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16.11.2018 12:17

Handy trifft Retro: „Pokémon Let‘s Go“ im Test

Ein Jahr nach dem mittlerweile abgeflauten Mega-Hype „Pokémon Go“ legt Nintendo nach und veröffentlicht mit „Pokémon Let’s Go“ den ersten Serienteil für die daheim wie unterwegs nutzbare Switch-Konsole. Die darin erzählte Geschichte wird Pokémon-Veteranen bekannt vorkommen, immerhin führt diese sie in die aus den allerersten Editionen für den Game Boy bekannte Kanto-Region zurück. Ob sich der Kauf trotzdem lohnt, erfahren Sie in unserem Test.

Eines vorweg: Wer sich ein ganz neues „Pokémon“-Abenteuer mit neuen Taschenmonstern und frischer Handlung wünscht, muss sich gedulden und auf das noch unveröffentlichte „Pokémon“-Game warten, das Nintendo für nächstes Jahr angekündigt hat. Nostalgiker und die Generation „Pokémon Go“ können aber durchaus auch jetzt schon zuschlagen und bei „Pokémon Let’s Go“ einsteigen.

Im Grunde handelt es sich um eine leicht abgewandelte Neuauflage der roten, blauen und gelben „Pokémon“-Edition aus Game-Boy-Zeiten, erweitert um neue Mechaniken und Besonderheiten sowie zeitgemäße Optik. Vor allem zur gelben Version mit ihrem nicht im Pokéball gefangenen Pikachu gibt es viele Parallelen - angefangen bei den Charakteren, aber auch bei Gebieten, Story und Pokémon.

Bälle werfen statt kämpfen
Die größten Änderungen gibt es beim Fangsystem, bei dem man sich ein wenig „Pokémon Go“ annähert, das Kämpfen wegstreicht und stattdessen mit Futter und Bällen nach den Pokémon wirft. Tatsächlich hat Nintendo sogar einen Zusatzcontroller in Pokéball-Form auf den Markt gebracht, der für diese neue Art des Pokémon-Fangens erschaffen wurde und mit seinen zwei Buttons und dem Analogstick eine komfortable und witzige Einhand-Eingabemethode darstellt.

Bei den Kämpfen gibt sich „Pokémon Let’s Go“ wieder ganz klassisch, spult das bekannte rundenbasierte System mit verschiedenen Elementarklassen zuordenbaren Attacken mit hoher oder geringer Effektivität und Teams aus bis zu sechs Pokémon ab. Tränke und Power-ups bringen eine gewisse Tiefe ins Kämpfen. Die Fülle an Attacken hat gegenüber den Originalspielen etwas abgenommen.

Kein Mangel an kampfwilligen Trainern
Weil man Pokémon nun fängt, indem man sie mit Bällen bewirft, ist das Kämpfen nun beinahe nur mehr im Duell mit anderen Trainern gefragt. Den Nervenkitzel, ein Pokémon zu schwächen, um es dann zu fangen, gibt es also - das könnte Veteranen stören - kaum mehr. Weil in der Welt von „Pokémon Let’s Go“ beileibe kein Mangel an kampfwilligen Trainern herrscht, sehen wir darin aber keine Schwäche.

Zumal es auch einen Mehrspielermodus mit Kämpfen gegen menschliche Gegner gibt, der schon allein deshalb empfehlenswert ist, weil die beiden Versionen „Let’s Go Pikachu“ und „Let’s Go Evoli“ ganz in der Tradition der Serie nicht alle Pokémon enthalten, sondern jeweils ein paar exklusive Exemplare bieten. Wer demnach alle 152 Pokémon sein Eigen nennen will, kommt nicht umhin, mit einem Freund zu tauschen.

Wer alle Pokémon will, muss tauschen
Überhaupt ist „Pokémon Let’s Go“ ein recht vernetztes Vergnügen, bietet beispielsweise auch die Möglichkeit, das Spiel mit dem Smartphone-Ableger „Pokémon Go“ zu verbinden und am Smartphone gefangene Monster ins Switch-Spiel zu übertragen, wo sie in einem hübschen Gehege unterkommen, wo man mit ihnen spielen und sie abermals fangen kann. Eine andere nette Dreingabe ist ein Koop-Modus, dank dem man zu zweit die Kanto-Region erforschen kann.

