City4U fragt nach:

Werden psychische Erkrankungen zum Trend?

Depressionen sind auf dem Vormarsch, vor allem in den Industrienationen. Menschen jedes Geschlechts und jeder Altersgruppe sind davon betroffen, auch immer mehr Stars und Sternchen sprechen über ihre psychischen Erkrankungen. Man kann fast kein Interview lesen, in dem dieses Thema nicht angesprochen wird. Man könnte fast meinen, es sei gerade en vouge, Depressionen zu haben. City4U hat bei Frau Dr. Jutta Leth, Psychiaterin und Psychotherapeutin bei Juvenis in Wien, nachgefragt, ob das tatsächlich so ist. Liegen psychische Krankheiten im Trend?

Jeder zweite Österreicher hat Angehörige oder Freunde, die eine depressive Episode erleben oder erlebt haben. „Insgesamt steigen psychische Erkrankungen vor allem in den Industrieländern stark an. Das liegt neben einer verbesserten Diagnostik und wenige Scham der Betroffenen diesbezüglich sich ärztliche oder therapeutische Hilfe zu holen, eindeutig auch an gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, Anforderungen und dem modernen Lebensstil der Menschen“, erklärt Leth im City4U-Gespräch. Die monopolare Depression ist laut WHO die Erkrankung, die in der westlichen Welt für die meisten vorzeitigen Todesfälle und eingeschränkten Lebensjahre bis 2030 verantwortlich sein wird.

Doch nicht nur das. Die Menschen, die an Depressionen leiden, werden auch immer jünger: „Bei den jungen Menschen sieht man häufig Mischformen aus Angst und Depression, Suchterkrankungen und zunehmend auch mehr Persönlichkeitsentwicklungsstörungen, die häufig mit depressiven Symptomen einhergehen.“ Sinn und Perspektive im Leben zu finden scheint immer schwieriger - vor allem für junge Menschen. „Party und Shoppen ist dafür kein tragfähiges Surrogat“, betont die Psychiaterin.

Würde sie also sagen, dass es „in“ sei, über psychische Erkrankungen zu sprechen? „So würde ich das nicht ausdrücken, aber sicher sind Hemmschwellen gefallen, gleichtzeitig haben sich Therapieoptionen gebessert und sind auch gesellschaftsfähig geworden. Das Bedürfnis nach stützenden Beziehungen scheint in einer immer unsicherer erscheinenden Welt zunehmend grösser zu werden und viel Menschen finden diesen Halt nicht mehr in ihren Familien oder sozialen Netzwerken, sondern suchen diesbezüglich Therapeuten auf.“ Viele prominente Menschen würden darüber sprechen, um das eigene Schicksal stellvertretend öffentlich zu machen, um anderen Menschen zu zeigen, dass es Auswege und Behandlungen gibt.

Depression ist laut Leth eine Diagnose, mit der Menschen sich zumeist gut identifizieren können. Andere Diagnosen mit ähnlichen Symptomen wie Persönlichkeitsstörungen, Suchterkrankungen oder Schizophrenie werden jedoch noch immer tabuisiert.
Die Psychiaterin appelliert an die Politik ausreichend Ressourcen zur Verfügung zu stellen um rasche Interventionen und kürzere Wartezeiten auf Behandlungen zu ermöglichen. Vor allem aber muss in Prävention investiert werden, um Betroffenen rasch und effizient helfen zu können. Früherkennung muss bei Kindern und Jugendlichen und damit in Schule und Familie beginnen und auch in der Arbeitswelt sollte man zunehmend mehr Focus auf die Erhaltung der psychischen Gesundheit legen. „Vor allem aber müssen wir einen gesellschaftlichen Diskurs darüber beginnen, warum so viele Menschen so unglücklich und überfordert sind, obwohl es uns allen doch scheinbar so gut geht.“

Wenn ihr oder eine euch nahestehende Person von Depressionen betroffen ist, wendet euch bitte an die Telefon-Seelsorge unter der Telefonnummer 142. Weitere Krisentelefone und Notrufnummern findet ihr HIER.

August 2019

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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