Außergewöhnlicher Job

Ein Geschäft für Insektensammler stirbt aus

Im 18. Bezirk befindet sich das einzige Insektengeschäft Österreichs. Genauer gesagt das Fachgeschäft und die Buchhandlung für Entomologie, Entowinkler. Seit 1907 findet man dort alles, was Sammler und Experten im Bereich der Insektenkunde begehren. Seit über 38 Jahren führt Hildegard Winkler das Geschäft, das ihr eigentlich so verhasst war. City4U hat mit der promovierten Germanistin über ihren außergewöhnlichen Job gesprochen.

Hildegard Winkler besitzt das einzige Entomologie-Fachgeschäft in Österreich. „Mein Großvater hat Entowinkler gegründet. Nach dessen Tod übernahm es mein Vater. Als dieser dann starb hatte ich gerade einen großartigen Job an einer Universität in Italien. Ich wollte eigentlich nur nach Wien kommen, um das Geschäft zu verpachten oder zu verkaufen. Ich wollte es ganz und gar nicht. Es war aber ziemlich heruntergekommen, also musste man es erst einmal auf Vordermann bringen. Und da bin ich dann ,picken geblieben‘ bevor ich überhaupt mit dem Aufräumen durch war“, erzählt Winkler im City4U-Gespräch.

#Präparate aller Art
In ihrem Geschäft findet man alles, was ein Insektensammler braucht: „Geräte zum Fangen und Präparieren. Schaukästen zum Aufbewahren. Eine große Auswahl an Fachliteratur, die sehr teuer ist. Und natürlich Präparate aller Art, wie heimische und tropische Schmetterlinge, Käfer, Libellen, Heuschrecken und auch Spinnen, obwohl sie nicht zu den Insekten gehören. Wir haben unzählbar viele präparierte Tiere.“ Seit 30 Jahren kauft Winkler ihre Insekten auf Börsen, wo sie gleichzeitig ihre Fachliteratur verkauft.

#Bestellungen von Museen weltweit
In ihr besonderes Geschäft verirren sich nicht mehr allzu viele Kunden. „Es ist ein aussterbendes Hobby. Es waren vor allem ältere Herren, die zu mir kamen, aber viele von ihnen sind bereits verstorben. Insektensammler brauchen eine bestimmte Nadel, die es bei mir gibt. Die braucht man als Sammler wie einen Bissen Brot. Das Geschäft geht aber trotzdem schlecht, es ist nicht einmal mehr spesendeckend.“ Der Insektenshop erhalte zwar Bestellungen von Museen und Instituten, auch von Ländern wie Neuseeland, aber das ist selten. „In den letzten Jahren kommen vor allem Kunden, die ein besonderes Geschenk suchen oder Künstler, die Insekten für eine Installation benötigen“, sagt die Wienerin. Eigentlich könnte sie schon längst in Pension sein und führt das Geschäft nur weiter, weil sie keinen Nachfolger findet.

#Moderne Kunst
Trotzdem macht ihr ihre Arbeit große Freude: „Ich mag es, neue Materialien einzubringen und die Insekten zu präparieren.“ Ihr persönliches Lieblingsinsekt ist der südamerikanische Rüsselkäfer, der bunt ist und glänzt. Ob sie zuhause auch Schaukästen voller Insekten hat? „Nein, das reicht mir im Geschäft. Zuhause sammle ich moderne Kunst.“

Oktober 2019

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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