14.06.2019 10:00

Diagnosen oft falsch:

„Dr. Google“ sollte man nicht allzu viel vertrauen

Rote Flecken auf der Haut? Eigenartiges Stechen im Kopf? Was habe ich? Fehlt uns etwas, wird heute vielfach zuerst „Dr. Google“ konsultiert. „Vorsicht!“, meint Dr. Silvester Hutgrabner, Kurienobmann-Stv. der niedergelassenen Ärzte: „Medizinische Begriffe werden oft missgedeutet, das kann noch kränker machen.“

Rote Flecken auf der Haut? Stechen im Kopf? Blau unterm Fingernagel? Fehlt uns etwas, wird vielfach zuerst „Dr. Google“ konsultiert. „Vorsicht!“, meint Silvester Hutgrabner, Vize-Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte: „Medizinische Begriffe werden vom Laien oft missgedeutet, das kann noch kränker machen.“

Der „Informationslieferant Internet“, in dem man alles findet, spricht auch bei Krankheiten mit: „Es ist der Trend der Zeit, dass jeder im Internet nachschaut, wenn ihm etwas weh tut oder er rote Punkte auf der Haut entdeckt“, sagt Silvester Hutgrabner (62), Vize-Kurienobmann bei der Ärztekammer Oberösterreich und Hausarzt in Eberschwang. Doch das Internet nimmt es zu genau und zu allgemein zugleich: „Es werden Begriffe und Varianten aufgelistet, die der Nicht-Mediziner meistens falsch interpretiert, das verunsichert“, weiß Hutgrabner aus Erfahrung mit Patienten.

Online-Diagnose macht noch kränker
Auch Peter Niedermoser (58), Präsident der Ärztekammer unterstreicht: „Viele Patienten setzen sich mit ihren Symptomen auseinander, bevor sie zum Arzt kommen. Sie entwickeln durch das Internet Ideen, was ihnen fehlen könnte. Oft ist es schwierig, sie davon zu überzeugen, dass das aber nicht die richtige Diagnose ist.“ Eine Online-Diagnose kann Ängste schüren: „Das macht womöglich noch kränker“, warnt Hutgrabner. Die heimische Ärzteschaft spricht von einem „Nocebo-Effekt“, in Anlehnung an „Placebo“.

Gesundheits-Hotline hilft
Ein „Placebo“ ist ein Arzneimittel, das keinen Wirkstoff enthält, aber dennoch heilende Wirkung entfaltet. Ein „Nocebo“ ist das Gegenteil: Eine im Web selbstgesuchte schlechte Diagnose verstärkt das Krankheitsgefühl, weil Phantom-Symptome dazukommen. Die Ärztekammer rät daher davon ab, „Dr. Google“ allzu viel Vertrauen zu schenken. Bei Beschwerden sollte man sich an seinen Hausarzt wenden. „Wenn rasch Gewissheit gesucht wird, kann man die Hotline 1450 wählen“, empfiehlt Niedermoser. Hier bekommt jeder rund um die Uhr eine telefonische Beratung bei gesundheitlichen Problemen.

Elisabeth Rathenböck, Kronen Zeitung

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