12.06.2019 19:34

„Schwer voraussehbar“

Inn-Hochwasser: Lage bleibt „angespannt“

Schneeschmelze und lokale Gewitter bewirken, dass die Hochwassersituation in Teilen Tirols weiterhin angespannt ist. Mittwochmittag betrug der Pegelstand des Inn laut Hydrografischem Dienst des Landes in Innsbruck 6,26 Meter. Damit erreichte er den Wert eines 30-jährlichen Hochwassers, die Marke für ein 100-jährliches Hochwasser liegt bei 6,50 Metern. Die Lage ist weiterhin „angespannt“, aber stabil, die Pegel sind leicht rückgängig.

Der Inn führt derzeit nicht nur außergewöhnlich viel Wasser, sondern auch große Mengen an Treibholz. Dem Fluss setzen auch die Zubringerbäche zu. Von dort gelangen Schlamm und anderes Schwemmgut wie Holz in den Inn. Vor allem in Innsbruck wurden Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Die Karwendelbrücke, der Emil-Bethourad-Steg und der Hans-Psenner-Steg mussten am Dienstagabend gesperrt werden.

Die Feuerwehren waren in Alarmbereitschaft und setzten schon präventive Maßnahmen für die Altstadt. „Die Entwicklung ist schwer voraussehbar. Derzeit gehen wir nicht davon aus, dass der Inn tatsächlich übergeht“, meinte Elmar Rizzoli, Leiter des städtischen Amts für Allgemeine Sicherheit.

Das jüngste große Hochwasser, das auch die Landeshauptstadt Innsbruck betraf, hatte sich im Jahr 2005 ereignet. Damals trat der Inn über das Ufer - unter anderem wurde die Bibliothek der Universität teilweise überschwemmt. Insgesamt war landesweit ein Schaden von 350 Millionen Euro entstanden. Zudem war ein Todesopfer zu beklagen.

„In den Beobachtungen noch nie festgestellt“
Für Klaus Niedertscheider, Leiter des Sachgebiets Hydrografie und Hydrologie des Landes Tirol, ist die Ursache des Hochwassers ungewöhnlich. „Diese besondere Situation am Inn rührt daher, dass das Hochwasser eigentlich aus der Schneeschmelze hervorgegangen ist“, sagte Niedertscheider. Dass dieses Schmelzwasser den Inn auf den Pegel eines 30-jährlichen Hochwassers oder sogar mehr anschwellen lässt, sei „etwas sehr Seltenes, das wir in den Beobachtungen noch nie festgestellt haben“.

Eine ähnliche Situation gab es laut dem Experten im Jahr 2008, wobei es hier nur eine Wasserführung über dem fünfjährlichen Hochwasser gegeben habe. Die Lage bleibe jedenfalls angespannt, „weil aus der Schweiz noch Wasser kommen wird und die Ötztaler Ache noch am Steigen ist. Diese Wassermengen kommen erst nach Innsbruck und dann weiter ins Unterland“, prognostizierte der Hydrologe.

Ganze Felder unter Wasser
Die beträchtlichen Wassermengen hatten im Tiroler Unterland bereits am späten Dienstagnachmittag zu Problemen geführt. Ganze Felder standen unter Wasser. In einem Ortsteil der Gemeinde Münster etwa wurde ein Acker neben der Bahnstrecke überflutet. Lokale Überflutungen gab es auch in Kramsach, Rattenberg und Reith im Alpbachtal. Einige Brücken wurden gesperrt, etwa Fußgängerbrücken in der Landeshauptstadt oder die Steinbrücke in Schwaz. In Terfens wurde unter anderem eine Hochwasserwand aufgestellt, um sich gegen Überflutungen zu wappnen. Und einige Helfer bereiten für den Ernstfall Sandsäcke vor.

Im Tiroler Unterland liege man derzeit im Bereich eines zehn- bzw. 20-jährlichen Hochwassers. Landeshauptmannstellvertreter und Sicherheitsreferent Josef Geisler (ÖVP) rief die Bevölkerung zur Vorsicht auf und warnte Schaulustige: „Die Ufer sind aufgeweicht und es kann durchaus dazu führen, dass ein Ufer abbricht und man in den Fluss stürzen kann.“ Die Situation bezeichnete er als „kritisch“.

Unwetterschäden in Imst
Starke Windböen während eines Unwetters haben zudem am Dienstagabend in Imst Teile von Dächern zweier Gebäude losgerissen. Straßen und Plätze mussten zeitweise gesperrt werden. Im Imster Stadtgebiet wurde das Blechdach einer öffentlichen Bücherei zum Teil abgedeckt und der Bereich des Stadtplatzes musste gesperrt werden.

 krone.at
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