15.04.2019 15:43

Autopsiebericht ist da

Julen (2) starb schon kurz nach Sturz in Bohrloch

Der kleine Julen ist vor drei Monaten im südspanischen Totalan unmittelbar nach seinem Sturz in einen engen Brunnenschacht an seinen schweren Kopfverletzungen gestorben. Der Zweijährige habe am 13. Jänner nach dem Unglück nur noch wenige Minuten gelebt, ergab jetzt der Abschlussbericht der Pathologen, die die Autopsie durchgeführt hatten.

Die Experten schlossen aus, dass der Einsatz der Retter mit einer Spitzhacke für den Tod des Kindes mitverantwortlich sein könnte, wie im Februar in einem Bericht spekuliert worden war. Verfasst hatte das Schriftstück der Architekt Jesus Maria Flores, der bereits in der Vergangenheit den Rettungseinsatz kritisiert hatte. Die Anwälte des Finca-Besitzers, auf dessen Grundstück der Unfall passierte, hatten diese These daraufhin der zuständigen Richterin unterbreitet.

  • Mit Kerzen wurde um den kleinen Julen getrauert.
    Mit Kerzen wurde um den kleinen Julen getrauert.

Leiche zwei Wochen danach in 70 Metern Tiefe gefunden
Die Zeitung „El Mundo“ zitierte am Montag Justizkreise, wonach bei der Obduktion keine entsprechenden Wunden am Schädel des Kindes gefunden worden seien und die Arbeiten mit der Hacke zudem erst vier Stunden nach dem Sturz begonnen hätten. Zu diesem Zeitpunkt sei Julen bereits tot gewesen. Der Bub war in ein mehr als 100 Meter tiefes, illegal gegrabenes Bohrloch gefallen. Seine Leiche wurde zwei Wochen später in 70 Metern Tiefe gefunden, nachdem Helfer in mühsamer Arbeit einen Parallelschacht gebohrt hatten.

„Ruhe in Frieden, Julen“
Retter hatten versucht, zu dem Kind in dem extrem engen, 25 Zentimeter breiten Schacht vorzudringen. Allerdings gab es keine Lebenszeichen von ihm, zudem war unklar, in welcher Tiefe des illegal auf der Suche nach Wasser gegrabenen Loches es sich befand. Das Loch war nach Aussagen der Familie vom Freund einer Cousine des Vaters in Auftrag gegeben worden. „Die Einsatzkräfte haben um 1.25 Uhr den unglücklicherweise leblosen Körper des Kleinen lokalisiert“, hieß es am 26. Jänner. Die spanische Zivilgarde teilte mit: „Leider haben wir es trotz aller Bemühungen so vieler Menschen nicht geschafft ... Ruhe in Frieden, Julen.“

  • Auf einer Pressekonferenz wurden die Medien informiert.
    Auf einer Pressekonferenz wurden die Medien informiert.
  • Zwei Wochen lang hatten insgesamt rund 300 Einsatzkräfte verzweifelt versucht, zu Julen vorzudringen.
    Zwei Wochen lang hatten insgesamt rund 300 Einsatzkräfte verzweifelt versucht, zu Julen vorzudringen.
  • In diesem Bohrloch war der zweijährige Julen nach aufwendigen Bergungsarbeiten tot entdeckt worden.
    In diesem Bohrloch war der zweijährige Julen nach aufwendigen Bergungsarbeiten tot entdeckt worden.

Nach dem tragischen Ausgang nahmen zahlreiche Menschen Anteil. „Ganz Spanien teilt die unendliche Traurigkeit von Julens Familie“, twitterte Ministerpräsident Pedro Sanchez, der sich auch bei den Helfern bedankte. König Felipe VI. sprach der Familie des Buben sein „tief empfundenes Beileid“ aus. Viele andere Persönlichkeiten versuchten den Eltern Jose und Victoria in den sozialen Netzwerken Trost zuzusprechen - ein äußerst schwieriges Unterfangen, denn der arbeitslose Marktverkäufer und die Mitarbeiterin einer Fast-Food-Kette hatten 2017 bereits einen Sohn verloren: Julens älterer Bruder Oliver war mit drei Jahren bei einem Strandspaziergang an Herzversagen gestorben.

Wie hart der Schlag nicht nur für die Menschen in der Provinz Malaga, sondern in ganz Spanien war, bewies die Verzweiflung vieler auch im 500 Kilometer entfernten Madrid. „Ich bin aufgeblieben, um die Rettungsaktionen im Fernsehen zu verfolgen. Nachdem die schreckliche Nachricht kam, konnte ich nicht mehr einschlafen“, sagte etwa weinend eine Bankangestellte in einer Bäckerei der Hauptstadt. Nicht wenige hatten bis zuletzt an das viel beschworene „Wunder von Totalan“ geglaubt.

 krone.at
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