Südafrika

02.12.2018 08:00

Kochkunst und Sightseeing im bunten Kapstadt

Wer Kapstadt hautnah erleben will, sollte auch in die kulinarische Welt Südafrikas eintauchen. Darum beginnt diese Geschichte - wie kann es anders sein - in einer Küche!

Wie ein längs gefaltetes Blatt Papier liegt der Streifen Samosa-Teig vor mir auf dem Küchentresen. An der türkis gestrichenen Wand hinter dem Herd hängen afrikanische Schnitzereien und eine Glühbirne, die leicht flackert – fast so, als feuere sie mich an: „Mach endlich!“ Also greife ich behutsam nach der rechten unteren Ecke des Teigs und ziehe sie schräg nach links, um mit dem entstandenen Dreieck eine kleine Tasche zu falten. In Gedanken frage ich mich, ob ich alles richtig mache. Was der Blätterteig wohl zu meinen zögernden Handgriffen sagen würde – wenn er diese kommentieren könnte.

„Viel zu zögerlich“, schallt es plötzlich auf Englisch durch die Küche. Glücklicherweise ist es nicht die Samosa-Tasche, die mich zurechtweist. Es ist Faldela, eine Frau in blau-weiß gestreiftem Hemd und einem Tuch über ihre Haare gewickelt. Seit Jahren lädt sie Touristen in ihr Zuhause ein, um ihnen die afrikanische Küche näherzubringen. Mit neutralem Blick zieht sie mein Werk über den Tisch zu sich, begutachtet es, blickt mich dann etwas vorwurfsvoll an und meint schmunzelnd „Sieht man, dass du das zum ersten Mal machst!“

Bei so einem Kommentar wären viele beleidigt – und ich vermutlich auch. Natürlich mache ich zum ersten Mal Samosas. Immerhin bin ich deswegen bei ihr. Doch schon beim Aussteigen aus unserem Tourbus hatte uns unser Guide gewarnt, dass man bei Faldela zwei Dinge mitbringen muss: „Breite Schultern und etwas Sinn für Humor!“ Also drücke ich meine Schulterblätter etwas nach hinten und lache die Herrin des Hauses an: „Meinen Sie?“ Vermutlich habe ich wie ein verängstigter Hundewelpe ausgesehen, denn jetzt sieht sie mich mitleidig an, beginnt zu lachen und „repariert“ meine Tasche, worauf ich auch meine nächsten Samosas sichtlich besser falte, mit Hühnerfleisch und Gemüse fülle und mit einem „Kleber“ aus Mehl und Wasser verschließe. Im nicht allzu heißem Fett frittiert, sind sie rasch fertig.

Die Besuche bei Faldela sind als echter Geheimtipp bei Touristen sehr gefragt. Beim Essen zeigt sich nämlich, dass die Südafrikanerin gar nicht so streng ist, wie sie anfangs wirkt. Liebevoll erzählt sie beim Mittagessen, wie sich die Gegend in den vergangenen Jahren verändert hat. Bo-Kaap ist sofort an den vielen bunten Häusern zu erkennen, die zum Markenzeichen des am Fuße des Signal Hill gelegenen Stadtteils Kapstadts wurden. Beim Verlassen von Faldelas Haus erzählt Reiseführer Rudi Gotschal, ein gebürtiger Schweizer, warum hier die Häuser bunt bemalt sind. „Früher waren sie alle weiß. Darum hielt es ein Arzt für eine gute Idee, sein Haus rot anzustreichen, damit er besser zu finden ist. Das inspirierte geschäftstüchtige Handwerker, die ihren Geschäften auch eine Farbe mit Wiedererkennungswert gaben, bis schließlich jedes Haus eine andere Farbe hatte.“

