Kopftuch und Co.

Hass-Mails an Museum wegen muslimischer Mode

Das Museum für angewandte Kunst in Frankfurt wird gerade vom rechten Milieu mit Hass-Mails bombardiert. Der Grund? Die Ausstellung „Contemporary Muslim Fashions“, die am 5. April startet und bis September in der deutschen Metropole laufen soll. Ausgestellt werden hier Fotos von Frauen in muslimischer Mode. Das sorgt für Aufregung: Auch auf Seiten von Migrantinnen, die die islamische Kleiderordnung als Zeichen der Unterdrückung der Frauen sehen - und dies dem Museum in einem offenen Brief mitteilten. Nun herrschen bereits vor Eröffnung der Ausstellung erhöhte Sicherheitsvorkehrungen.

Dass Frauen in den meisten muslimisch geprägten Ländern nicht die gleichen Freiheiten wie Frauen in Europa haben, sollte hinlänglich bekannt sein. In einigen Teilen der Welt werden sie sogar massiv unterdrückt, eigene Entscheidungen dürfen sie nicht treffen. Das Sitzen am Steuer eines Autos konnte frau bis vor kurzem in Saudi-Arabien ins Gefängnis bringen. Das Tragen eines Kopftuches ist vielerorts Pflicht, als Strafe für sichtbares Haar gibt es schon mal einen Peitschenhieb. Nun stellt sich die Frage: Ist das Kopftuch immer ein Zeichen von Unterdrückung?

Ja - sagt der Verein „Migrantinnen für Säkularität und Selbstbestimmung“ in einem offenen Brief: „Wir sind entsetzt, dass Sie die Ausstellung hier nach Frankfurt geholt haben. Diese Ausstellung, die vorgeblich religiöse Kleidervorschriften als Mode darstellt, ist ein Schlag ins Gesicht inländischer und ausländischer Frauenrechtlerinnen.“ Damit würde der Kampf gegen den Zwang von Verschleierung ignoriert werden. Genau wie jene Frauen, die dafür ihre Freiheit und ihr Leben riskierten. In muslimischen Ländern würden jährlich Tausende Frauen wegen Verstößen gegen die Kleiderordnung hart bestraft. Die besagte Freiwilligkeit sei lediglich „eine antrainierte Haltung“.

Die Ausstellung möchte das breite Spektrum der muslimischen Mode für Frauen zeigen. Keine weiten schwarzen Gewänder plus Hijab, sondern sportliche Looks, enger anliegend. Trotzdem sind Haare, Arme und Beine stets bedeckt. Doch sieht so die Lebensrealität vom Großteil der Frauen in Ländern wie Afghanistan, im Iran oder in Saudi-Arabien aus? Wohl kaum. Museumsdirektor Matthias Wagner K. findet es jedoch schade, wenn „die Schau auf eine Kopftuchausstellung verkürzt wird“. Das sei sie nämlich definitiv nicht. Und: Laut einer Sprecherin habe muslimische Mode nicht zwingend etwas mit Religiosität zu tun. Schließlich werde weder eine Burka noch ein Nikab gezeigt. 

Neben liberalen Musliminnen ist auch das rechte Milieu nicht über diese Schau erfreut. Hass-Mails sorgten dafür, dass zur Sicherheit alle Besucher und Mitarbeiter durch eine Einlasskontrolle müssen. Die Ausstellung hat also schon vorab für allerhand Kritik und Diskussionsbedarf gesorgt. 

April 2019

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Viktoria Graf
Viktoria Graf

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