06.05.2019 10:00

Kritik an Feuerwehr

Das Video aus der Flammenhölle von Moskau

Nach dem tragischen Flugzeugunglück in Moskau mit mindestens 41 Toten suchen die Ermittler nun die Ursache des Brandes. Unterdessen wird zum einen Kritik an der Feuerwehr laut, die, so Beobachter, verhältnismäßig lange brauchte, bis sie bei dem brennenden Passagierjet eintraf. Was aber in sozialen Netzwerken weit mehr aufregt, ist die Tatsache, dass die Passagiere beim Verlassen der Maschine über die Notrutschen ihr Handgepäck mitnahmen. Die Sicherheitsanweisungen der Luftfahrt sehen ausdrücklich vor, Handgepäck im Notfall zurückzulassen. Eine Twitter-Userin meint sogar: „Ich denke, das könnte ein bis zwei Menschenleben gekostet haben.“ Ein Video zeigt zudem die Panik in der Flammenhölle.

Nachdem die Löscharbeiten an der Maschine mittlerweile beendet wurden, sind jetzt die Brandermittler und Gutachter am Werk. Um die Ursache herauszufinden, sollen Überlebende, Augenzeugen und Flughafenmitarbeiter befragt werden. Vorerst geht die staatliche Fluggesellschaft Aeroflot davon aus, dass ein Technikfehler den Piloten der Maschine vom Typ Suchoi Superjet-100 auf dem Weg nach Murmansk im Norden Russlands zum Umkehren zwang. Am Moskauer Flughafen Scheremetjewo ging die Maschine bei der Notlandung auf dem Rollfeld in Flammen auf.

  • Die Unglücksmaschine nach Ende der Löscharbeiten
    Die Unglücksmaschine nach Ende der Löscharbeiten

Treibstofftank dürfte explodiert sein
Russische Medien berichteten von einem möglichen Motorschaden. Es gab aber auch Aussagen von Augenzeugen, nach denen das Flugzeug von einem Blitz getroffen worden sein soll. Als die Maschine mehrmals auf dem Rollfeld des Flughafens aufprallte, platzte nach ersten Erkenntnissen der Ermittler auch der voll befüllte Treibstofftank. Blitzschnell breitete sich das Feuer aus. Der hintere Teil der Maschine stand komplett in Flammen und zog eine dicke Rauchwolke nach sich her.

Mittlerweile wurden die beiden Flugschreiber der Maschine in dem Wrack gefunden. Deren Auswertung wird jedoch mehrere Tage dauern, wie das russische Zwischenstaatliche Luftverkehrskomitee mitteilte.

Vorzeigemodell des russischen Flugzeugbaus
Die Suchoi Superjet-100 ist die erste Neuentwicklung des russischen Flugzeugbaus nach dem Ende der Sowjetunion, die Kurzstreckenmaschine ist seit 2011 zugelassen. Aeroflot hat zurzeit 50 Jets dieses Typs im Einsatz, erst im vergangenen Herbst kündigte sie den Kauf von weiteren 100 Maschinen an. Die Jets sollten trotz des Unfalls zunächst weiter im Einsatz bleiben, hieß es. Allerdings ist es nicht der erste Unglücksfall mit diesem Modell. Während eines Demonstrationsflugs über Indonesien war im Mai 2012 ein Flugzeug des Typs an einem Berg zerschellt. Keiner der 150 Insassen überlebte damals.

  • Ein Großaufgebot an Rettungskräften war im Einsatz.
    Ein Großaufgebot an Rettungskräften war im Einsatz.
  • Die Sukhoi SSJ-100 galt als Vorzeigemodell der russischen Luftfahrtindustrie.
    Die Sukhoi SSJ-100 galt als Vorzeigemodell der russischen Luftfahrtindustrie.

An Bord des Fluges SU1492 waren 78 Menschen. Unter den Toten sind nach Angaben der Behörden zwei Kinder und ein Flugbegleiter. Viele der Verletzten erlitten laut Rettungskräften Rauchgasvergiftungen. In der Maschine brach Panik aus, wie auf einem im Internet veröffentlichten Video zu hören und zu sehen war. Die Aufnahmen zeigten auch, wie die rechte Tragfläche der Maschine brannte.

Passagiere nahmen Handgepäck mit
Das Feuer wurde nach Angaben der Flughafen-Verantwortlichen und des Zivilschutzes schnell gelöscht. Zahlreiche Passagiere hätten das Flugzeug in weniger als einer Minute über Notrutschen verlassen, teilte Aeroflot mit. „Die Crew hat alles ihr Mögliche getan, um die Leben der Passagiere zu retten und den Betroffenen Nothilfe zu geben.“ Für Irritationen sorgt allerdings, dass zahlreiche Passagiere ihr Handgepäck mitnahmen, wie auf Videoaufnahmen zu sehen ist.

Mehr als 100 Flüge verspätet
Präsident Wladimir Putin ordnete eine „gründliche Aufklärung“ des Unglücks an. Er und Regierungschef Dmitri Medwedew sprachen den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus. Den Überlebenden sicherten sie Hilfe zu. In dem Gebiet Murmansk nahe der finnischen Grenze solle der Opfer gedacht werden, sagte der Gouverneur der Region. Nach dem Unglück wurden zunächst einige Maschinen auf andere Moskauer Flughäfen umgeleitet. Der Betrieb auf Russlands größtem Flughafen Scheremetjewo wurde aber bereits nach kurzer Zeit wieder aufgenommen. Mehr als 100 Flüge waren verspätet.

 krone.at
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