15.03.2019 06:33

Im Triumph demütig

Überragende Shiffrin: „Das Siegen kann aufhören“

Mikaela Shiffrin ist die erst zweite Skirennläuferin, die im Gesamtweltcup mehr als 2.000 Punkte in einer Saison angehäuft hat. Die US-Amerikanerin entschied bereits zum dritten Mal die Gesamtwertung, zum sechsten Mal das Slalom-Kristall und zum ersten Mal die Super-G-Kugel für sich. Am Sonntag konnte zum Saison-Kehrhaus in Soldeu (Andorra) noch die Riesentorlauf-Trophäe folgen. Im Triumph bleibt sie aber demütig. „Ich bin mir bewusst, dass das Siegen aufhören kann“, sagt sie.

2004 Punkte hat die 24-Jährige auf dem Konto, 200 könnten mit dem Slalom und Riesentorlauf noch dazu kommen. Den Punkte-Rekord der Slowenin Tina Maze von 2.414 in der Saison 2012/13 kann sie nicht mehr erreichen, sehr wohl aber noch den zweithöchsten Vorsprung. 2013 lag Maze 1.313 Punkte vor der Deutschen Maria Höfl-Riesch, das ist freilich außer Reichweite. 2018 war Shiffrin 605 Zähler vor der Schweizerin Wendy Holdener. Aktuell sind es 769 vor der Slowakin Petra Vlhova.

„Damen-Rennsport in die Höhe treiben“
„2.000 Punkte ist wunderbar. Aber es geht da mehr darum, dass ich fühle, wenn ich die Limits meines Skifahrens pushe, dann pushe ich auch die Limits des Sports. Es ist ein großes Ziel von mir, das Level des Damen-Rennsport in die Höhe zu treiben. Das machen auch die Mädchen so, gegen die ich fahre. Es ist eine wundervolle Zeit, gerade jetzt im Ski-Weltcup zu sein, ich genieße den Druck und die Aufregung“, sagte Shiffrin.

58 Siege hat sie im Weltcup bereits erreicht, 15 in diesem Winter, und das alles im Alter von gerade erst 24. „Das war wirklich eine sehr spezielle Saison. Aber ich bin mir immer bewusst, dass das Siegen aufhören kann. Ich muss motiviert bleiben, weiterarbeiten, mein Team und ich müssen die Augen auf die richtigen Ziele richten.“ Dann könne sie den Weg vielleicht so weitergehen, aber das wolle jede andere auch.

Den Moment genießen
Manche Rekorde mögen nah erscheinen, könnten aber auch sehr weit weg sein. „Von jetzt zu 60 oder 80 oder wie vielen Siegen auch immer, ist es immer ein Prozess. Du weißt nie, wohin dich die Reise bringt, also versuche ich, den Moment zu genießen und mein Bestes zu geben.“ Vor Shiffrin liegen nur noch Ingemar Stenmark (SWE/86), Lindsey Vonn (USA/82), Marcel Hirscher (68) und Annemarie Moser-Pröll (62).

Auf dem Weg zur Allrounderin ist Shiffrin bereits sehr weit gekommen, erstmals und unerwartet gewann sie auch die Super-G-Wertung. „Jeder Super-G war eine Freude. Ich hatte bessere Ergebnisse als erwartet, aber solche, von denen ich geträumt habe“, sagte die Weltmeisterin in dieser Disziplin, die im Weltcup vier Rennen bestritt, drei gewann und beim Finale Vierte wurde.

„Das war wirklich knifflig“
Sie habe davon geträumt, eines Tages Kugeln in Slalom, Riesentorlauf und Super-G zu gewinnen. Der Traum von der Abfahrtskugel indes ist noch recht frisch. „Ich habe mit Slalom begonnen. Es war eine große Anstrengung, mein Level im Riesentorlauf und danach Super-G zu heben. Ich denke, es ist möglich, aber ich muss das ganz genau managen.“ Sie müsste mehr Abfahrten gewinnen, wolle aber auch den Top-Level im Slalom und Riesentorlauf halten. „Das ist wirklich knifflig.“ Zuerst müsse sie noch ihren Körper besser kennenlernen, was er zu leisten imstande sei.

Und zuallererst gilt es noch, die beiden letzten Saisonrennen zu fahren. Im Slalom sind die Positionen auf dem Kugelpodest bezogen, Weltmeisterin Shiffrin vor Vlhova und Holdener. Im Riesentorlauf hat die WM-Dritte 97 Zähler Vorsprung auf Goldmedaillengewinnerin Petra Vlhova. Die Französin Tessa Worley, die Italienerin Federica Brignone und die Deutsche Viktoria Rebensburg kämpfen mit mehr oder weniger großen Chancen noch um Platz zwei.

krone Sport
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