Smartphone im Lokal?

Nach Foto-Verbot: Debatte unter Spitzenköchen

Der Wiener Sternekoch Juan Amador untersagt seinen Gästen Fotos seiner Essenskreationen: Der Grund ist die Unsitte, alles ins Internet zu stellen. Der Vorstoß löst eine heiße Debatte unter Österreichs Spitzenköchen aus.

„Endlich macht jemand die Angelegenheit zum Thema“, war nur eine Reaktion eines Spitzenkoches auf die “Krone"-Geschichte vom Mittwoch. Denn kaum ist die Kreation auf dem Tisch, wird das Smartphone gezückt, fotografiert, gepostet oder an die Freundin verschickt, die dann gleich neidig zurückschreibt.

Das nervt mehr oder weniger, ist der allgemeine Tenor auch unter Österreichs Spitzenköchen. Vor allem, weil die Fotografierkünste einiger Kunden nicht den gewünschten Effekt erreichen. Nämlich das Essen so abzubilden, dass es auch gut ausschaut. Aber so wirklich abdrehen will es kaum ein Gastwirt - sofern er nicht seine Gäste verärgern will und gar noch irgendwelche schlechten Bewertungen im Internet riskiert.

Zumindest in einem Wiener Gourmettempel ist dennoch endgültig damit Schluss. Als weltweit erster Sternekoch hat Juan Amador in Döbling alle Bilder verbannt - er weist die Gäste auch sehr höflich, aber bestimmt darauf hin. Doch darf er das?

Gastwirt darf sich auf Hausrecht berufen

Rechtlich ist die Sache gar nicht so einfach: Das Essen, das dampfend aus der Küche kommt, ist gar nicht vom Urheberrecht geschützt. Nur in Ausnahmefällen, wenn das Gericht optisch besonders auffallend, mit einzigartigen, wiedererkennbaren Merkmalen zubereitet wird, dann kann dieses Recht greifen. Zweite Möglichkeit: Ein Gastwirt kann sich mit dem Hausrecht gegen die Smartphone-Armadas helfen, denn schließlich kann er bestimmen, ob in seinem Lokal geknipst werden darf oder nicht. Wenn also ein Restaurantbetreiber Fotos vom Essen verbietet, müssen sich die Gäste daran halten. Aber einmal mehr gilt: Höflich fragen kostet gar nichts.

Das Smartphones in Restaurants nicht immer gerne gesehen werden, zeigt sich auch auf Nachfrage bei Österreichs Spitzenköchen. Mike Pansi, Präsident des Ö. Kochverbandes: „Ich finde es den absolut richtigen Weg, den Juan Amador da geht. Kochen und Kreationen in dieser Liga sind nicht nur Handwerk, sondern auch hohe Kochkunst und müssen auch einem gewissen Schutz unterliegen. Die Schöpfungsrechte müssen einfach beim Koch bleiben.“

Andere scheint es weniger zu stören. Alexander Fankhauser (re.), TV- und Haubenkoch vom Hotel Lamark in Hochfügen meint etwa: „Wenn ein Gast eines meiner Gerichte fotografiert, dann heißt das, dass es ihm schmeckt und gefällt. Er wird das Bild teilen und somit Werbung für mich machen. Bei mir wird es jedenfalls kein Fotografieverbot geben. Die Qualität des Essens sollte durch das Fotografieren aber nicht leiden: Wenn man zehn Minuten herumknipst, wird das Essen kalt und schmeckt nicht mehr so, wie ich es will.“

Christian Rescher, Küchenchef Hotel Aurelio in Lech agt: „Das Hauptproblem ist die Qualität der Bilder. Die Speisen kommen auf einem Handyfoto wahrscheinlich nicht so professionell zur Geltung. Aber Postings auf Social Media sind letztendlich immer eine Werbung. Ein Verbot ist kaum möglich, jeder hat ein Smartphone eingesteckt.“

Thomas Gruber, Küchenchef im Falkensteiner Schlosshotel Velden am Wörthersee: „Ich freu mich, wenn unseren Gästen die Gerichte nicht nur schmecken, sondern sie diese auch optisch ansprechend finden - schließlich isst das Auge mit. Wichtig ist, dass andere Gäste nicht durch das Fotografieren der Gerichte gestört werden.“

Michael Pichler und die Bundesland-Redaktionen

Oktober 2019

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