26.05.2019 16:01

Nach Aufruf von Öcalan

Tausende kurdische Häftlinge beenden Hungerstreik

Nach einem Appell des inhaftierten PKK-Gründers Abdullah Öcalan haben Tausende kurdische Häftlinge in der Türkei ihre Hungerstreiks eingestellt. Die aus Protest gegen Öcalans Haftbedingungen begonnene Aktion werde beendet, erklärte ein Sprecher der Hungerstreikenden am Sonntag. Das Ziel des Hungerstreiks sei erreicht, nachdem die Regierung Öcalans Anwälten wieder Besuche im Gefängnis gestattet hatte. Die Abgeordnete Leyla Güven von der prokurdischen Demokratischen Partei der Völker (HDP) war Anfang November aus Protest gegen die Isolation Öcalans in einen Hungerstreik getreten, danach hatten sich ihr mehr als 3000 Gefangene angeschlossen.

„Ich erwarte, dass die Aktion beendet wird“, forderte nun Öcalan laut einer Erklärung, die am Sonntag von seiner Anwältin Nevroz Uysal in Istanbul verlesen wurde. Ein Sprecher der Hungerstreikenden erklärte daraufhin, die Häftlinge folgten Öcalans Appell. Auch Güven erklärte, sie beende ihren Hungerstreik, werde aber ihren „Kampf gegen Isolation und für sozialen Frieden“ fortsetzen. Der Hungerstreik war in der HDP nicht unumstritten, da er von Kritikern als Beleg für die Nähe der Partei zur PKK gewertet wurde, die in der Türkei als Terrororganisation verboten ist.

Unter dem Druck der Proteste erlaubte die türkische Regierung Mitte Jänner aber Öcalans Bruder Mehmet einen Besuch auf der Gefängnisinsel Imrali im Marmara-Meer. Am 2. Mai durften erstmals seit acht Jahren zwei Anwälte zu dem langjährigen PKK-Führer. Nach einem erneuten Besuch am Mittwoch sagten seinen Anwälte am Sonntag, Öcalan wolle eine „positive Rolle spielen“ bei der Lösung der Probleme in Syrien, „einschließlich der kurdischen Frage“.

  • Öcalans Anwälte (von links) Faik Ozgur Erol, Newroz Uysal, Rezan Sarica während einer Pressekonferenz Anfang Mai
    Öcalans Anwälte (von links) Faik Ozgur Erol, Newroz Uysal, Rezan Sarica während einer Pressekonferenz Anfang Mai

Große Teile Nordsyriens werden von der kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD) kontrolliert. Wegen ihrer engen Verbindungen zur PKK sieht die Türkei ihre Präsenz als Bedrohung und ist bereits wiederholt gegen sie vorgegangen. Derzeit laufen Verhandlungen mit den USA, die die syrische Kurdenpartei im Kampf gegen die Dschihadisten unterstützt, über eine Pufferzone an der Grenze.

Öcalan verbüßt seit 20 Jahren in fast völliger Isolation eine lebenslange Freiheitsstrafe auf Imrali. Im Kampf seiner Guerillagruppe gegen den türkischen Staat wurden seit 1984 mehr als 40.000 Menschen getötet. Geheime Gespräche des türkischen Geheimdiensts mit Öcalan auf Imrali führten zwar im Frühjahr 2013 zu einer Waffenruhe, doch brach der Friedensprozess im Sommer 2015 wieder zusammen.

  • Kurdischer Demonstrant mit einer Öcalan-Fahne
    Kurdischer Demonstrant mit einer Öcalan-Fahne

Die Zugeständnisse an Öcalan fallen in eine Zeit, da die regierende AKP vor der Wiederholung der Bürgermeisterwahl in Istanbul am 23. Juni um Stimmen wirbt. Bei der ersten Wahl Ende März hatte die HDP keinen Kandidaten aufgestellt und den Oppositionskandidaten Ekrem Imamoglu unterstützt. Dies trug nach Einschätzung von Experten wesentlich dazu bei, Imamoglu eine Mehrheit zu sichern.

 krone.at
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