31.05.2019 17:55

Drei Tote in Zürich

Nach Geiseldrama: Kritik an Vorgehen der Polizei

Bei einer Geiselnahme in Zürich sind Freitag früh zwei Frauen erschossen worden, danach nahm sich der Täter das Leben. Der bewaffnete 60-Jährige verschanzte sich in einer Wohnung. Zunächst sagte er, er wollte aufgeben, doch dann fielen Schüsse. Was genau in der Wohnung geschehen ist, sei unklar und Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen. Mittlerweile steht die Exekutive medial in der Kritik. „Wieso griff sie nicht früher ein?“, fragt sich der „Blick“. Die Polizei wehrt sich gegen die Anschuldigungen.

Polizeisprecher Marco Cortesi erklärte Schweizer Medien, warum die Polizei nicht früher eingegriffen habe. „Das wäre nicht verhältnismäßig gewesen, da der Mann angekündigt hatte, sich zu ergeben - darum hatten wir uns zurückgehalten. Wir konnten nicht davon ausgehen, dass es zu dieser Tat kommt. Wir wollten die Situation diplomatisch erledigen.“

  • Ein Polizeibeamter vor jenem Haus, in dem eine Geiselnahme drei Tote gefordert hat
    Ein Polizeibeamter vor jenem Haus, in dem eine Geiselnahme drei Tote gefordert hat

Man habe nicht davon ausgehen müssen, dass der Mann eine solche Tat verübt.

  • Polizeisprecher Marco Cortesi
    Polizeisprecher Marco Cortesi

Diskussionen auch im Internet
Auch in diversen Internetforen wird der Einsatz der Polizei emotional diskutiert. „Sie sollte sich für kritische Phasen besser ausbilden lassen“, kritisierte ein User. Die Mehrheit aber stellte sich hinter die Beamten: „Polizisten riskieren des Öfteren ihr Leben, um uns zu schützen. Auch dies darf nicht vergessen werden. Der Mensch ist und bleibt nun mal unberechenbar.“

Wie es zur Geiselnahme kam
Die Züricher Stadtpolizei war kurz nach 5 Uhr alarmiert worden, wie sie mitteilte. Eine Frau habe angegeben, dass sie Hilfe brauche. Gleichzeitig meldete eine andere Anruferin, dass im Nachbarhaus jemand um Hilfe schreie. Wenige Minuten später trafen die ersten Einsatzkräfte am Ort des Geschehens ein. Daraufhin nahm ein Mann mit den Polizisten durch ein Fenster Kontakt auf. Er gab an, zwei Frauen in seiner Gewalt zu haben, und drohte, sie zu erschießen, wenn sich die Polizei nicht sofort zurückziehe.

Polizei nahm Verhandlungen mit Geiselnehmer auf
Inzwischen trafen weitere Polizeikräfte von Stadt- und Kantonspolizei ein, darunter die Spezialeinheit Skorpion und eine Verhandlungsgruppe. Die Gegend wurde großräumig abgesperrt und die Polizei nahm mit dem Mann Verhandlungen auf, wie Sprecher Cortesi erklärte. Im Verlauf der Verhandlungen erklärte der Geiselnehmer, seine Aktion um 8.30 Uhr beenden zu wollen und sich zu stellen. Beim letzten Kontakt zu diesem Zeitpunkt sagte der Mann, dass er in zehn Minuten aufgebe und herauskomme. Wenig später fielen mehrere Schüsse in der Wohnung, worauf sie von der Einheit Skorpion sofort gestürmt wurde.

Nationalitäten der getöteten Frauen noch nicht geklärt
Die Polizisten entdeckten in der Wohnung drei schwer verletzte Menschen - zwei Frauen und einen Mann. Trotz sofortiger Reanimationsversuche verstarben alle drei. Bei dem toten Mann handelt es sich um den 60-jährigen Schweizer. Die beiden Frauen, deren Nationalitäten noch nicht geklärt sind, sind 34 und 38 Jahre alt.

Was genau in der Wohnung geschehen sei, sei unklar und Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen, betonte Cortesi. Abgeklärt werde zudem das Verhältnis der drei Personen zueinander und auch, wie der Mann in die Wohnung gekommen war. Weitere Erkenntnisse verspricht sich die Polizei aus der gerichtsmedizinischen Untersuchung. Die Tatwaffe, eine Faustfeuerwaffe, wurde sichergestellt.

 krone.at
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