Sport ist nicht alles

11.10.2018 17:39

„Wahnsinn!“ Hirscher beklagt fehlende Privatsphäre

Sport ist nicht mehr alles im Leben von Marcel Hirscher - das hat der siebenfache Ski-Gesamtweltcup-Sieger beim Medientag seines Ausrüsters Atomic betont! „Mein ganzes Leben lang war immer der Sport die absolute Nummer eins, das Privatleben dem Sport untergeordnet. Jetzt wird sich das ändern“, sagte der Salzburger am Donnerstag am Atomic-Firmensitz in Altenmarkt. Und er übte auch Kritik daran, wie etwa jüngst nach der Geburt seines Kindes seine Privatsphäre nicht beachtet worden sei…

Hirscher war vergangenen Winter in Südkorea Doppel-Olympiasieger geworden, hatte zum siebenten Mal in Folge den Gesamtweltcup gewonnen und lange über ein Karriere-Ende nachgedacht. Im Sommer hatte er dann geheiratet und die Fortsetzung seiner Laufbahn verkündet - vor Kurzem wurde er auch Vater. Voraussichtlich wird der Sieger von 58 Weltcup-Rennen kommenden Winter auch deshalb ein abgespecktes Programm abspulen. „Es könnte so aussehen, wenn ich gerade woanders gebraucht werde, dass ich nicht zu dem Skirennen fahre, weil es was Wichtigeres gibt. Viele, viele, viele haben mir bestätigt, dass das in anderen Berufen ähnlich ist“, sagte Hirscher. Von Atomic-Rennchef Christian Höflehner erhielt er ein Paar Kinder-Skier mit der Aufschrift: „Mein Vater ist schneller als deiner.“

In seiner Situation die Privatsphäre zu wahren, sei schwierig bis manchmal unmöglich, gestand Hirscher. „Ich habe alles probiert, damit ich für einige Tage Ruhe habe. Keine 48 Stunden später stand es in der Zeitung. Eigentlich ist das ein Wahnsinn“, bezog sich Hirscher auf die in einigen Tageszeitungen publizierte Geburt seines Sohnes. „Ich habe versucht, das Beste draus zu machen. Es gibt halt welche nicht so in den Sport Involvierte. Mit den mir bekannten Gesichtern ist es leichter.“ Auch wenn Hirscher im WM-Winter ein reduziertes Programm bestreiten sollte, will er sich nach wie vor verbessern. „Ich habe noch nicht ausgelernt in meinem Leben, auch nicht beim Skifahren“, sagte der Salzburger. Und eines bleibe sowieso immer gleich.

„Ich will nach wie vor nicht Zweiter werden und alles aus mir rausholen. Das war bei Kinder- und Schülerrennen nicht anders und wird sich nie ändern. Ich will immer das Maximum rausholen, alles zerreißen.“ Nach dem Weggang von Zweier-Servicemann Johann Strobl zu US-Markenkollegin Mikaela Shiffrin ist Lukas Rottinger nun Hirschers zweiter Servicemann neben Thomas Graggaber. Saisonziele zu definieren sei schwierig, betonte Hirscher. „Ich weiß es selbst nicht, wie ich‘s anlegen werde“, sagte er knapp zwei Wochen vor dem Saisonstart in Sölden. „Was ich weiß ist, dass die Uhr auf null steht. In Sölden schauen wir mal, wo man steht und dann ist es das gleiche Spiel wie immer und ob man berechtigt ist zu sagen, man fährt um die Weltmeisterschaft mit. Aber jetzt ist es noch zu früh.“

Eines steht für Hirscher mittlerweile fest - nämlich, dass er kein grundsätzliches Engagement auf der Speed-Seite mehr zeigen wird. „Das bringt nichts. Man braucht vier Jahre, um alle Strecken gut zu kennen und ein weiteres, um darauf richtig schnell zu werden. Es gehen also fünf, sechs Jahre da rein. Ich bin nicht mehr bereit, das zu gehen.“ Wie viele Rennen er am Ende im kommenden WM-Winter bestreiten werde, sei also offen. „Aber nachdem ich so knapp am Aufhören war, ist jedes Rennen, das ich mitnehme, ohnehin ein Mehrwert.“

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