Plötzlich klingelt Rudis Telefon: Die für Nachmittag geplante Gondelfahrt zur Spitze des 1087 Meter hohen Tafelbergs fällt aus. Eine App auf seinem Handy meldet, dass die Bahn den Betrieb wegen zu starken Windes einmal mehr eingestellt hat. Stattdessen genießen wir den Blick vom Signal Hill. Er ist zwar nur 350 Meter hoch, aber mit dem Auto erreichbar und bietet eine schöne Aussicht auf die Waterfront, das von Touristen bevorzugte Werft-Viertel von Kapstadt, und die dahinterliegende Tafelbucht. Bei der Rückfahrt zum Hotel klingelt das Handy erneut. Die Gondelbahn fährt wieder. Wir fahren dennoch ins Hotel zurück – zum Glück, denn kaum sind wir dort angekommen, klingelt es wieder: Gondelbetrieb eingestellt! Wir feiern unser Glück mit einem Abendessen an der Waterfront. Kapstadt gilt als gefährliches Pflaster, doch hier können sich Touristen auch abends länger aufhalten und über die Promenaden mit zahlreichen Restaurants und Geschäften schlendern.

Kap der guten Hoffnung
Über den Chapman’s Peak Drive geht es am nächsten Tag zum Kap der guten Hoffnung (und nicht wie geplant auf den Tafelberg – schuld ist wieder der Wind). Der knapp 10 Kilometer lange Straßenabschnitt von Hout Bay nach Noordhoek zählt zu den schönsten Küstenstraßen der Welt und windet sich spektakulär an der steilen Felswand oberhalb des Meeres entlang. Kurz vor der Ankunft am Kap klingelt das Handy erneut: Die Tafelbergbahn ist nun doch offen. Wir ignorieren es gekonnt!

Stattdessen brechen wir zum historischen Leuchtturm am Cape Point auf. Er wurde 1860 auf dem Cape Point Peak, 249 Meter über dem Meeresspiegel, errichtet. Er erwies sich aber als unbrauchbar, weil er oft in Wolken oder Nebel gehüllt war. Nachdem hier der portugiesische Liner „S.S. Lusitania“ 1911 gesunken war, beschloss man, einen neuen Leuchtturm zu bauen – diesmal aber nur 87 Meter über dem Meeresspiegel. Weitaus schöner ist jedoch der Scenic Walk. Der etwa einstündige Spaziergang führt den oberen Klippenrand entlang mit beeindruckenden Aussichten auf Smitswinkel Bay, Partridge Point und Millers Point sowie den Dias Beach.

Wer Pinguine hautnaherleben will, sollte bei der Rückfahrt einen Abstecher nach Simons Town nicht scheuen. 1983 fand man hier unter windgeschützten Büschen oberhalb des Boulders Beach ein einsames Pinguin-Pärchen. Mittlerweile haben sich die beiden vermehrt und andere Familien angezogen, sodass sich am Strandabschnitt jetzt mehr als 2500 Afrikanische Pinguine tummeln. Auch am nächsten Tag fordert starker Wind am Tafelberg seinen Tribut. Doch es gibt genug anderes zu tun – fern von stürmischem Wetter. Ein heißer Tipp sind die Gärten von Babylonstoren, etwa eine Stunde Fahrt von Kapstadt entfernt. Die Farm wurde 1690 gegründet, das Manor House stammt aus dem Jahr 1777. Das Kornhuis, der Getreide- und Heuspeicher, und der Keller aus dieser Zeit sind gut erhalten. Ein Hühnerstall, ein Taubenhaus, ein Glockenturm und die historischen Tore stehen im traditionellen Hof, der von einer niedrigen weiß gekalkten Mauer umgeben ist. Bei einer Führung durch die romantische Anlage lernt man hier viel über die lokale Pflanzenwelt und darf auch von allen Früchten probieren. Hier findet man viele Tipps für die eigene Küche und zum verfeinern neuer oder bekannter Rezepte.

Zurück in Kapstadt, geht es dann – man glaubt es kaum – auf den Tafelberg hinauf. Denn anders als es bisher den Anschein hatte, gibt es doch genug windfreie Tage, an denen sich der Ausblick auf die Stadt bei strahlend blauem Himmel genießen lässt. Einfach himmlisch!

Ed Ricker, Kronen Zeitung

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