11.02.2019 15:46

Happy End in Sibirien

Eisbären werden nach Invasion nicht erschossen

Nachdem am Samstag auf der sibirischen Arktis-Insel Nowaja Semlja wegen einer Invasion Dutzender hochaggressiver Eisbären, die auf der Suche nach Nahrung sogar in Wohnhäuser eindrangen, der Notstand ausgerufen werden musste, zeichnet sich nun ein Happy End ab. Den russischen Behörden zufolge hat sich die Mehrheit der rund 3000 Einwohner dagegen ausgesprochen, die Tiere zu erschießen. Die 52 Eisbären sollen so schnell wie möglich eingefangen und an anderen Orten wieder in die Freiheit entlassen werden. Bereits am Montag wurde etliche Tiere als erste Maßnahme vorerst verscheucht.

Seit Dezember tauchten die Bären regelmäßig in Beluschja Guba, der Hauptsiedlung der Insel, auf. Einige von ihnen haben Menschen angegriffen. Eltern haben Angst, ihre Kinder zum Kindergarten oder in die Schule gehen zu lassen. Manche Bären würden Menschen „regelrecht jagen“, sagte der Chef der örtlichen Behörde, Schiganscha Musin. Er lebe seit 1983 auf der Insel, aber ein Vordringen so vieler Bären habe er noch nie erlebt.

Tötung der Tiere nur, wenn „alle anderen Mittel fehlschlagen“
Eisbären gehören zu den gefährdeten Tierarten und dürfen in Russland eigentlich nicht erlegt werden. Die Behörden erklärten allerdings, sollten alle anderen Mittel fehlschlagen, könne das Erschießen der Tiere nicht mehr ausgeschlossen werden. Nachdem sich die Bewohner der Insel dafür aussprachen, die Tiere nicht zu töten, werden diese nun gemeinsam von Experten und Freiwilligen betäubt, eingefangen und an andere Orte transportiert, wo sie wieder freigelassen werden.

Bären wurden vorerst nur verscheucht
Als erste Maßnahme wurden am Montag zahlreiche Tiere durch Lärm aus der unmittelbaren Umgebung der Menschen verscheucht. Später soll die Umsiedlung erfolgen und langfristig ist geplant, alle Mülldeponien - dort finden die Bären ihre Nahrung - durch Verbrennungsanlagen zu ersetzen.

  • Eisbären-Invasion in Sibirien
    Eisbären-Invasion in Sibirien

„Besser wäre, sie ans andere Ende der Insel zu fliegen“
Wohin genau die Tiere gebracht werden, ist noch unklar. Skeptiker befürchten, dass die Eisbären zurückkehren könnten. Ein Tierschützer erklärte: „Menschliche Siedlungen sind für die hungrigen Bären extrem attraktiv. Wenn sie nicht mindestens 30 Kilometer weggebracht werden, könnten sie schnell wieder hier sein. Besser wäre sie ans andere Ende der Insel zu fliegen.“ 

Verzweifelter Kampf ums Futter
Die beschleunigte Eisschmelze in der Arktis als Folge des Klimawandels führt dazu, dass Eisbären sich länger an Land aufhalten. Dort liefern sie sich einen Wettstreit um Nahrung. Der Einsatz zum Abtransport der Eisbären schätzen Tierschützer als „alles andere als leicht“ ein.

 krone.at
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