Außergewöhnlicher Job

Wiener bringt Rucksack-Klassiker zurück auf Markt

Im Jahr 2013 hilft Franz Drack seinen Eltern beim Ausmisten des Dachbodens, als er plötzlich den alten Schulrucksack von seinem Vater entdeckt. Er ist begeistert, nimmt ihn mit und verwendet ihn. Als er von allen Seiten Komplimente für dafür bekommt, googelt er die Firma und entdeckt, dass das Kultstück aus den 1950er bis 1980er-Jahren gar nicht mehr vertrieben wird. Also startet Drack eine Kickstarter-Kamagne, die überragend läuft und vertreibt den klassischen Kamarg-Rucksack seitdem selbst. City4U hat mit Franz Drack über die außergewöhnliche Geschichte gesprochen.

Die unverwüstlichen Rucksäcke der Grazer Marke Kamarg waren von 1950 bis 1980 auf vielen Rücken von Jung und Alt zu sehen. Irgendwann änderte sich jedoch die Mode und die Menschen kauften ihn nicht mehr. Er geriet in Vergessenheit - bis zu dem besagten Tag im Jahr 2013 als Franz Drack den alten Schulrucksack seines Vaters fand. „Ich habe damals in Stockholm gewohnt und alle fanden den Rucksack so cool. Also wollte ich bei der Firma anrufen und da habe ich herausgefunden, dass es sie gar nicht mehr gibt“, erzählt Franz Drack im City4U-Interview. Die Firma hat in den 1990er-Jahren mit der Produktion aufgehört.

„Ich habe also damit begonnen, die Kamargs auf Flöhmärkten zu suchen und aufzukaufen. Da habe ich dann bemerkt, dass viele Leute eine Geschichte oder Erinnerung mit diesem Rucksack verbinden.“ Also entschloss er sich, eine Kickstarter-Kampagne zu starten, um so Kapital für die Wiederbelebung der Marke zu generieren. „Ich habe zuerst gedacht, dass es so eine kleine Sache für ein paar Hipster werden wird“, schmunzelt der Wahl-Wiener und gebürtige Salzburger. Doch dem war nicht so: Die Kickstarter-Kampagne ging am 6. Juni 2017 um neun Uhr früh online: „Ich war so nervös. Schließlich steckten auch meine ganzen Ersparnisse in dem Projekt.“ Das war jedoch unbegründet, denn um zwölf Uhr war bereits das Ziel erreicht. „Im September hatte ich dann bereits 2000 Rucksäcke in meiner 50 Quadratmeter kleinen Wohnung gelagert.“

Mittlerweile werden die „alten“ Rucksäcke wieder regelmäßig produziert. „Wir verkaufen sie weltweit, auch in den USA und Kanada.“ Drack sieht das Produkt vor allem auch als Statement gegen Fast-Fashion. „Unsere Rucksäcke sind so gebaut, dass sie erstens nicht schnell kaputt gehen, aber auch schnell repariert werden können. Ich sage den Leuten immer, wenn sie einen alten Kamarg zuhause haben, sollen sie keinen neuen kaufen, sondern diesen reparieren. Wir haben Repair-Sets im Angebot zum Selbstkostenpreis von 15 Euro. Das ist uns sehr wichtig.“

„Es ist so schön zu erleben, wie viel Freude die Leute mit dem Produkt haben. Preislich ist es natürlich eine Herausforderung, weil wir nicht in China produzieren. Reich wird man damit auch nicht, aber das macht die Freude der Kunden wieder wett.“ Der Plan für die Zukunft ist eine neue Accessoires-Linie. „Einige Produkte sind auch schon fertig. Wir geben sie dann immer Freunden zum Testen und sagen ihnen, sie sollen versuchen, sie kaputt zu machen“, lacht Drack. Denn das geht ganz und gar nicht leicht.

Dezember 2019

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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