City4U testet

„josh“: Gastwirtschaft als „Geschenk des Himmels“

Erst kürzlich haben wir euch das „josh“ als eines der neuen Gourmet-Hotspots der Bundeshauptstadt vorgestellt. Aber wie steht es tatsächlich um das neue Restaurant mitten in Wien? City4U hat die Gastwirtschaft in „The Mall“ nach der feierlichen Eröffnung im April jetzt auf Herz und Nieren geprüft. Fazit: Ein Besuch beim jungen Gastronomen Stefan Obreja zahlt sich auf jeden Fall aus, sein Lokal erweist sich als wahres „Geschenk des Himmels“ für Wien-Mitte.

Auf verschlungenen Pfaden lässt sich oftmals gutes entdecken. Das gilt auch für das „josh“. Im April in einem Seitengang des Einkaufszentrums beim Bahnhof Wien-Mitte eröffnet, ist es auf den ersten Blick gar nicht so einfach, den Weg zu dem Lokal zu finden. Das weiß auch Gastronom Stefan Obreja, der mittlerweile Fußabdrücke vom Haupteingang von „The Mall“ bis zu den Pforten seiner Gastwirtschaft aufkleben hat lassen. Folgen sie den Spuren zu ihrem kulinarischen Glück, so hofft zumindest der Betreiber. Der bislang nüchtern in Weiß gehaltene Seiteneingang soll aber in Bälde durch einen neuen 3D-Erlebnispark aufgewertet werden, wie zu erfahren ist.

Eine schönere „Anreise“ bietet sich den Gästen, die das „josh“ von Seiten der Invalidengasse ansteuern. Dort kann die offene, moderne Küche des Lokals mit einer großen Fensterfront quasi als Schaufenster-Werbung die volle Punktezahl lukrieren. Nein, mit den kulinarischen Reizen wird hier definitiv nicht gegeizt.

Schön auch die Innenansichten, vom eigenwilligen Wiener Fischgrätmuster - die französischen Fischgrät-Stäbe begeistern mit einer sehr noblen, ehrwürdigen Anmutung - über die Wien-Pläne in 3D als Wanddekoration mit Suchbild-Suchtfaktor, einem kreativen Lichtdesign, edel geschliffenen Stahl-Wandpaneelen und tierischen Deckentafeln bis hin zu den typischen Wirtshaustischen - allerdings mit dem gewissen Extra in Form von liebevoll gestalteten Schubladen, in denen das Besteck untergebracht ist. Alles zusammen ergibt eine ganz eigene, faszinierende Raumwirkung. Modern, aber nicht kalt. Schick, aber nicht schickimicki!

„Schlagerstars“ der heimischen Wirthausküche und moderne internationale Küchen-Hits
Serviert werden im „josh“ die „Schlagerstars“ der heimischen Wirtshausküche ebenso wie moderne internationale Küchen-Hits. Beim City4U-Test haben wir uns auf die Empfehlungen von Gastgeber Obreja verlassen - und wurden nicht enttäuscht. So ist schon das Beef Tatar als Einstieg nicht nur eine Augenweide, sondern auch ein Geschmackserlebnis, das wohl selbst so manchen Rohfleisch-Verächter umstimmen könnte. Nicht zu fein faschiert und mit der richtigen Menge an Gewürzen abgestimmt - nicht zu viel Salz und Kapern - kann Gastronom Obreja zurecht stolz auf seine Version des Küchenklassikers sein, der seit einiger Zeit ein ungeahntes und auch verdientes Comeback feiert.

Ein wahrhaft himmlischer Genuss auch der Burrata, der samtweich und innen herrlich cremig buchstäblich auf der Zunge zergeht. Kein Wunder, dass der Gastwirt die italienische Frischkäsespezialität seinen Gästen als besonders Schmankerl empfiehlt. Selbst schuld, wer sich das nicht zu Herzen - oder besser: zu Magen - nimmt. Weniger spektakulär indessen die saisonale Cremésuppe mit Wurzelgemüse, die zwar grundsätzlich nichts falsch macht, aber - wie so oft bei den Crème-veredelten Brühen - geschmacklich vom Salz dominiert wird.

Beim Hauptgang brilliert der Wiener Klassiker Zwiebelrostbraten

Beim Hauptgang brilliert der Wiener Klassiker Zwiebelrostbraten, der sich schon mit einem herrlichen Duft aus der Küche ankündigt. Zartes Fleisch und knusprige Zwiebeln lassen bei Kennern keine Kritik aufkommen. Bei der Beilage gibt sich das „josh“ risikofreudig und serviert die Bratkartoffeln nicht traditionell würflig, sondern in Scheiben geschnitten unter dem Fleisch. So bleibt dank besserer Saugwirkung vom wunderbaren Jus - von dem es ruhig ein bisschen mehr hätte sein können - nichts am Teller. Puristen mag die Kartoffel-Platzierung stören, die aber durchaus ihren eigenen Charme hat.

Der Star des City4U-Tests sind aber ohne jeden Zweifel die Schinkenfleckerl. Der Wirtshaus-Klassiker in der „josh“-Interpretation mutet fast schon wie eine Pasta-Spezialität an. Da ist wirklich keine einzige Nudel trocken, nur die Oberfläche aus Parmesan ist knusprig zu genießen - weil nicht gratiniert, sondern flambiert, schwärmt Obreja stolz von seinen Schinkenfleckerln, die auch eine der häufigsten Sünden gekonnt umsteuern und nicht buttrig oder gar fettig daherkommen. Der Magen ist dankbar!

Zum Abschied lässt uns der wirklich aufmerksame Gastronom noch von den Süßspeisen kosten und schwärmt dabei liebevoll von seinem Küchenpersonal. Doch die Dessert-Bilanz fällt gemischt aus: Während das Grießflammerie schön fruchtig aber nicht zu süß den Gaumen erfreut, kann das Mousse au Chocolat nicht ganz überzeugen. Die beliebte und allseits bekannte Nachspeise aus Frankreich ist einfach nicht flaumig-schaumig genug, wie es sich für eine echte Mousse gehört. Da ist noch Luft nach oben.

Mix aus traditioneller Wiener Wirtshausküche und Neuinterpretationen überzeugt
Eines ist nach dem Testessen aber klar: Das Konzept des jungen sympathischen Gastronomen, der im Ritz-Carlton Barcelona, bei Do&Co und Plachutta sein Handwerk erlernt hat, geht auf. Der Mix aus traditioneller Wiener Wirtshausküche und Neuinterpretationen ist gut ausbalanciert und überzeugt mit einigen wenigen kleinen Aussetzern auf voller Linie. Angesichts des hohen Niveaus der Küche und der kosmopolitischen Atmosphäre sind die Preise im „josh“ auf jeden Fall fair, die göttlichen Schinkenfleckerln mit einem Preis von acht Euro fast schon ein Geschenk des Himmels …

Juni 2019

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Harald Dragan
Harald Dragan
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