Neues „Krone-“Magazin

06.12.2018 10:30

Oberndorf: Auf den Spuren der „Stillen Nacht“

Was macht die Magie und die Zeitlosigkeit von „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ aus? Die Reise führt durch Salzburg, Tirol und Oberösterreich. Die beiden Schöpfer Franz Xaver Gruber und Joseph Mohr hinterließen überall markante Spuren.

Das weltberühmte Weihnachtslied beruhigt uns. Es erinnert uns an die Kindheit. „Stille Nacht!“ verbindet und sei eben immer „a special moment“, wie Moderator Howard Nightingall bei einem Gala-Abend im Salzburger Stift St. Peter meint. Es ist ein Fest mit Journalisten aus 13 Nationen. Großbritannien, Russland, Irland Die ganze Welt feiert mit, wenn der 200. Geburtstag von „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ zelebriert wird.

Wer an die „stillen Wurzeln“ geht, findet St. Peter mitten in der Salzburger Altstadt als besonderen Ort wieder: Die beiden Schöpfer Franz Xaver Gruber und Joseph Mohr waren, nachdem sie das Lied 1818 in Oberndorf erstmals sangen, zunehmend in Vergessenheit geraten. Erst 1854 wollte die Hofmusikkapelle in Berlin wissen, wo denn die Wurzeln liegen, und stellte eine Anfrage an die Erzabtei St. Peter. Man vermutete wohl, dass der Ruhm dem in Salzburg ansässigen Johann Michael Haydn zukomme. Und wieder bestimmten glückliche Fügungen die Aufklärung: Gruber bekam den Brief in die Hand, weil sein jüngerer Sohn Felix Sängerknabe in St. Peter war. In einem Antwortschreiben, der „Authentischen Veranlassung“, schildert er, wie das Lied erstmals erklang. Bescheiden wie er war, sprach Gruber von einer einfachen Komposition. „Hier bei uns wurde der Ursprung bestätigt“, so Korbinian Birnbacher, der Erzabt von St. Peter, nicht ohne Stolz.

„Stille Nacht! Heilige Nacht!“ ist mittlerweile in mehr als 300 Sprachen übersetzt. Weltweit singen es die Menschen hauptsächlich zu Weihnachten, aber in manchen Kulturen erklingt es beispielsweise auch, wenn ein Kind geboren wird. Es gibt Hoffnung.

In sieben Salzburger Gemeinden hinterliessen die beiden Schöpfer Spuren:Allen voran natürlich Oberndorf bei Salzburg, wo die berührende Melodie erstmals erklang und heute die Gedächtniskapelle am Ort der ursprünglichen St.-Nikola-Kirche steht. Im Jubiläumsjahr will man das Gedenken am Heiligen Abend betont schlicht gestalten. Im benachbarten Arnsdorf (Gemeinde Lamprechtshausen) komponierte Gruber die Melodie. Bis heute wird noch an der Volksschule neben der Wallfahrtskirche unterrichtet, wo er einst Lehrer, Organist und Mesner war. Der Text entstand bereits zwei Jahre früher: Joseph Mohr brachte die berührenden Zeilen als junger Hilfspriester von Maria-pfarr im Lungau zu Papier. Das Altarbild soll den in der Stadt Salzburg in schwierige Verhältnisse Hineingeborenen damals inspiriert haben.

Dann zogen beide weiter: Gruber wirkte viele Jahre in Hallein. Gerade wurde in der Stadtpfarrkirche die neu gebaute Orgel eingeweiht, deren Klangbild an Grubers Zeiten erinnert. Mohr ging nach Hintersee und war schließlich als Pfarrer in Wagrain sozial sehr aktiv.

Die „Stille Nacht! Heilige Nacht!“-Spurensuche fruchtet auch in Tirol, Oberösterreich und Bayern. Hochburg-Ach (OÖ) ist der Geburtsort von Franz Xaver Gruber, im jenseits der Salzach gelegenen Burghausen erlernte er das Orgelspiel. Und vom Zillertal aus in Tirol ging das Weihnachtslied auf Reisen: Die Rainer- und die Strasser-Sänger trugen es schon im 19. Jahrhundert in die Welt hinaus.

Zum 200. Geburtstagsfest greift man das Lied sehr sachte an: „Der Umgang soll wertig sein, nicht verkitscht“, betont Salzburgerland Tourismus-Chef Leo Bauernberger. Auch er zählt zu den „stillen Fans“, beschäftigte sich sogar in seiner Master-Thesis mit dem Phänomen „Stille Nacht!“. Glücklich ist er über die Erneuerungswelle in allen Museen: Vom Museum in Mariapfarr bis zum Pflegerschlössl in Wagrain wurde alles entstaubt und modernisiert.

Neben unzähligen Pop- und Songwriter-Versionen (Bing Crosby, Sinead O’Connor, Miley Cyrus, sogar Iggy Pop) hat das Jubiläum jetzt zu neuen Bühnen-Versionen inspiriert: Das Hollywood-assistierte Musical „Meine Stille Nacht“ feierte soeben in der Salzburger Felsenreitschule Weltpremiere. Ein großartiger Film von Produzent Hannes Schalle begeistert jetzt schon mit erstem Trailer: Sendetermin ist am 23. Dezember zur Primetime auf Servus.

Und es gibt die vielen kleineren kreativen Ideen. „Stille Maus und Stille Nacht“, ein Stück mit Marionetten, ist eine Zusammenarbeit von Theater und Tourismus in Wagrain. Und was wäre das Lied ohne die jungen Stimmen von heute: Ein Klang-Genuss ist es, wenn die Sängerknaben von St. Florian (OÖ) die Strophen anklingen lassen. Ob er jemals müde wird, „Stille Nacht!“ zu singen? „Nie“, antwortet Kevin. Weil Weihnachten Fest der Stille und Fest der Familien ist.

Filmtipp: Duell um den Welthit

„Stille Nacht“ Das 200-Jahr-Jubiläum der Uraufführung des berühmtesten Weihnachtsliedes wird im ORF und bei ServusTV groß gefeiert. Am 23. Dezember im TV!

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