Außergewöhnlicher Job

Im Bad mit Ilse, dem Ameisenbären

200 Bewerbungen erreichen den Tiergarten Schönbrunn jedes Jahr für einen heiß begehrten Job: Tierpfleger. Einer, der es geschafft hat und diesen Beruf seit nunmehr 22 Jahren ausübt, ist Alexander Keller. City4U durfte den Revierleiter des Südamerika-Parks besuchen und dabei auch sein absolutes Lieblingstier kennenlernen: Ameisenbär-Dame Ilse, die mit 24 Jahren eine äußerst betagte Lady ist und nichts mehr liebt, als von ihrem Pfleger gebadet zu werden.

„Ich kenne Ilse seit 22 Jahren, seit sie im Tiergarten Schönbrunn lebt. Ich kenne sie, sie kennt mich und weiß sofort, wenn ich schlecht drauf bin. Bei uns ist die non-verbale Kommunikation schon sehr ausgeprägt“, schmunzelt Revierleiter Alexander Keller beim City4U-Besuch in der Futterküche des Südamerika-Parks. Während das Interview geführt wird, wartet Ilse äußerst interessiert direkt am Fenster und fährt mit ihrer 60 Zentimeter langen Zunge durch eine kleine Rille in das Innere des Raumes.

Wenn man das eingespielte Team Mensch-Ameisenbär sieht, verwundert es nicht, dass für viele Menschen Tierpfleger der absolute Traumberuf ist. So nah wie in diesem Job kommt man Tieren wie Elefanten, Wasserschweinen oder Giraffen sonst schließlich nie. „Viele haben aber eine falsche Vorstellung von der Tätigkeit. Sie besteht nämlich zu 80 Prozent aus Reinigungsarbeiten. Die Zeit direkt mit dem Tier ist minimal. Wenn man jedoch ein großer Liebhaber ist, schätzt man die 20 Minuten mit dem Schützling dafür umso mehr“, weiß der 37-Jährige.

Überhaupt würden die Pfleger die Tiere hier als ihre eigenen sehen. Umso schmerzhafter ist es dann, wenn sie in andere Zoos übersiedeln oder sterben. „Das ist dann natürlich eine psychische Challenge, auch wenn man es versteht. Immerhin hat man eine persönliche Beziehung aufgebaut und lebt mit dem Tier mit.“ Im Rahmen der Europäischen Erhaltungszuchtprogramme werden Tiere getauscht. „Ein eigener Zuchtbuchführer vergleicht alle Daten, sodass nur jene sich paaren, deren Gen-Pole zusammenpassen", erklärt Keller. Damit es eine genetisch gesunde Population in den Zoos gibt, werden zum Beispiel Elefantenbullen aus dem Krüger Nationalpark in Südafrika abgesamt und eine Elefantenkuh in Europa wird damit künstlich besamt. Da der Zoo eine große Rolle in der Erhaltung von bedrohten Arten spielt, werden manche auch in der Natur ausgesetzt. „Vor Jahren wurden 30 wilde Pferde aus den Zoos in der Mongolei wieder angesiedelt, da sie dort ausgestorben waren. Mittlerweile sind sie dort wieder heimisch“, erzählt der Wiener. „Ohne Zoos würden einige Arten nicht mehr existieren.“

Der Zoo ist schon lange nicht mehr nur „Tiere im Käfig“. „Viele der Tiere wurden in Zoos geboren, das ist ihr Lebensraum und sie haben ein schönes Leben.“ Damit das auch so bleibt, werden auch die Besucher zur Rücksicht aufgefordert: „Es ist manchmal nervig, wenn die Menschen an die Scheiben klopfen oder die Tiere füttern, obwohl das verboten ist. Ein Großteil der Besucher verhält sich aber einwandfrei“, findet Keller. Der Tiergarten Schönbrunn sieht sich auch als Lehrer. „Wir haben einen Bildungsauftrag, den wir erfüllen. Wir halten Workshops ab, sind führend in der Quallenzucht und betreiben zahlreiche Forschungen. Wir haben sogar Projekte mit NGOs wie Greenpeace. Unseren Tieren geht es gut und das sieht man auch“, betont der Tierpfleger.

Täglich um 15.30 Uhr werden die Großen Ameisenbären vor den Augen der Besucher gefüttert. Auch Ilse freut sich darauf. Alexander Keller hat es bereits vorbereitet, es gibt Topfen und Insekten. Diese werden in einen künstlichen Termitenhügel gelegt und die Ameisenbären schlecken sie sich durch kleine Löcher mit ihrer langen Zunge auf. Nach dem Festmahl ist es Zeit für Ilses liebste Beschäftigung: Baden. Ilse legt sich in ein kleines Becken und Keller spritzt sie mit einem Wasserschlauch ab. Die Ameisenbärin genießt die Dusche sichtlich und schrubbt sich den Körper und dreht sich im Becken. „Ilse ist eine knuddelige Oma. Sie ist so kuschelig, obwohl ihr Fell borstig ist. Sie liebt es herumzutollen und zu spielen“, sagt der Tierpfleger sichtlich stolz. Mit ihren 24 Jahren ist Ilse eine der ältesten Ameisenbären. Ihre Lebenserwartung liegt nämlich bei etwa 20 Jahren.

Juli 2019

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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