Skurriler Job

Als Souffleuse flüstert sie Schauspielern Text ein

Monika Brusenbauch ist Souffleuse. Die Person, die den Schauspielern den Text zuflüstert oder gestikuliert, sollten sie ihn vergessen haben. Die gbürtige Kärtnerin ist von der ersten Leseprobe bis zur letzten Vorstellung eines Stück dabei. „Zu diesem Beruf wird man nicht geboren oder denkt sich, das will ich unbedingt machen. Aber das Theater hat mich immer interessiert“, sagt die 58-Jährige beim City4U-Besuch im Kasino Theater. Dort durften wir während einer Vorstellung neben ihr sitzen und ihre Arbeit ganz genau beobachten.

Das Kasino am Schwarzenbergplatz ist ein kleine, alternative Spielstätte des Burgtheaters, die vor allem zeitgenössische Stücke zeigt. Monika Brusenbauch hat schon viel Erfahrung im Theater, war als Souffleuse an der Akademie sowie der Burg. Sie sitzt in der ersten Reihe inmitten des Publikums. Mit ihrem Textbuch auf einem kleinen Ständer, ähnlich einem Notenhalter, liest sie von Beginn an jede Zeile mit. Eine kleine Leselampe gibt Brusenbauch gerade genügend Licht um nicht die Zeile zu verlieren.

Die Wahl-Wienerin ist aufmerksam. Sie ist meist die erste die laut los kichert, vielleicht, weil sie ja weiß, was kommt oder eben besonders gut zuhört. „Man muss für diesen Beruf nichts können, außer lesen und Emotionen wiedergeben“, sagt sie bescheiden beim City4U-Besuch im Theater. „Und man braucht natürlich Sitzfleisch und soziale Fähigkeiten.“ Pro Jahr ist Brusenbauch die Souffleuse bei drei bis vier Produktionen. „Nach einer Saison fällt es mir immer sehr schwer aufzuhören. Bei der letzten Vorstellung eines Stücks ist jeder Satz für mich wie ein Abschluss.“

35 Minuten nach Beginn der Vorstellung kommt sie schließlich zum Einsatz. Der Schauspieler sieht sie an und sie weiß was zu tun ist. Fünf Minuten später, der selbe Schauspieler, Brusenbauch ist wieder am Zug. Wenn ich nicht direkt neben ihr gesessen wäre, hätte ich es nicht bemerkt, dass gerade eine Souffleuse zum Einsatz kam. Dieses Mal ist es das Stück „Europa flieht nach Europa“ von Miroslava Svolikovaunter und in der Regie von Franz-Xaver Mayr. Doch bei den Stücken von welchen Autoren kommt sie am meisten zum Zug? „Elfriede Jelinek ist äußerst schwierig auswendig zu lernen, aber auch Thomas Bernhard“, weiß sie aus Erfahrung.

Diesmal lief das soufflieren problemlos ab, aber es passieren auch so manche Hoppalas. „Bei den Proben zu einem Stück sagte der Schauspieler ,Ich hänge hier‘ und ich fing an zum Soufflieren, dabei war das bloß der richtige Text. Bei einer anderen Produktion wusste ein Künstler nicht weiter, der Text war ,Kein Wort‘ und ich wiederholte und wiederholte, aber er sagte nichts, weil er dachte, er sollte kein Wort sagen“, lacht die 58-Jährige. Damit sowas nicht passiert, ist es wichtig, die Schauspieler zu kennen. Die einen lesen an den Lippen, die anderen verstehen eine Handbewegung, wieder andere müssen den ganzen Satz hören.

Das Stück ist zu Ende, es gibt tosenden Applaus, auch von und für Brusenbauch. Die Schauspieler lassen es sich nicht nehmen, auch auf sie zu zeigen. An diesem Abend wurde sie zwei Mal gebraucht. „Mein Ziel ist natürlich, dass ich nicht gebraucht werde.“ Hat sie Angst, dass die moderne Technik ihr mal den Beruf streitig macht? „Die Technik nicht, aber ob noch genug Geld für Souffleusen da ist, ist die Frage. In vielen Ländern ist das nämlich nicht mehr so“, sagt sie. Bis es jedoch so weit ist, lebt Monika Brusenbauch noch bei jedem Stück lebendig mit und hilft den Schauspielern aus der sprachlichen Patsche.

Februar 2019

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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