10.05.2019 12:00

Fund bei Bauarbeiten

Überreste von Römertor in der Wiener City entdeckt

Bei Bauarbeiten nach einem Gasgebrechen sind in der Wiener Innenstadt die Überreste eines römischen Stadttores entdeckt worden. Dass Reste eines solchen im Erdreich schlummern, war von Historikern vermutet worden, als die Straße nun aufgegraben werden musste, bot sich tatsächlich ein Blick in die Vergangenheit - konkret auf Fundamentsteine des Torbogens.

Das Stadttor war einst Teil des römischen Legionslager Vindobona, das im Bereich Graben bzw. Tuchlauben lag. Für Passanten gestaltete sich das Geschehen eher unspektakulär. Die von der Naglergasse bis in die Bognergasse reichende Künette stellte für die meisten wohl lediglich ein Flanierhindernis an einem hochfrequentierten City-Hotspot dar. Die darin verborgene kleine Sensation war nur für Experten erkennbar, also etwa für Constance Litschauer und Martin Mosser von der Stadtarchäologie.

Wie die Archäologen im Gespräch erläuterten, dürften die Steinquader (im Bild unten rot markiert) erstmals nach rund hundert Jahren wieder das Licht der Öffentlichkeit erblickt haben. Zu jener Zeit wurden daran vorbeiführende Leitungen eingebaut. Die Bedeutung des Fundes wurde aber offenbar nicht erkannt, da die Reste des Südtores damals vermutlich auch beschädigt wurden.

Historisches Gestein identifiziert
Nun konnten die Fachleute das historische Gestein - rechtzeitig vor dem erneuten Verschwinden - identifizieren. Dank der Zufallsentdeckung kann die südwestliche Haupteinfahrt ins Kastell nun ziemlich genau verortet werden. Wenige Meter entfernt wurde ein weiterer Quader freigelegt, der die Fahrbahnmitte bzw. die Teilung des Tores markiert haben könnte. Auch Schotterreste wurden gesichtet. Der Fahrbahnbelag der technisch weit entwickelten Römer war laut den Archäologen hochwertiger als jener später im Mittelalter.

Die Straße, also die Via Decumana, führte direkt von der Vorstadt ins Lager. Die Reste von der Umgebungssiedlung sind auf dem benachbarten Michaelerplatz zu sehen. Spaziert man von dort über den Kohlmarkt (wie dieser Decumana-Abschnitt heute heißt) Richtung Graben, wandelt man somit auf historischen Spuren. Man geht direkt auf jenen Platz zu, an dem einst die Eingangspforte ins Lager Vindobona stand.

  • Künstlerische Rekonstruktion: So soll das Römertor dereinst ausgesehen haben.
    Künstlerische Rekonstruktion: So soll das Römertor dereinst ausgesehen haben.

Tor existierte bis ins 12. Jahrhundert
Vor den an beiden Seiten angrenzenden Mauern befand sich übrigens der in solchen Fällen übliche Graben mit diversen Verteidigungseinbauten. Er blieb als Straßenname enthalten. Das Tor selbst bestand bis ins 12. Jahrhundert, als auf den Fundamenten des römischen Vermächtnisses neu aufgebaut wurde. Anstatt der Porta Decumana wurde das sogenannte Peiler- oder Bairertor errichtet, das bis 1731 dort stand.

Die nun ausgegrabenen Reste werden bald wieder zur Gänze unter dem Pflaster verschwinden, weitere archäologische Grabungen wird es dort nicht geben. Dafür hofft man andernorts auf Entdeckungen. Auch die benachbarte Rotenturmstraße folgt nämlich der alten Lagergrenze. Dort finden derzeit ebenfalls Bauarbeiten statt.

 krone.at
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