Pokémon kreuchen und fleuchen durch die Welt
Ausgesprochen niedlich umgesetzt haben Nintendo und Entwicklerstudio Game Freak die Pokémon. War es im ursprünglichen Spiel am Gameboy noch so, dass man per Zufall im hohen Gras über sie stolperte, sieht man sie nun wahrhaftig durch die Welt huschen. Das haucht dem Spiel weit mehr Leben ein als früher am winzigen Gameboy-Display.

Sehr gut gefallen hat uns auch, dass nicht nur - je nach Version - Pikachu und Evoli an der Seite des Spielers durch die Welt huschen, sondern man nun überhaupt auf Pokémon reiten kann, um große Distanzen schneller zu überbrücken.

Süße Minispiele für die Moral
Ein Streichel- und Fütter-Minispiel haben die Entwickler ebenfalls eingebaut. Angesichts der Niedlichkeit vieler Taschenmonster ein netter Bonus - und auch spielerisch nicht umsonst, immerhin stärkt die Streichelei die Bande zwischen Trainer und Monster und sorgt dafür, dass das Pokémon wegen der besonderen Zuneigung für seinen Trainer einer Attacke widersteht, die es sonst nicht weggesteckt hätte.

Steuerung nicht ganz konsistent
So herrlich sich „Pokémon Let’s Go“ - besonders für Nostalgiker, die einst am Gameboy eingestiegen sind - spielt, ein paar kleinere Schwächen sind uns doch aufgefallen. Da wäre etwa die inkonsistente Steuerung, die wohl schlicht dem Umstand geschuldet ist, dass das Spiel mit einer Vielzahl verschiedener Eingabegeräte - Handheld-Modus, Pokéball, einzelne Joycon-Controller - gespielt werden kann, wodurch manch Tastenbeschriftung im Spiel nicht mit dem genutzten Eingabegerät übereinstimmt.

Optik: Hübsch, aber stromsparend
Die Optik von „Pokémon Let’s Go“ im Manga-Stil ist hübsch, stimmig und bunt, schöpft die Möglichkeiten der Switch-Mobilhardware aber nur bedingt aus. Das ist gut für die Akkulaufzeit - „Pokémon Let’s Go“ kann man mobil deutlich länger spielen als etwa das hardwarehungrige „Zelda: Breath of the Wild“ - aber könnte manch einem Fan zu wenig sein. Wenngleich wir im Test schon fanden, dass die Perspektivenwechsel und Zooms im neuen Spiel ein besseres Mittendrin-Gefühl erzeugen als seinerzeit die monochrome Pixelgrafik am Gameboy. Und die Kämpfe mit 3D-Pokémon und hübsch animierten Attacken sind sowieso ein ganz anderes Kaliber als in der Pokémon-Urzeit.

Netter Sound, allerdings ohne Sprachausgabe
Etwas urzeitlich erschien uns im Test allerdings die Vertonung. Nicht wegen des Soundtracks, der uns mit der Neuinterpretation der klassischen Stücke ausnehmend gut gefallen hat. Und auch nicht wegen der niedlichen Soundeffekte der Taschenmonster. Doch die Inszenierung der Dialoge als schnöde Textboxen erschien uns dann doch etwas retro. Da gäbe es im Jahr 2018 andere Möglichkeiten.

Fazit: Letzten Endes ist „Pokémon Let‘s Go“ vielleicht nicht das Game, das sich Hardcore-Fans auf der Suche nach neuen Herausforderungen gewünscht haben. Es ist mit seinem neuen Kampfsystem, dem großen Niedlichkeitsfaktor und der aufgehübschten Kanto-Region aber ein herrliches Spiel für Nostalgiker aus der Gameboy-Ära ebenso wie für Menschen, die Nintendos Taschenmonster vor dem Smartphone-Ableger noch gar nicht gekannt haben und nun erstmals ein „großes“ Game der Reihe spielen wollen.

Plattform: Switch
Publisher: Nintendo
krone.at-Wertung: 8/10

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Dominik Erlinger
Dominik Erlinger

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