Designer-SUV

27.11.2018 18:49

DS 7 Crossback: Mehr als nur schöne Avantgarde?

Heckleuchten wie geschliffene Rubine, LED-Kreativ-Scheinwerfer wie tanzende Brillanten, dazu Winkel und Kanten, die das verchromte geschwungen-eckige DS-Logo an der ganzen Karosserie zitieren - nein, langweilig ist das Design des DS 7 Crossback sicher nicht. Das Flaggschiff der neuen, eigenständigen Marke DS lässt die Avantgarde der angebeteten Stammmutter hochleben.

Für diejenigen, denen die Marke wirklich neu ist: DS war zunächst eine Linie im Citroen-Programm, mittlerweile wird DS im PSA-Konzern als eigene Marke geführt, neben Citroen, Peugeot und Opel.

Der DS 7 wirkt dabei so eigenständig, dass man bei seinem Anblick nicht unbedingt an einen aufgehübschten Citroen denkt, insofern ist das Design schon einmal grundsätzlich geglückt. Man fragt sich sogar, was denn die Basis ist. Die könnte eventuell auch ein Audi Q5 sein.

An der Front finden sich Einflüsse von Infiniti und Mazda wieder, mit viel Phantasie kann man sich auch an die LED-Scheinwerfer des Bugatti Veyron erinnert fühlen. Alles recht stimmig, eine elegante Erscheinung - mit einer Ausnahme, einem schlimmen Designpatzer am Heck: Freunde, was hat euch geritten, derart plumpe Auspuffattrappen in den Stoßfänger zu pressen? Oder soll das ein Mercedes-Einfluss sein? Avantgarde heißt, etwas anderes zu machen als andere, aber nicht, so einen Design-Fauxpas nachzuzimmern. Nur so zur Erinnerung.

Okay, ich beruhige mich schon. Das geht im Innenraum ganz gut, weil er herrlich wohnlich ist. Nicht wie ein Landhauswohnzimmer, eher wie eine Designerwohnung, die von einem Flatscreen dominiert wird. Kanten all over, alles basiert auf den auf eine Spitze gestellten Rauten, die auch den Kühlergrill ausmachen. Blickfang sind die eckigen Knöpfe, die den Automatik-Wählhebel flankieren. Schade, dass sie nur die Fenster öffnen und schließen, statt essentielle Funktionen für das Bediensystem zu übernehmen. Also doch eher Effekthascherei statt durchdachtes Design. dafür aber liebevolle Materialauswahl und ebensolche Verarbeitung. Allein die Ledersitze sind in jeder Hinsicht ein Genuss. Gegen Aufpreis massieren sie einen auch, das hat der Testwagen aber nicht.

Zwei mal zwölf ist Display!
Die Rauten bzw. Quadrate ziehen sich auch auf dem Kombiinstrument durch, das aus einem (wie das Zentraldisplay) zwölf Zoll großen Display besteht. Per Drehwalze am Lenkrad lassen sich unterschiedliche Layouts abrufen, die sich mit etwas Verzögerung und einer animierten Grafik einrichten. Grundsätzlich geht es bei den digitalen Armaturen mehr um die Spielerei als um eine sinnvolle Ablesbarkeit, aber man kommt damit zurecht. Immerhin wird das aktuelle Tempo in Ziffern angezeigt.

  • Die Minimalansicht erinnert an den Lupentacho.
    Die Minimalansicht erinnert an den Lupentacho.

Eines der Layouts ist ein minimalistisches, das nur das Tempo anzeigt. Die Darstellung erinnert an den berühmten Lupentacho der klassischen DS.

Das ganze Potential des Displays schöpft die Nachtsichtanzeige aus, mit der man Fußgänger, Radfahrer oder Tiere im Dunkeln sehr gut erkennen kann. Angesichts dieser Qualität muss die Frage gestattet sein, warum die Rückfahrkamera so schlecht ist. Zugunsten eines auffälligen Technik-Gadgets hat man da ein Feature des täglichen Gebrauchs vernachlässigt.

Der Blinker hat den gleichen eigenen Klang wie bei den meisten französischen Autos:

Starten, starten, losfahren
Ein Druck auf den Startknopf und - äh, nichts. Ein laaanger Druck auf den Startknopf wirft den Zweiliter-Vierzylinder-Diesel an. Außerdem klappt mitten auf dem Armaturenbrett über dem Zentraldisplay eine Analoguhr aus. Ein bisschen Geduld schadet generell nicht im DS 7 Crossback, so braucht das Navi an die drei Sekunden, bis es sich bequemt zu erscheinen, sogar der Bordcomputer nimmt sich lähmende zwei Sekunden.

Auch beim Fahren sollte man es nicht allzu eilig haben. Obwohl der Diesel immerhin 180 PS leistet und bei 2000/min. ein maximales Drehmoment von 400 Nm bietet, vergehen 10,8 Sekunden, bis der 1627 kg (nach EU-Norm) schwere Fronttriebler 100 km/h erreicht. Ohne dass man dazwischen an einer roten Ampel stehen bleiben muss. Ist er mal in Bewegung, gehen sich bis zu 215 km/h aus. Der Durchschnittsverbrauch hat sich bei 7,7 l/100 km eingependelt (Normverbrauch 4,9 l/100 km).

Kein Komfortwunder
Was man neben Avantgarde mit der Ur-DS verbindet, ist sicher ein besonderes Komfort-Erlebnis. Hier lässt der DS 7 Crossback ziemlich aus, obwohl sogar der Pressetext
von „herausragendem Komfort“, der „Maßstäbe“ setzt, berichtet. Das Fahrwerk ist zwar eher weich und nachschwingend, aber ähnlich holprig wie im Peugeot 508. Angenehm ist anders. Auf der anderen Seite gleicht der Franzose das aber auch nicht durch Fahrpräzision aus, denn die Lenkung ist gefühllos und die weiche Dämpferabstimmung macht schnelle Fahrten eher anstrengend. Bevor ich mich auf der Autobahn selber ums Spurhalten kümmere, aktiviere ich hier lieber den teilautonomen Spurhalteassistenten, obwohl der auch nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Lässt man ihn gewähren, orientiert er sich derart eng an den Linien, dass man ständig anderen Fahrzeugen gefährlich nahekommt.

Unterm Strich
Wer vom DS 7 Crossback nicht den perfekten Begleiter für alle Lebenslagen erwartet, kann schon Gefallen finden an dem 4,57 Meter langen Designer-Franzosen. Die Platzverhältnisse gehen in Ordnung und Kleinigkeiten wie das Wischwasser, das direkt aus den Scheibenwischern rinnt, sind eine tägliche Freude. Wer Allradantrieb will, muss auf die Hybridvariante warten, die nächstes Jahr auf den Markt kommt. Die Preisliste beginnt bei gut 33.000 Euro für den 130-PS-Benziner, der starke Diesel (immer mit Achtgangautomatik) ist ab 42.700 Euro zu haben, wobei viele der genannten Schmankerl aufpreispflichtig sind. Der Testwagen kommt auf fast 53.000 Euro, inklusive der wunderschönen Sonderlackierung „Byzantin-Gold“. Jetzt müsste nur noch alles Gold sein, was glänzt.

Warum?
Das Design ist echt speziell
Gute Platzverhältnisse

Warum nicht?
Schwächen am Fahrwerk

Oder vielleicht …
… lieber warten, bis es einen DS mit dem neuen Citroen-Fahrwerk gibt - das mit den „hydraulischen Endanschlägen“ wie im Citroen C4 Cactus

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl

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