Reeperbahn Festival

Wiener Talente erobern Hamburgs sündige Meile

Die Reeperbahn ist nicht nur die bekannteste Vergnügungsmeile der Welt, sondern auch das Karriere-Sprungbrett für talentierte Musiker. Das zeigt vor allem das Reeperbahn Festival, welches vergangene Woche über die Bühne gegangen ist, eindrucksvoll. Bei diesem Event traten an vier Tagen 425 neue und bekannte Bands, Rapper, Singer-Songwriter in den zahlreichen Clubs und Live-Venues in und um die Reeperbahn auf. In diesem Jahr waren auch einige österreichische und Wiener Acts dabei darunter unter anderem Mathea, Elbow, My Ugly Clementine, Pauls Jets, Thorsteinn Einarsson. City4U hat das Reeperbahn Festival besucht und sich die heimischen Musik-Exporte angehört.

Hamburg bezeichnet man ja gerne als „Das Tor zur Welt“. Die Reeperbahn ist auf jeden Fall das Tor in eine ganz andere Welt. Ist sie bei tags eine ganz normale Straße auf der sich ein paar GoGo-Clubs konzentrieren, so erstrahlt sie in der Nacht in grellem Neon-Licht, voll Menschen mit guter Laune, laute Musik dröhnt aus allen Ecken und fast jeder Passant hält eine kleine Flasche Astra in der Hand. Gegen die Reeperbahn ist das Wiener Bermuda Dreieck wohl eher ein Kindergeburtstag, Hamburgs sündige Meile ist also nicht umsonst die bekannteste Vergnügungsstraße der Welt.

Einmal im Jahr verwandelt sich die Straße in St. Pauli in den Musiknabel der Welt - oder zumindest von Europa. Seit 2005 findet nämlich  jährlich das Reeperbahn Festival statt. Neben einem Festivaldorf auf dem Heiligenfelde, das Diskurse, Diskussionen, Workshops und Lesungen über wichtige Themen wie Frauen in der Musikindustrie, hostet, gibt es Award-Verleihungen, wie den ANCHOR, einen internationalen Music Award (der dieses Jahr an Alyona Alyona, eine ukrainische Rapperin ging), Konferenzen, Sessions und natürlich zahlreiche Konzerte von den coolsten Bands, die die Welt gerade zu bieten hat. Genre-übergreifend, versteht sich. 50.000 Festivalbesucher und 5.900 Fachbesucher wurden 2019 gezählt. Das Reeperbahn Festival ist also das wichtigste seiner Art in Europa.

Neben Headlinern wie Deichkind, Mando Diao oder Mia haben es in diesem Jahr auch einige Bands, Sängerinnen, Singer-Songwriter und Rapper aus den österreichischen Gefilden auf das Reeperbahn Festival geschafft. Ganz hoch im Kurs in Wien ist gerade auch „My Ugly Clementine“. Die vier Frauen traten am Samstag zur besten Zeit im Häkken beim St. Pauli Clubhaus auf. Bereits 20 Minuten vor dem Konzert traf man am berühmten Spielbudenplatz eine lange Schlange an, die auf Einlass wartete, um die Wiener Band zu hören. Als die Venue gestürmt wird, sind die vier Musikerinnen noch beim Soundcheck, der nicht so ganz nach ihren Wünschen abläuft. Sie werden schon ein bisschen nervös, zur Auflockerung werden Witze erzählt. „Was ist grün und hinter Gittern? Ein Essigschürkchen“. Dann geht es aber endlich los und die Künstlerinnen zeigen, warum sie gerade als heißer Tipp gehandelt werden. Denn obwohl der Sound bis zum Ende des Konzerts nicht wirklich stimmt, beweisen sie: Sie sind Rock‘n‘Roll.

Ebenfalls beim Reeperbahn Festival performt hat das neue Pop-Talent Mathea. Der 21-jährige Shootingstar aus dem Salzburger Pinzgau konnte bereits vor einiger Zeit einen Chartserfolg mit „2x“ verbuchen. In Hamburg durfte sie das Publikum gleich zwei Mal von ihrer Live-Performance überzeugen. Auch Thorsteinn Einarsson der 2014 bei der Casting-Show „Die große Chance“ den vierten Platz belegte und danach mit seiner Single „Leyla“ Chartserfolge feiern konnte, trat am Reeperbahn Festival in der St. Pauli Kirche auf. Aber auch die österreichischen Hip-Hop-Talente waren vertreten: Gerard, Hunney Pimp und Ebow. Die österreichischen Indie- und Elektrohelden fehlten ebenfalls nicht: Oehl, 5K HD, Atzur und Culk. Eines der Highlights waren sicher auch die eigenes inszenierten Konzerte von unter anderem Indie-Helden Efterklang in der Elphilharmonie. Die „Elfi“, wie die Hamburger das Konzerthaus nennen, wurde 2017 nach langer Bauzeit eröffnet und ist für seine atemberaubende Architektur und Akkustik bekannt. 

Ohne Hamburg würde es die Beatles gar nicht geben, sind sich viele Hamburger sicher. Immerhin hatten sie in den Clubs auf und um die Reeperbahn ihr erstes bezahltes Engagement in den frühen 1960er-Jahren. Damals waren sie noch Rock‘n‘Roll-Fans, sahen aus wie kleine Elvis-Atrappen und hatten keine eigenen Lieder. Doch das sollte sich nach ihrem Aufenthalt auf der Reeperbahn ändern. Und wer weiß, welchen Weg die österreichen Bands noch gehen werden, nach ihren Auftritten auf der Reeperbahn.

September 2019

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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