Mann oder Frau
Der jüngste Patient in Wahalas Beratungsstelle ist derzeit elf Jahre alt. „Bei ihm liegt ein deutlicher Verdacht auf eine Genderdysphorie vor. Er ist biologisch ein Mädchen, wird aber in seiner Klasse schon bei seinem Wunschnamen angesprochen. Auch seine Eltern unterstützen ihn voll und ganz. Wir wollen es aber noch gar nicht benennen. Es ist wichtig, dem Kind genügend Raum für Entwicklung zu geben.“ Man solle nicht sofort einordnen, nur die Auseinandersetzung mit dem Thema Geschlechtsidentät wäre wichtig, betont Wahala. „Bei den einen verdichtet sich die Transidentität, bei den anderen nicht. Manchmal kommt es auch vor, dass die Transidentität nur dazu da ist, dahinterliegende Probleme zu überdecken, ähnlich wie bei einer Essstörung“, beschreibt der Psychotherapeut.

Sexuelle Orientierung gehört zur Identität des Menschen
Ein weiteres großes Thema in der Beratungsstelle Courage ist die sexuelle Orientierung. Dabei fällt auf, dass das vermeintliche Ideal des hetereosexuellen Paares für die Jugend nicht mehr ausschließlich erstrebenswert ist. „Die sexuelle Orientierung gehört zur Identität eines Menschen. Die Millenials sind in der Zeit der neosexuellen Revolution aufgewachsen. Das Thema der geschlechtlichen Identitäten wurde erstmals zum Thema und es gab die Möglichkeiten, die Sexualität so zu gestalten, wie man es möchte - erstmals in einem perversionsfreien Raum. Früher wurde ja auch Oralverkehr als pervers bezeichnet. Ihre Nachfolger, die Generation Z befinden sich nun mitten in dieser Entwicklung und können sozusagen aus dem Vollen der Lebensmodelle und sexuellen Vielfalt schöpfen. Dies wird natürlich durch die sozialen Medien verstärkt, sonst wäre die Entwicklung nicht so schnell verlaufen.“

Es geht um Person, nicht das Geschlecht
Die Jugend verstehe sich als Gegenbewegung zu sexuellen und geschlechtlichen Stereotypen. Asexualität, Pansexualität, Homo-, Bi- und Heterosexualität - all diese Modelle sind für die Generation Z normal. Das erklärt auch, warum sich weniger als 50 Prozent in einer US-Studie als heterosexuell bezeichneten. „Pansexuell, also sich angezogen fühlen von Mann, Frau, Interperson nehme ich den Jugendlichen ab. Es geht um die Person, nicht um das Geschlecht. Das lässt viel mehr Raum für Erfahrungen und man kommt dadurch nicht mehr in Zugzwang, seine sexuelle Orientierung einzuschränken und zu benennen“, erklärt Wahala und ergänzt: „Ich bin manchmal schon selbst überfordert, aber wir gehen auf jeden Fall in die richtige Richtung der Diversität.“

Jänner 2020

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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