15.03.2019 06:00

Im „Krone“-Gespräch

Kurz zu Brexit-Chaos: „Ja, May hofft noch immer“

Beim Projekt Brexit sei noch nicht alles verloren, berichtet Bundeskanzler Sebastian Kurz über seine persönlichen Gespräche mit Theresa May: „Die Premierministerin hofft noch immer, dass der ausverhandelte Brexit-Vertrag mit der EU angenommen wird.“ Und der Bundeskanzler warnt in dieser Situation auch die EU-Spitze: Die Union wirke „satt, selbstzufrieden und träge“.

Weil der österreichische Bundeskanzler einer der wenigen EU-Staatschefs ist, mit dem die britische Premierministerin ständig Kontakt hält, interessierte die „Krone“ seine persönliche Analyse zur Situation in London. Die aktuelle Entwicklung schätzt Sebastian Kurz so ein: „Ich habe den Eindruck, dass Theresa May nach wie vor für den Deal mit der EU kämpft, sie will ihn durch das Parlament bringen.“

Und dafür würden die Chancen nicht so schlecht stehen, meint der Kanzler: „Ich vermute, dass mancher Abgeordneter sie doch noch unterstützen wird. May agiert in die richtige Richtung. Sie hofft weiter auf ein Einlenken.“ Eine kurzfristige Verschiebung der Brexit-Entscheidung hält Sebastian Kurz für „die nur zweitbeste Lösung“: „Aber allen ist klar, dass ein Hard Brexit sicher die schlechteste Variante wäre.“

  • Großbritanniens Premierministerin Theresa May
    Großbritanniens Premierministerin Theresa May

Kritik des Kanzlers am Zustand der EU
Die Frage, wie sehr die von allen Europäern mitverfolgten Chaos-Tage in London das Image der EU belasten, beantwortet der Kanzler so: „Die Bürger der Europäischen Union hätten sich verdient, dass die EU-Führung wieder den Fokus auch auf andere wichtige Themen legt - auf Innovation, auf das Schaffen von Arbeitsplätzen und darauf, illegale Immigration zu stoppen.“

Bereits in einem Gastkommentar für die deutsche Tageszeitung „Welt“ hat Kurz sehr deutlich formuliert, dass die Europäische Union wieder mehr an Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich gewinnen muss: „Bei uns in Europa hat man oft den Eindruck, dass wir diese Veränderungen (Anm.: der Weltordnung) achselzuckend zur Kenntnis nehmen. Wir wirken satt, selbstzufrieden und träge, haben leider nicht mehr den Willen, an der Spitze zu sein.“

Richard Schmitt
Richard Schmitt

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