11.06.2019 06:30

Im Waldhof

Salzkammergut: Golf für Sünder

Wer glaubt, dass eine 9-Loch-Anlage bloß etwas für Anfänger ist, der wird am GC Waldhof am Salzburger Fuschlsee gleich einmal eines Besseren belehrt - und denkt etwa über Hochmut nach ...

Es müssen ja nicht gleich die sieben Todsünden sein, denen man begegnet, begibt man sich an den herrlichen Fuschlsee, um ein bisschen dem Jagen nach der kleinen weißen Kugel nachzugehen. Aber so ein bisschen kommen sie schon zum Tragen – der Hochmut. Der Neid. Der Zorn. Die Trägheit. Die Habgier. Die Völlerei. Die Wollust.

Aber der Reihe nach. Wir sind Gast bei Familie Ebner. Uns eint nämlich eines: Deren Waldhof-Resort ist heuer genauso 60 Jahre jung wie die „Krone“. Und weil Papa Ebner gerne den Golfschläger schwingt, hat er sich oben auf der Alm, wo ihn keiner stört, einmal so zwei Golfbahnen hingemacht. Tja, und hin und wieder hat er halt nette Stammgäste mit hinauf genommen. Und weil der Waldhof viele nette Stammgäste hat, wurde halt ein veritabler 9-Loch-Platz daraus.

„Echte“ Golfer rümpfen jetzt die Nase. 9 Loch? Pah. Was für Anfänger. Und schon sind wir bei Todsünde 1: Hochmut! Meine Herrschaften, es kommt ausnahmsweise nicht auf Längen an, es geht ums Gefühl. Steil bergauf, mit einem Dogleg und einem erhöhten Grün das Hole 1, ein Par 4 – und links geht’s in den Abgrund Richtung See und rechts in den tiefen, tiefen Wald. Viel Glück, sag ich nur.

Der Neid frisst einen, wenn der Abschlag meiner lieben Golf-Freundin Barbara hoch oben Mitte Fairway liegt – das übrigens mit kleinen Wiesen-Blümchen durchsetzt ist. Der Zorn ereilt sie, wenn sie anstelle des vermeintlich sicheren Schlages aufs Grün ein anderes trifft – eben jenen zitierten tiefen, tiefen Wald. Die Trägheit geht uns beide etwas an: wozu diesen einen Ball suchen, wir haben genug andere mit (und das ist gleich eine Empfehlung an Sie, liebe golfende Lesergemeinde!).

Die Habgier trifft einen aus der fröhlichen Golfgemeinschaft, die sich anlässlich der Premieren-Challenge 2019 – 10 Nichtgolfer haben einen Platzreifekurs samt Aufenthalt gewonnen und feiern dies mit prominenten Golferinnen und Golfern wie u.a. Olympiasiegerin und „Krone“-Kolumnistin Michaela Dorfmeister, Regie-Altmeister Otto Retzer samt seiner Shirley, dem singenden „RatPack“ mit Volker Piesczek samt Ehefrau Eva Glawischnig, Moderator Norbert Oberhauser, Neo-Golfer und Song-Contest-Star Eric Papilaya und Fußball-Trainer Peter Stöger mit seiner Ulli Krieger – eingefunden hat. Sein Ball landet knapp NICHT im Wasser, er sagte: „Ist spielbar“. Hätte er nur den einen Strafschlag genommen, anstelle der x-fachen Versuche, von denen jeder einzelne zählt

Ich sage Ihnen im Vertrauen: Ein langes Par 5 vermisst man keine Sekunde. Allein die Par 3 sind derart tricky, dass Ballgefühl und Konzentration gefragt sind – Letztere ist schwierig, wenn immer wieder der Fuschlsee ins grandiose Panorama blitzt. Auf Hole 5 gibt es eine nette Überraschung in flüssiger Form – Gäste bringen ihren Lieblingsschnaps und lassen ihn zum Verkosten dort. Und zwischen der 8 und der 9 schaut einem eine knallgelbe Kuh zu, ob der Abschlag eh gelingt.

Wer bis jetzt aufmerksam mitgezählt hat, wird jetzt aufschreien. Die Völlerei! Die Wollust! Was ist mit diesen beiden Sünden. Nun ja. Die Völlerei begegnet ihnen auf leisen Sohlen gleich einmal auf der Waldalm, die nicht nur das Golf-Clubhaus ist. Herzhafte Schmankerln wie Kasspatzn oder das Bratl aus dem Rohr samt mitgesottener Erdäpfeln und dem Krautsalat, köstliche Kuchen und zum Mitnehmen das hausgemachte Grammelschmalz erwartet Hungrige, die aber nicht zu sehr völlern sollten. Denn es muss einfach noch Platz bleiben für die hervorragende Küche auf dem Waldhof!

Von der Sumpfwiese zum Resort
Dass es den Waldhof überhaupt gibt, ist der Oma von Dani, der heutigen Hotelchefin, zu verdanken. Sie hat das Resort als kleine Frühstückspension gegründet. „Die Sumpfwiesn da am See, die kannst haben. Kann ma eh nix machen damit“, soll ihr der Nachbarsbauer den Grund angeboten haben. Nun ja, ich sage nur: Hochmut. Neid. Zorn. Die alle gelten für diesen Mann. Denn heute gibt es nichts, was es am Waldhof nicht gibt. Für die jüngsten Gäste sogar einen Indoor-Spielplatz mit Rutschen, vom großen Freiluft-Areal mit Schaukeln, einem Kletterturm und Max & Moritz als Zug-Ponys für eine Mini-Kutsche ganz abgesehen. Damit Mami & Papi und die Großeltern die Wellness-Welt erkunden können oder sich als „Kräuterhexen“ im hauseigenen Garten versuchen. Und sogar eine Zille hat man organisiert – und jetzt gibt‘s die erste Personen-Zillenschifffahrt über den Fuschlsee!

Weil aber die Ebners trotz allem Erfolg bodenständig geblieben sind, gehen sie auch mal einen Schritt zurück. Quasi zu den Wurzeln. Haben ein altes Haus vor dem Verfall gerettet, eine Frühstückspension samt kleinem Naturteich draus gemacht. Drinnen wohnen rund 4500 Bücher – und die warten auf „erlesene“ Gäste. Bliebe also noch die Wollust. Sie wird ja (auch) mit Ausschweifung und Genusssucht umschrieben. Ich empfehle Ihnen da – ganz keusch – eine wohltuende Massage, einen Besuch der Wellness-Landschaft und einen Drink an der Bar. Ob daraus eine Sünde wird, entscheiden Sie selbst ...

Gabriela Gödel, Kronen Zeitung

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