„Respekt ist gefragt“

25.11.2018 06:00

Wie gefährlich ist der Perchtenbrauch wirklich?

Die wilden Gesellen haben auch heuer bereits wieder Negativ-Schlagzeilen rund um ihre Tradition provoziert. Wenn noch bis Anfang Jänner unfallfreie Perchtenläufe abgehalten werden sollen, braucht es für alle klare Vorgaben.

Sie kommen in der Dunkelheit, sie treten stets in Gruppen auf und sind furchteinflößende Gesellen, die eigentlich dem Winter und seinen bösen Geistern an den Kragen gehen sollen. Doch immer wieder kommt es in Verbindung mit den Perchten in Österreich zu Unfällen und sogar Verletzten, weil Perchtenläufer oder auch Besucher Maß und Ziel dieser Tradition aus den Augen verlieren – wie zuletzt bei einem Lauf Anfang November in Rennweg in Kärnten, wo zwei Personen durch Feuerwerkskörper zu Schaden kamen: Von Vandalenakten wie verschobenen Betonpollern, ausgerissenen Straßenpflöcken und geöffneten Kanaldeckeln gar nicht erst zu reden.

Verkleidung hat große Faszination
Kein Wunder also, dass Menschen, die sich mit dem Brauchtum nicht unbedingt verbunden fühlen, die pelzig-schaurige Tradition verdammen, ja gar von Verboten oder dem generellen Abschaffen sprechen. Dabei könnte der Percht - er entstammt dem bayrisch-österreichischen Raum, wurde schon im 11. Jahrhundert urkundlich erwähnt und gilt als lichtbringend – als wunderbares Symbol der kalten und dunklen Jahreszeit gelten. Denn Fakt ist: Es geht eine große Faszination von dieser Verkleidung aus.

Wo liegt die Gefahr dieses Brauchs?
Vielerorts sind es Gruppen, die die Tradition aufrechterhalten, neue Passen schießen in ganz Österreich aus dem Boden und auch junge Maskenschnitzer folgen den alten, passionierten Könnern nach. Kluge, vorausschauende Perchten-Formationen führen deshalb klare Richtlinien - wie etwa kein Alkohol, Sicherheitspersonal und Kinderfreundlichkeit - bei Läufen ein. Wo liegt also nun die Gefahr dieses Brauchs? Wer genau hinschaut, erkennt, dass man oft nicht die Zuschauer vor den wilden Gesellen, sondern vielmehr die Perchten vor dem oft angeheiterten, vom Punsch erhitzten Publikum beschützen muss ...

„Klare Vorgaben, schaffen klare Verhältnisse,“ erklärt der Perger Andreas Grünberger (46) von den Laungastoana Schiachperchten in Oberösterreich. Als Obmannstellvertreter ist er in einer Pass mit 29 aktiven Läufern aktiv. Zum zehnjährigen Jubiläum veranstaltete man heuer zum wiederholten Male einen Lauf mit mehr als 620  Perchten - ohne jegliche Ausschreitung!

„Wer Alkohol trinkt, wird sofort gesprrt“
„Wer gegen unsere Regeln verstößt, wird sofort vom Lauf gesperrt. Trinkt auch nur ein Mitglied vor dem Umzug Alkohol, wird die gesamte Gruppe ausgeschlossen.“ Im Zentrum des Bemühens der Laungastoana Schiachperchten stehe nämlich, das Brauchtum zu erhalten und ordentlich weiterzugeben. „Der Jüngste unserer aktiven Läufer ist drei Jahre alt, wir müssen den Kleinen zeigen, was sich gehört!“

„Respekt aller ist hier gefragt!“
Dazu zählt, dass man sehr wohl vor einem Percht Respekt haben solle, aber keine Angst haben müsse. „Die Rute beim Lauf mitzuführen ist erlaubt, sie gegen Menschen einzusetzen, verboten!“ Grünberger weist aber speziell auch Zuseher darauf hin: „Unter der schweren Maske sieht man sehr eingeschränkt, wird man angegriffen, kann man schon beim Ausweichen mit Hörnern oder Maske jemanden verletzten - Respekt aller ist hier also gefragt!“

Sabine Kronberger, Kronen Zeitung

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