Außergewöhnlicher Job

Experte für gute Drinks: Der Spirituosentester

Man kann sagen, dass Alkohol das Metier von Erhard Ruthner ist. Denn er beschäftigt sich professionell mit diesem Thema. Von Beruf ist er einer von nur einer Handvoll in Österreich tätigen Alkohol- und Spirituosentester. Dabei prüft der 42-Jährige die Qualität, Typizität und die Besonderheiten eines alkoholischen Produkts. City4U hat den Wiener in der 26°EAST Bar im Palais Hansen Kempinski getroffen und neben Gesprächen auch eine kleine Verkostung durchgeführt.

Vor der Bar fühlt sich Erhard Ruthner, Gründer von Raise Your Spirits, wohl. Das ist sein Metier, sein Arbeitsplatz, sein Schreibtisch, wenn man so will. Genau da trifft City4U den Alkoholexperten auch an. Gerade kostet er einen Whisky, den ihm der prämierte Barchef und „Innovativster Bartender 2020“ (Falstaff) David Penker eingeschenkt hat. „Ich beurteile die Spirituosen nach Qualität, Typizität und Besonderheiten. Das geht am besten in einer Blindverkostung, bei der man nur die Kategorie kennt, wie Gin oder Whisky. Denn auch Profis können sich unbewusst positiv oder negativ durch die Marke beeinflussen lassen“, erklärt Ruthner im City4U-Gespräch.

Der Wiener hat eine Ausbildung zum Hotelfachmann gemacht und war jahrelang in der Gastronomie tätig, fünf Jahre lang hatte Ruthner seinen eigenen Spirituosenhandel. Nun betreibt er neben Raise Your Spirits auch die Homepage austro-spirits.at, auf der er österreichische Spirituosen vorstellt. „In die Tätigkeit des Spirituosentesters bin ich einfach so hineingerutscht. Eine eigene Expertenausbildung gibt es für diesen Beruf in Österreich noch nicht. Durch die Ausbildung als Sommelier, obwohl es da um Wein geht, habe ich mir auch viel angeeignet.“ Talent würde natürlich auch nicht schaden. Hierzulande ist Ruthner einer unter wenigen. Nicht einmal zehn professionelle Alkohol- und Spirituosentester sind in Österreich tätig.

„Man muss ein Gefühl für Geschmäcker haben. Das kann man nicht lernen. Außerdem ist es wichtig, seine privaten Vorlieben bei Tests auszublenden. Schließlich muss man objektiv bleiben, was bei Geschmack leider nicht zu hundert Prozent möglich ist, aber ich bemühe mich“, beschreibt Ruthner. Neben Auftraggebern wie Produzenten und Firmen hält der Experte auch Tastings für Privatkunden ab. „Besonders beliebt sind gerade die Gin-Tastings, vor allem bei Frauen. Bei Whisky sind 90 Prozent der Anwesenden Männer.“ Gin sei gut zugänglich, schwieriger wird es bei Tequila: „Da besteht eine gewisse Schwellenangst, da fast jeder einmal ein unschönes Erlebnis mit Tequila hatte“, schmunzelt er.

Die Leidenschaft des 42-Jährigen ist - neben guten Spirituosen - die Geschichte. „Ich liebe es, bei den Tastings die Spirituosen mit Geschichte zu verknüpfen. Schließlich entstanden sie auch in der Historie. Ich kenne zu jeder Spirituose eine Geschichte. Infotainment ist das Stichwort. Die Kunden wollen bei den Tastings Spaß haben und unterhalten werden. Wenn ich mit zu vielen technischen Details komme, wird es schnell langweilig.“ Das Erzählen bei einem interessierten Publikum ist Ruthners Lieblingspart bei seinem Job. 

Nun geht es auch schon zur Verkostung. City4U-Redakteurin Viktoria Graf entscheidet sich für einen Gin. Ruthner wählt den japanischen Roku Gin, der aus sechs Botanicals und natürlich Wacholder besteht. Zuerst erklärt er die einzelnen Bestandteile und Zutaten. „Bei diesem Gin über die Farbe zu sprechen ist sinnlos.“ Generell sei die Farbe bei den meisten Spirituosen meist sekundär, anders als bei Wein. Also schauen wir uns die Schlieren im Glas an. „Diese entstehen entweder durch hohen Alkohol- oder Zuckergehalt. Da der Gin mehr als 40 Prozent Alkohol enthält, erklärt das die Schlieren.“ Nun kommt der Geruch ins Spiel, der „70 bis 80 Prozent des Gesamterlebnisses ausmacht“. Ruthner riecht Zitrone und natürlich Wacholder, „blumig, floral, die Harmonie passt“. Dann geht es an den Geschmack: „Beim ersten Schluck konzentriere ich mich auf die Harmonie, gibt es ein unnötiges ,Brennen‘ am Gaumen, wie ist der Abgang. Beim zweiten Schluck vergleiche ich, ob ich das, was ich gerochen habe, auch schmecke. Insgesamt steht dann am Ende schließlich das Ergebnis fest.“ 
Das Ergebnis für den japanischen Roku Gin fällt einstimmig positiv aus. Prost!

November 2019

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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