Zum Einatmen

Vapshot: Gefährlicher neuer Alkohol-Trend in Clubs

Ein gefährlicher neuer Alkohol-Trend hat sich von den USA auf den Weg nach Europa gemacht. Sogenannte Vapshots. Das ist Wodka-Mist, also Nebel, der hochkonzentiert in Ballons gefüllt und damit eingeatmet wird. Der verdampfte Alkohol gelangt so direkt in die Blutbahn, anders, als wenn man ihn in gewohnter weise trinkt. In den Clubs in Großbritannien sind die Vapshots bereits um etwa sechs Euro pro Ballon erhältlich. City4U hat mit Alkoholexperten und Wiener Lokalbesitzern gesprochen, was sie von dem neuen gefährlichen Trend halten und ob das auch in heimischen Clubs vorstellbar wäre.

„Mit Vapshot können Sie die unterhaltsamen Teile des Alkoholkonsums erleben und gleichzeitig die schädlichen Teile minimieren. Mit Vapshot können Sie die ganze Nacht über eine Menge Spaß haben und die Wahrscheinlichkeit, am nächsten Tag einen Kater zu haben, ist viel geringer.“ Damit wirbt das US-Unternehmen auf seiner Website, Alkoholdunst mittels Ballon einzuatmen. „Absolut nicht richtig“, betont Dr. Michael Musalek, ärztlicher Leiter des Anton-Proksch-Institus, welches auf Suchterkrankungen spezialisiert ist, im City4U-Gespräch.
„Bei dieser Art des Alkoholkonsums findet der Rezeptionsvorgang nicht statt, der Stoffwechsel wird umgangen. Das bedeutet, er landet eins zu eins im Blut und in der Nervenbahn. Man unterscheidet Wirkungs- und Genusstrinken. Bei ersterem geht es darum, möglichst rasch eine Wirkung, also einen Rausch herbeizuführen. Der Genuss fällt praktisch weg. Genau darum geht es bei den Vapshots. Sie sind also auf keinen Fall weniger schädlich.“

#Verniedlichung des Alkoholkonsums
Das Einatmen von Alkoholdunst via Ballon ist für viele Clubgänger eine neue Erfahrung. Das zeigt auch die Einführung des Produkts in Großbritannien. Bei der Vorstellung von Vapshot im Juli im Gallery Nightclub Maidstone wurden in einer Nacht 1300 Vapshots konsumiert. Doch die Gefahr darf nicht unterschätzt werden, betont Hermann Hofstetter, Obmann der Suchthilfeorganisation Blaues Kreuz: „Das System Vapshot ist insofern als sehr bedenklich einzustufen, da es den Alkoholkonsum verniedlicht und den Einstieg in missbräuchliches Verhalten begünstigt. Auch die damit einhergehende ,Verherrlichung‘ des Rauschempfindens ist insbesondere für Jugendliche als problematisch anzusehen.“ Gerade für Teenager in Österreich, die zu den traurigen Spitzenreitern in Europa zählen, was das Einstiegsalter beim Alkoholkonsum betrifft, ist der Einsatz von Vapshots bedenklich. „Damit wird der Alkohol verniedlicht, so als würde er nicht gefährlich sein. Vapshots würden also kaum Vorteile, aber einen ganzen Rucksack voller Nachteile bringen. Es ist auf keinen Fall eine Alternative zu einem guten Seidl“, weiß Musalek.

#Wiener Clubbesutzer warnen davor
Auch die Wiener Clubbesitzer sind von der Idee nicht gerade begeistert. „Was zwar lustig klingt, kann ziemlich schnell zur Gefahr werden. Die Leute wissen nicht, damit umzugehen und überschätzen sich daher leichter. Wir sind gerne bei neuen Trends dabei, aber nicht wenn diese gefährlich werden können“, erklärt der Eventmanager des Prater Dome auf City4U-Anfrage. Wie schädlich neue Trends sein können, die den Alkohol verniedlichen und vor allem die Jugend ansprechen sollen, hat auch die Erfahrung mit Alcopops in den Nullerjahren gezeigt. Vor allem junge Mädchen und Frauen sind anfällig für diese Art des Konsums.

#Zahl der alkoholkranken Frauen steigt
Das macht sich auch im Anton-Proksch-Institut bemerkbar: „Die Gesamtzahl der Alkoholkranken bleibt zwar im wesentlichen konstant. Die Zahl der suchtkranken Männer ist sogar rückläufig, die Frauen holen jedoch stark auf. Dies hat zwei Gründe: Die Gesellschaft hat sich verändert, früher wäre eine betrunkene Frau eine Schande gewesen, heute fällt das gar nicht mehr auf. Der zweite Grund ist das frühe Einstiegsalter, welches in Österreich bei zwölf, 13 Jahren liegt. Vor 30 Jahren war es im Alter zwischen 15 und 16 Jahren“, beschreibt Musalek.

#Sicherer Umgang mit Alkohol
Die Vapshot-Gründer sehen in ihrem Produkt die „Zukunft der Alkoholindustrie“ und die „sichere Art des Konsums“. Dem kann Suchtexperte Musalek nur vehement widersprechen: „Wenn man eine sichere Form des Alkoholkonsums anstreben möchte, wobei ganz sicher wird er nie sein, dann sollte man nur hochqualitative Produkte in kleinen Mengen zu sehr hohen Preisen zu sich nehmen.“ Also ganz das Gegenteil von Vapshots, die es laut heimischen Clubbesitzern auch so schnell in Wien nicht geben wird.

August 2019

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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