Hit am Schwarzmarkt

Syrien-Heimkehrer verscherbeln deutsche Ausweise

Ausland
09.06.2018 09:29

Immer mehr geflüchtete Syrer geben ihre Pläne auf, sich in Deutschland neue Existenzen aufzubauen, und kehren stattdessen in ihr Heimatland zurück. Im Rückreisegepäck befinden sich sehr häufig auch die Ausweise, die ihnen von den deutschen Behörden ausgestellt wurden. Diese Dokumente sind auf den Schwarzmärkten in Syrien heiß begehrt und können mehrere Hundert Euro einbringen. In den meisten Fällen werden sie an Schlepper verkauft - oft an genau jene, die ihnen einst halfen, illegal nach Europa zu gelangen.

Hunderttausende Syrer sind mit der großen Flüchtlingswelle seit 2015 nach Deutschland gekommen. Die meisten sind geblieben, Tausende kehrten aber wieder zurück oder wollen dies tun. Bei ihrer Ankunft in ihrer alten Heimat lässt sich mit den in Deutschland ausgestellten Dokumenten - von Personalausweisen über Führerscheine und Sozialversicherungskarten bis hin zu Flüchtlingskarten - schnelles Geld verdienen.

Preis hängt von Art des Dokuments ab
Der Preis hängt jeweils von der Art des Dokuments ab und liegt zwischen 150 Euro und mehr als 2000 Euro für einen gültigen Reisepass. Manche Ausweise müssen gefälscht werden, zum Beispiel durch den Austausch eines Fotos. In solchen Fällen sind die Preise etwas niedriger.

Geschäftemacherei bereitet Anti-Terror-Behörden Kopfzerbrechen
Diese Ausweise werden von den Schlepperbanden wiederum an Menschen verkauft, die ebenfalls die Flucht Richtung EU antreten wollen. Den europäischen Anti-Terror-Behörden bereitet diese Geschäftemacherei Kopfzerbrechen, denn die Dokumente könnten auch in Hände von militanten Islamisten gelangen, die dadurch in der Lage sind, mit falschen Identitäten nach Europa zu reisen. Da sie offiziell nicht als Neuankömmlinge gelten, werden sie auch nicht so streng überprüft, wie dies bei Migranten aus dem Nahen Osten, die zum ersten Mal registriert werden, der Fall ist.

Relativ großes Gefahrenpotenzial
Ein namentlich nicht genannter Beamter aus Deutschland sagte dazu im Gespräch mit „BuzzFeed News“: „Wir wollen keine Alarmstimmung verbreiten, aber das Gefahrenpotenzial ist relativ groß. Wir müssen diese Entwicklung genau im Auge behalten, damit Terroristen keinen Zutritt in den Schengenraum bekommen.“ Eine ähnliche Gefahr geht auch von jenen 11.000 syrischen Blanko-Reisepässen aus, die der IS Ende 2017 erbeutet hat.

Wie viele deutsche Dokumente auf den Schwarzmärkten in Syrien - und auch in der Türkei - erhältlich sind, ist unbekannt. Schätzungen zufolge sind es derzeit 500 bis 1000 Stück. Ein Schmuggler gab an, dass er pro Monat rund zehn deutsche Dokumente verkauft.

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