01.06.2019 09:30

Vorschau auf Herbst

VW Golf 8: Mehr Bits und Bytes, weniger Varianten

Im Herbst kommt der neue Golf. Die achte Generation soll Maßstäbe bei Konnektivität und Bedienung setzen. Reduziert wird dagegen das Motorenangebot.

Es ist nicht irgendein Auto, das da neu kommt, es ist der Golf. Seit Jahrzehnten fährt er in der Beliebtheitsskala der Autofahrer in seinem Heimatland ganz oben - mit weitem Abstand. In 45 Jahren wurde der Golf in sieben Generationen über 35 Millionen Mal gebaut. Er gilt als Synonym für die Marke Volkswagen und ist einer der wichtigsten Ertragsbringer im Konzern. Losgelöst von der IAA - hier dreht sich bei VW alles um den ID - bekommt der Golf 8 seinen großen Auftritt am 24. Oktober in Wolfsburg.

Bis dahin haben Entwickler und Ingenieure noch alle Hände voll zu tun. Derzeit befindet man sich in der Phase „Funktionsabsicherung und Anlaufvorbereitung“. So nennt sich die letzte Station vor dem SOP, dem „Start of Production“. VW versichert, rechtzeitig zur Markteinführung Ende dieses Jahres alles in trockenen Tüchern zu haben. Und reagiert damit auf eine Veröffentlichung des „Spiegel“, wonach aufgrund der hohen Komplexität bei der Elektronik viele Fehler noch nicht behoben sein sollen, was einen pünktlichen Serienanlauf gefährden würde. „Wir liegen absolut im Plan“, beruhigt VW-Entwicklungschef Dr. Frank Welsch, und spricht bei den Fehlern lieber von „Tickets“. Rund 125.000 von ihnen werden pro Jahr abgearbeitet, bei zirka 120 parallelen Fahrzeugprojekten, so Welsch. Ein Ticket kann ein Knacken im Lautsprecher bedeuten, aber auch den Absturz des gesamten Infotainment-Systems.

Eine erste Sitzprobe im neuen Golf, intern schlicht VW 380 genannt, zeigt unmissverständlich: Wolfsburgs Ikone ist im volldigitalen Zeitalter angekommen. Displays beherrschen das Cockpit, Knöpfe und physische Schalter sind so gut wie nicht mehr vorhanden. „Wir übertragen mit dem neuen Interieur-Konzept die digitale Lebenswelt der Kunden in deren automobilen Alltag“, sagt Dr. Rolf Zöller, Leiter Elektrik-/Elektronik-Entwicklung, „das Always-on-Prinzip findet Einzug in die Fahrzeug-Architektur.“ Zu Deutsch: Der neue Golf ist immer online, hat Verbindung zur Cloud, Dienste können erweitert, Software später zugekauft werden. Zudem ist er fit für teilautonomes Fahren, kann sowohl mit anderen Fahrzeugen und seiner Infrastruktur (Car2x) als auch mit seinem Zuhause (Car2Home) kommunizieren.

Weniger Varianten, aber ein Variant
Elektronisches Aufrüsten auf der einen, mechanische Abrüstung auf der anderen Seite. „Wir haben die Motor-/Getriebekombination nahezu halbiert“, sagt Karlheinz Hell, Leiter Baureihe Compact. Auch Karosserie-Derivate fielen dem Rotstift zum Opfer. Dreitürer, Sportsvan und Cabrio sind passé, Letzteres ersetzt der offene T-Roc. Der Variant bleibt.

Technisch basiert der Golf 8 auf dem MBQ evo, behält seine Größe, seinen Radstand und natürlich sein charakteristisches Design. Er muss sofort immer und überall als Golf erkennbar sein. Den Einstieg bildet der Dreizylinder EA211 evo mit 116 PS. Dieser ist allerdings nicht ab Marktstart verfügbar. VW legt die meisten Motorisierungen ins nächste Jahr. Noch 2019 sind der Zweiliter-Diesel (EA288 evo) und der 1,5-Liter-TSI (EA211 evo) zu haben. Der 1,6-Liter-Diesel ist gestrichen, der Zweiliter erhält einen 12-Volt-Riemenstartergenerator. 48 Volt sind es beim TSI. VW spricht hier von mHEV (mild Hybrid Electric Vehicle). Die gleiche Art der Elektrifizierung steht für 2020 für den Einliter-Dreizylinder auf dem Plan. Gut möglich, dass dieser Motor sogar einen Plug-in-Hybrid bekommt, neben dem schon bekannten Hybrid-Gespann im GTE. Hier schickt VW allerdings den 1,4-Liter in Rente, baut den neuen 1,5-Liter ein. Der vollelektrische e-Golf läuft aus. Ihn ersetzt der ID 3. Der kann alles besser, ist innen größer und fährt weiter.

Noch etwas gedulden muss sich die leistungshungrige Fangemeinde. GTI, vermutlich mit rund 260 PS, und Golf R mit über 300 PS gehen in der zweiten Jahreshälfte 2020 an den Start. Auf der Dieselseite lässt VW erneut ein GTD-Modell (204 PS) vom Band. Und weil in Sachen CO2-Reduzierung das Thema Erdgas nicht vom Tisch zu wischen ist, wird auch der Golf 8 als CNG-Variante bestellbar sein. Basismotor für die monovalente Auslegung ist hier ebenfalls der 1,5-Liter-TSI-Vierzylinder. Er soll rund 130 PS bekommen.

(SPX)

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