31.01.2019 20:07

„Wollen sicher gehen“

Verbrauch zu hoch: Selbstanzeige wegen Porsche 911

Auf Volkswagen rollt möglicherweise ein neuer Abgasskandal zu. Die Tochter Porsche geht Hinweisen nach, dass beim Sportwagen 911 fehlerhafte Spritverbrauchswerte angegeben wurden, und hat sowohl das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt als auch die US-amerikanischen Behörden EPA und CARB darüber informiert.

Dabei geht es um 911-Modelle der Baureihe 991 aus den Baujahren 2016 und 2017. Porsche bestätigte, dass es um Abweichungen bei den Windwiderstandswerten geht, die bei Tests auf dem Rollenprüfstand zugrundegelegt werden. Der Sachverhalt werde derzeit noch untersucht, sowohl intern als auch in enger Abstimmung mit der Behörde, hieß es. „Porsche sieht es als Selbstverständlichkeit und Ausdruck seiner Firmenkultur an, die zuständigen Behörden aktiv zu informieren“, betonte ein Sprecher.

Porsche-Chef Oliver Blume habe mit dem deutschen Verkehrsminister Andreas Scheuer telefoniert und den Fall erläutert. Weichen die tatsächlichen Verbrauchswerte zu weit von den ursprünglich angegebenen ab, drohten Schadenersatz- und Steuernachforderungen sowie unter Umständen auch Geldstrafen. 

  • Porsche-Chef Oliver Blume
    Porsche-Chef Oliver Blume

„Möglicherweise innerhalb der Toleranz“
Der Verdacht fehlerhafter Daten kam Porsche bei internen Nachprüfungen der Messungen für den Luftwiderstand: „Bei wiederholten Untersuchungen sind unterschiedliche Werte aufgetreten“, erläuterte der Sprecher. „Das ist ein Indiz dafür, dass möglicherweise ein Fehler passiert ist.“ Wie groß die Auswirkungen auf die ermittelten CO2-Werte ist, solle in weiteren Messungen festgestellt werden. Unklar ist, wie viele - und ob überhaupt - Fahrzeuge mit falschen Werten zugelassen wurden. Womöglich liegen die Abweichungen am Ende auch innerhalb der Toleranz.

Sollten die Behörden wegen Verstößen gegen das Zulassungsverfahren Geldstrafen verhängen, wäre die Folgen allerdings gravierend. In Deutschland können das laut „Spiegel“ bis zu 5000 Euro sein - pro Fahrzeug. Allein 2016 und 2017 lieferte die VW-Tochter insgesamt rund 64.000 Fahrzeuge ihrer Sportwagen-Ikone aus.

Warum sich Porsche zu den Nachmessungen veranlasst sah, verriet das Unternehmen nicht. Ein Insider sagte, die VW-Tochter habe im Zuge der Aufarbeitung des Dieselskandals damit begonnen, „auch bei den Benzinern jeden Stein umzudrehen“. Man wolle „absolut sicher sein“ und nicht gegen Regeln verstoßen. Deshalb entschied sich Porsche offenbar dazu, die Abweichungen bei den Messdaten zu melden. Der Luftwiderstand kann nicht am Rollenprüfstand gemessen werden, sondern muss separat ermittelt werden. Diese Werte werden bei sogenannten Ausrolltests gemessen und in die Verbrauchswerte eingespeist.

Im Dieselskandal bei Volkswagen steht Porsche weniger im Fadenkreuz als die Schwestermarken Audi und VW. Dennoch musste auch die Sportwagentochter aus Zuffenhausen Zehntausende Fahrzeuge zurückrufen, weil die von Audi bezogenen Dieselmotoren eine illegale Abschalteinrichtung enthielten. Seit einem Jahr verkauft Porsche keine Wagen mehr mit Dieselmotoren.

  • Porsche Cayenne S Diesel
    Porsche Cayenne S Diesel

Kein Zusammenhang mit Abgas-Software
Einen Zusammenhang zu Fällen, die die Motorsteuerungssoftware betreffen, gebe es nicht, betont man bei Porsche. Diese Software spielt eine bedeutende Rolle beim Thema illegale Abschalteinrichtung bei der Abgasreinigung von Diesel-Fahrzeugen. Solche Abschalteinrichtungen hatten die Behörden auch in Porsche-Modellen entdeckt. 2017 war deshalb für 22.000 Fahrzeuge des Cayenne 3.0 TDI (Bild oben) europaweit ein Pflicht-Rückruf angeordnet worden.

 krone.at
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