21.04.2019 14:15

Knapp 300 Tote

Terror-Großangriff auf Christen am Ostersonntag

Zu einem blutigen Terrorangriff auf Christen ist es am Ostersonntag auf Sri Lanka gekommen: Bei Explosionen in drei Kirchen und vier Hotels des asiatischen Inselstaates wurden knapp 300 Menschen getötet und rund weitere 500 verletzt. Unter den Opfern waren auch über 30 Ausländer, wie die Polizei mitteilte. Zu den Vorfällen bekannte sich zunächst niemand, die Regierung meldete sieben Festnahmen. Bisher gebe es keine Hinweise auf betroffene Österreicher, die Lage sei aber unübersichtlich, hieß es am Sonntag auf Anfrage aus dem Außenministerium. Die zuständige Botschaft in Indiens Hauptstadt Neu Delhi sei mit den Behörden auf Sri Lanka in Kontakt.

Die ersten sechs Explosionen, die sich zwischen 8.30 und 9 Uhr Ortszeit ereigneten, wurden in den Kirchen St. Antonius in Colombo und St. Sebastian in dem außerhalb der Hauptstadt gelegenen Ort Negombo gemeldet. Die dritte Kirche liegt in Batticaloa im Osten Sri Lankas. Zu dem Zeitpunkt feierten die Gläubigen gerade die Ostermesse. Etwa zur gleichen Zeit seien Bomben in den drei Fünfsternehotels Shangri-La, Cinnamon Grand und Kingsbury in Colombo in die Luft gegangenen.

Die dem heiligen Antonius von Padua geweihte Kirche St. Antonius (Bild unten) gilt als Nationalheiligtum der Katholiken des mehrheitlich buddhistischen Sri Lanka. 6,1 Prozent der 22 Millionen Einwohner des Inselstaates sind Katholiken.

  • Soldaten sichern das Gelände um die St.-Antonius-Kirche in Colombo.
    Soldaten sichern das Gelände um die St.-Antonius-Kirche in Colombo.

Tote bei zwei weiteren Explosionen 
Wenige Stunden später kam es zu einer weiteren Explosion in einem Hotel in Colombo, bei der laut Polizeiangaben mindestens zwei Menschen den Tod fanden. Laut Angaben eines BBC-Reporters soll die Bombe im Vorort Dehiwala detoniert sein. Eine achte Explosion ereignete sich am Nachmittag (Ortszeit) in einer Wohngegend in Dematagoda, einem anderen Vorort der Hauptstadt des Landes. Dort riss ein Selbstmordattentäter drei Polizisten mit in den Tod.

Dutzende Ausländer unter den Toten
Sri Lankas Minister für Wirtschaftsreform, Harsha de Silva, schrieb auf Twitter von zahlreichen Opfern, unter ihnen auch eund 30 Ausländer - nach Krankenhausangaben US-Amerikaner, Briten und Niederländer. Die portugiesische Nachrichtenagentur Lusa meldete zudem ein portugiesisches Opfer. Als Reaktion auf die Anschlagsserie verhängte das Verteidigungsministerium Sri Lankas eine zwölfstündige, landesweite Ausgangssperre. Auch der Zugang zu sozialen Netzwerken und Messenger-Diensten wurde gesperrt.

Verantwortliche wurden bereits identifiziert
Nach Angaben dess tellvertretenden Verteidigungsministers Ruwan Wijewardene sind die Verantwortlichen für die Anschlagsserie identifiziert worden. Er sprach bei einer Pressekonferenz von einem „terroristischen Vorfall“ und von „extremistischen Gruppen“.

Polizeichef warnte vor Selbstmordanschlägen
Der Polizeichef des Landes hatte zuletzt vor möglichen Selbstmordanschlägen auf Kirchen und auf das indische Hochkommissariat durch die radikalislamische Gruppe NTJ gewarnt. Er berief sich dabei auf Informationen eines „ausländischen Geheimdiensts“. Die Attentate sind mit die schwersten seit dem Ende des Bürgerkrieges vor zehn Jahren.

Regierungschef: „Verurteile die feigen Attentate“
„Ich verurteile die feigen Attentate heute auf unsere Bevölkerung“, schrieb Ministerpräsident Ranil Wickremesinghe auf Twitter. Die Streitkräfte und die Polizei würden der „Verschwörung“ auf den Grund gehen. Er rief alle Einwohner seines Landes auf, angesichts der Tragödie einig und stark zu bleiben. Die Verbreitung von Spekulationen und unbestätigten Berichten müsse vermieden werden, appellierte der Regierungschef an die Bevölkerung. Die Regierung unternehme alle nötigen Schritte.

Bundeskanzler Kurz „tief erschüttert“
Sebastian Kurz zeigte sich auf Twitter betroffen. „Ich bin tief erschüttert und besorgt über hinterhältige terroristische Anschläge auf mehrere Kirchen und Hotels in SriLanka mit stetig steigenden Opferzahlen“, so der ÖVP-Chef. „Meine Gedanken sind bei den Verletzten und Angehörigen.“

Inselstaat beliebtes Ziel von Touristen
Der südasiatische Inselstaat ist ein beliebtes Touristenziel, auch für Europäer. Nur sieben Prozent im mehrheitlich buddhistischen Sri Lanka sind Christen. Zu ihnen gehören Mitglieder der tamilischen Minderheit und der singhalesischen Mehrheit.

Bürgerkrieg endete 2009
Sri Lankas 26-jähriger Bürgerkrieg war 2009 zu Ende gegangen. Die Rebellengruppe Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) hatte für einen unabhängigen tamilischen Staat im Norden des Landes gekämpft. Die Armee besiegte die Aufständischen schließlich mit aller Härte. Die Vereinten Nationen werfen beiden Seiten Kriegsverbrechen vor.

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