12.02.2019 07:26

Skurriler Prozess

Stalking wegen einer Kreissäge

„Ich wollte nur meine Kreissäge zurück“, schimpft der Angeklagte. Der 78-jährige Niederösterreicher ist außer sich, wenn er auf das gute Stück zu sprechen kommt, das er zu Schilling-Zeiten erstanden hat. Irgendwann hat er es verborgt, bekam es aber nicht zurück. Deshalb griff er zum Telefon - etwas zu oft, wie der Staatsanwalt befand.

Die Anklage in St. Pölten (NÖ) lautet auf „beharrliche Verfolgung“, auch Stalking genannt. Und stehen sonst meist eifersüchtige Männer vor dem Richter, die die Trennung von ihrer Liebsten nicht hinnehmen wollen, so ist es diesmal eine ganz andere Geschichte.

Tägliche Anrufe, manchmal sogar um vier Uhr früh
Der Pensionist borgte seine Kreissäge einem Bekannten: „1000 Schilling (72 Euro) hab ich dafür gezahlt. Sie war noch völlig in Ordnung, aber er wollte sie mir nicht mehr zurückgeben.“ Und deshalb läutete bei dem Besitzer eines Holzgeschäftes das Telefon - täglich mehrmals, manchmal auch um vier Uhr Früh.

„Er hat nie abgehoben“, schimpft der Angeklagte, „er hat nur das Radio an den Hörer gehalten.“ Der Richter, vorsichtig: „Könnte das vielleicht die Mailbox gewesen sein?“ Der Angeklagte überhört das. Das Urteil ist dann salomonisch: Lässt sich der Pensionist in den nächsten zwei Jahren nichts zuschulden kommen, wird die Sache eingestellt.

Peter Grotter, Kronen Zeitung/krone.at

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