19.05.2019 14:19

Gefährliche Treffen

Wurde Strache Opfer des „Orban-Fluchs“?

Ein Treffen mit Ungarns rechtsnationalem Premier Viktor Orban hat bereits zahlreichen Politikern das Karriere-Aus gebracht. Aus diesem Grund schreiben ungarische Journalisten bereits von einem „Orban-Fluch“. Heinz-Christian Strache sei das jüngste „Mitglied im Klub“, schreibt - mit ein wenig Augenzwinkern - das ungarische Nachrichtenmagazin „hvg“ auf seiner Website. Der nun zurückgetretene österreichische Vizekanzler (siehe auch Video oben) hatte den ungarischen Regierungschef erst vor knapp zwei Wochen besucht.

Als erstes Opfer des „Fluchs“ nennt „hvg“ Hosni Mubarak, den langjährigen ägyptischen Präsidenten, der 2011 gestürzt wurde. Just einen Tag nach einem Treffen der beiden Spitzenpolitiker begannen in Kairo Demonstrationen gegen die Regierung. Im gleichen Jahr versicherte Orban auf einem EU-Gipfel dem italienischen Premier Silvio Berlusconi seine Unterstützung, der kurz darauf zurücktrat.

  • Hosni Mubarak während seines Gerichtsprozesses wegen Korruption
    Hosni Mubarak während seines Gerichtsprozesses wegen Korruption
  • Orban und Berlusconi beim Smalltalk am Rande eines EU-Gipfels in Brüssel im Jahr 2011
    Orban und Berlusconi beim Smalltalk am Rande eines EU-Gipfels in Brüssel im Jahr 2011

Orbans Wahlkampfhilfe für Saakaschwili
Das gleiche Schicksal ereilte den georgischen Staatspräsidenten Michail Saakaschwili, für den Orban 2012 Wahlkampf machte, wobei der Präsident letztlich die Wahl verlor. Auch der litauische Ministerpräsident Andrius Kubilius wurde drei Wochen nach einem Treffen mit Orban im Jahr 2012 bei den Parlamentswahlen abgestraft.

  • Orban während seines Besuchs bei Saakaschwili im September 2012
    Orban während seines Besuchs bei Saakaschwili im September 2012

Proteste in der Slowakei und die Maidan-Revolution
In den Nachbarländern Slowakei und Ukraine brachten die Orban-Besuche auch keinen Erfolg. Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico und der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch verloren ihre Ämter.

  • Wenige Monate nach Orbans Besuch bei Fico im Jahr 2017 trat der slowakische Regierungschef zurück. Der Grund war die größte Protestwelle seit dem Ende des Ostblocks, die sich nach dem Mord am Enthüllungsjournalisten Jan Kuciak aufgebaut hatte.
    Wenige Monate nach Orbans Besuch bei Fico im Jahr 2017 trat der slowakische Regierungschef zurück. Der Grund war die größte Protestwelle seit dem Ende des Ostblocks, die sich nach dem Mord am Enthüllungsjournalisten Jan Kuciak aufgebaut hatte.
  • Freundlicher Empfang für Orban in Kiew, der Janukowitsch als „stabilisierende Kraft in der Region“ bezeichnet hat. Dieser wurde im Zuge der Maidan-Revolution aus dem Amt gejagt.
    Freundlicher Empfang für Orban in Kiew, der Janukowitsch als „stabilisierende Kraft in der Region“ bezeichnet hat. Dieser wurde im Zuge der Maidan-Revolution aus dem Amt gejagt.

Zum Bedauern vieler Amerikaner habe der Besuch Orbans in Washington nichts bewirkt, denn US-Präsident Donald Trump sei immer noch im Amt, schreibt „hvg“.

  • Orban zu Besuch bei US-Präsident Donald Trump
    Orban zu Besuch bei US-Präsident Donald Trump

Israelischer TV-Reporter: „Mossad könnte dahinterstecken“
Übrigens: Eine gänzlich andere Erklärung als den „Orban-Fluch“ für den Skandal rund um Strache hat ein israelischer TV-Reporter. Er brachte die Möglichkeit ins Spiel, dass „vielleicht auch der Mossad“ hinter der „Falle“ für den FPÖ-Chef stecken könnte. Konkrete Anhaltspunkte nannte der Reporter freilich nicht. Auch dass von Strache der frühere SPÖ-Berater Tal Silberstein erwähnt worden war, wurde im TV erwähnt. Der Reporter erklärte, dass es ihm nicht gelungen sei, Silberstein zu kontaktieren und zum Strache-Video zu befragen.

 krone.at
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