Psoriasis und Psyche

11.06.2018 06:00

„Ich fühle mich so hässlich...“

Psoriasis tritt oft in jungen Jahren erstmals auf und kann das Selbstbild der Patienten entscheidend prägen. Selbst wenn die Therapie wirkt, können Zweifel und Ängste bestehen bleiben. Früher Therapiebeginn ist wichtig.

Haut und Psyche. Kein unbeschriebenes Blatt in der Dermatologie. Aber immer noch unterschätzt wird der Zusammenhang zwischen Hauterkrankungen und der seelischer Befindlichkeit. Vor allem, wenn das Leiden in einer Lebensphase auftritt, die von Veränderung, Selbstfindung und Orientierung geprägt ist - Pubertät und das junge Erwachsenenalter. „Aus ärztlicher Sicht ist Psoriasis natürlich nicht lebensbedrohlich, aus Sicht der Patienten hingegen stellt die Erkrankung eine massive Einschränkung der Lebensqualität dar. Der Einfluss darauf ist Befragungen zufolge oft genauso stark wie bei Krebs oder Herzerkrankungen!“, berichtet Dr. Miriam Strauss, Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie sowie Psychotherapeutin in Wien. Mittlerweile weiß man auch, dass neben der Haut Gelenke, Augen und Gefäße Schaden nehmen können. Für junge Menschen zählt aber nur eines primär: Wie komme ich bei den anderen an, finde ich einen Freund/eine Freundin, werde ich akzeptiert, geliebt, angenommen?

Bei einem Vortrag zum psychologischen Aspekt der Therapieentscheidung bei jugendlichen Psoriasis-Patienten beleuchtete sie ein zu wenig beachtetes Problem: „Es kann ein negatives Selbstbild entstehen, das sich einprägen und so verfestigen kann, sodass es auch nach Abheilung von Läsionen und bei gut wirkenden Therapiemaßnahmen bestehen bleibt. ,Glaubenssätze‘ prägen sich in so einem Fall imemr wieder ein: ,Ich fühle mich nicht liebenswert.‘ ,Ich finde mich hässlich.‘ ,Niemand mag mich.‘“

  • Die Hautkrankheit kann das Selbstbild zerstören.
    Die Hautkrankheit kann das Selbstbild zerstören.

Die Hypothese der Expertin: Viele Patienten bekommen ihren ersten Schub in der Pubertät oder im frühen Erwachsenenalter, jene Zeit, in der sich das Ich-Bild endgültig entwickelt. Das kann mit einem Vergleich verständlich gemacht werden. Wenn ein Betriebssystem auf einem Computer - bei uns Menschen das Gehirn - installiert ist, kann man zwar das Programm ändern, nicht aber die Grundlage. Fragen wie „Wer bin ich?“, „Wohin führt mein Weg?“ stehen im Mittelpunkt des Denkens. Antworten zu finden, ist schon für Gesunde schwer genug

Bei der Schuppenflechte treten entzündliche Herde auf, die von einer weißlichen Schuppenschicht überzogen sind und bei Ablösung punktförmige Blutungen verursachen. Weil vor allem Kopf, Haaransatz, Ellenbogen, Knie und der untere Rücken in der Steißregion betroffen sind, können die Symptome schlecht verborgen werden. Gerade jetzt im Sommer trauen sich viele Patienten nicht in ein Schwimmbad, kurze Röcke oder Hosen zu tragen, ziehen sich aus dem sozialen Leben zurück und können ihre Sexualität nicht ausleben. Das führt immer wieder zu Depressionen, Ängsten, Alkohol- und Drogenmissbrauch oder Sexualstörungen. Depressionen bedingen oft auch Konzentrationsstörungen - dies kann Leistungsabfall in der Schule, später im Berufsleben auslösen. Selbst die Partnerwahl kann von der Krankheit überschattet werden.

  • Sichtbare Hautschäden führen in die soziale Isolation.
    Sichtbare Hautschäden führen in die soziale Isolation.

Es geht einerseits darum, die Psyche schon frühzeitig zu stärken und den Umgang mit Stress zu verbessern, andererseits die Psoriasis von Anfang an weitreichend medizinisch zu behandeln. Dr. Strauss plädiert bei Eltern und Ärzten dafür, so schnell wie möglich eine effiziente Therapie anzubieten. Hautveränderungen daher immer abklären lassen, vor allem, wenn sie mit Entzündungen, Juckreiz, Schuppung und Brennen einhergehen. Eine Abgrenzung zu Ekzemen oder Pilzerkrankungen kann der geschulte Dermatologe vornehmen.

Karin Podolak, Kronen Zeitung

 krone.at
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