Außergewöhnlicher Job

Die Puppen-Doktorin „operiert“ Stofftiere und Co.

Was macht man mit der Lieblingspuppe, die plötzlich ein Bein verloren hat? Oder mit dem Teddy, dem ein ein Auge fehlt? Man bringt ihm zum Puppendoktor am Stubenring 16 in der Wiener City. Diesen betreibt Karin Haider seit nunmehr 35 Jahren. Mittlerweile ist ihr „Spital“, in dem sie vom modernen Stofftier bis zur antiken Porzellanpuppe alles behandelt, das letzte seiner Art in Österreich. Das Geschäft läuft nach wie vor gut: „Zum Glück gibt es noch Eltern, die ideelle Werte an ihre Kinder weitergeben“, sagt Karin Haider beim City4U-Besuch beim Puppendoktor.

Die Leidenschaft für Puppen begleitet Karin Haider seit frühester Kindheit. Nach einer kaufmännischen Ausbildung entschloss sie sich dazu, ihr Hobby zum Beruf zu machen und eröffnete den Puppendoktor. Anfangs war es noch ein Familienbetrieb, mittlerweile führt sie das Geschäft alleine. Etwa 40 „Patienten“ behandelt die Wienerin mit ihrem Team pro Monat: „Die häufigsten Reparaturarbeiten betreffen die Augen. Auch Gelenksschwäche bei Puppen und Bären kommt häufig vor und natürlich die Reinigung und Näharbeiten.“ Die Fertigkeiten hat sie sich selbst beigebracht. „Puppendoktor ist ja kein Lehrberuf.“

Ihre Kunden sind zwischen null und 99 Jahre alt. „Man verbindet so viele Emotionen mit Stofftieren. Dabei kommt es nicht aufs Alter an“, weiß Haider. „Vor kurzem kam erst eine Dame ins Geschäft, die eine bestimmte Puppe suchte. Ihre 80-jährige Freundin hatte so eine nämlich im Krieg verloren. Bis heute hat sie diese Puppe aber nicht vergessen. Um ihre eine Freude zu machen, hat die Freundin nun so eine ähnliche für sie gesucht. Ein anderer Kunde war ein älterer Herr, dessen Frau vor kurzem gestorben war. Wenig später kam es zu einem Hochwasser und geliebte Pappmache-Puppe der verstorbenen Gattin wurde komplett zerstört. Der Herr war sich sicher, dass seine Frau sich gewünscht hätte, dass die Puppe repariert werde. Zum Glück ist uns das dann auch gelungen.“

Wie viel junge und alte Menschen mit ihren Puppen und Teddys verbindet, merkt die Wienerin jeden Tag. „Wenn kleine Kinder zu uns kommen, fällt es ihnen wahnsinnig schwer, ihren Liebling für die Behandlung bei uns zu lassen. Die Kinder hängen sehr daran und das ist dann sehr schmerzhaft für sie. Aber wir beeilen uns natürlich.“ Für alle jene, die nicht mehr selbstständig den Puppendoktor besuchen können, hat Haider auch ein mobiles Team. „Dieses rufen vor allem ältere Leute an, die Puppen aus der Kindheit repariert haben möchten.“ Der Preis für das mobile Service beträgt 45 Euro inklusive Anfahrt und Besuch. Der Kostenvoranschlag für die Reparatur wird vor Ort besprochen.

Neben der Reparatur von Puppen und Stofftieren bietet Haider auch die Generalüberholung von Spielzeug an. Außerdem kann man in ihrem Geschäft auch neue Puppen und allerlei Zubehör kaufen. „Mein persönlicher Favorit derzeit sind die pädagogischen Handpuppen.“ Kuschelfreunde, die lebendig werden und es für Kinder leichter machen, über allerlei Themen zu sprechen. Haiders liebste Arbeit ist jedoch das Reparieren und Wiederherstellen: „Dabei kann man sehr kreativ sein. Die größte Freude ist jedoch immer, wenn die Kinder dann ihre Puppe wiederbekommen. Diese Ehrfurcht und ehrliche Freude ist etwas Wunderschönes.“

Jänner 2020

Was meint ihr dazu? Postet uns in den Kommentaren oder schreibt uns mit Hashtag #City4U auf Facebook, Twitter oder Instagram!

Viktoria Graf
Viktoria Graf
Kommentare

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Mehr
Ihre Cookies sind deaktiviert. Die Seite wird daher möglicherweise nicht korrekt angezeigt.