Live im Wiener WUK

15.04.2018 00:37

Awolnation: Ein etwas zu kurzes Vergnügen

Knapp drei Jahre nach seinen letzten Gastspielen kehrte Aaron Bruno mit Awolnation Samstagabend wieder für ein exklusives Konzert nach Österreich zurück. Der Auftritt im Wiener WUK brachte viele neue Songs, einige Klassiker und leider auch zahlreiche Schwächen mit sich.

Dass das Wiener WUK vor dem Auftritt von Awolnation bereits seit Wochen ausverkauft war, täuschte über die Tatsache hinweg, dass die Kalifornier in den letzten Jahren selbiges auch mit der größeren Wiener Arena schafften. Nun sind die fetten Jahre vielleicht nicht unbedingt vorbei, aber die Karriere der sonnigen Rockband mit dem Hang zur Elektronik stagniert tatsächlich seit Jahren. Daran hat sich auch mit dem neuen Album „Here Come The Runts“ nichts geändert, das in Österreich nicht einmal in die Top-40 der Albumcharts kam und nicht mit den Erfolgen der Vorgänger mithalten konnte.

Mehr Ehrlichkeit
Dabei sind die Österreicher ein nicht zu unterschätzender Erfolgsfaktor für Mastermind Aaron Bruno, denn einerseits wurde die Popularitätslawine ob seiner 2011er Erfolgssingle „Sail“ hierzulande losgetreten, andererseits befindet sich die Band noch immer im Stall von Red Bull Records. Im sommerlich-heißen WUK legt Bruno mit seiner runderneuerten Band von Beginn an ein hohes Tempo vor und steigt mit dem Titeltrack des neuen Albums ins Set. Die Roboterklänge und den Überhang an Elektronik wollte Bruno auf dem aktuellen Werk eliminieren und dementsprechend groß ist die Konzentration auf haptische, „ehrliche“ Instrumentierung.

Das manifestiert sich nicht nur in den neuen Songs wie „Miracle Man“ oder dem Ohrwurm „Seven Sticks Of Dynamite“, sondern auch in der Umrahmung der einzelnen Songs. So gibt Bruno seinen Mitmusikern viel Raum um zu solieren, lässt das AC/DC-Mitgrölstück „Thunderstruck“ aus den Verstärkern krachen und findet sicht- und hörbar Spaß daran, mit dem gesteigerten Einsatz an hemdsärmeligen Gitarrenmomenten die partielle Neuerfindung seiner Band zu zelebrieren. Doch der markanten Stiländerung Awolnations ist auch live nicht leicht zu folgen. Die Qualität der neuen Songs unterscheidet sich teilweise beträchtlich und die Aufteilung der Setlist wirkt manchmal etwas beliebig und wenig durchdacht.

Kein Kunstwerk
So lässt er etwa dem eindringlichen „Soul Wars“ die lasche Trennungshymne „Table For One“ folgen (inklusive Rosengeschenke für die Fans) und beendet das Set vor dem Zugabenteil mit dem progressiv-instrumental ausfadenden „Run“ etwas zu harsch. Der wieder mit langer Mähne und dichtem Bart gesegnete Frontmann hüpft gewohnt schwungvoll und unermüdlich von einem Bühnenrand zum anderen, schafft es aber trotz der intimen Atmosphäre der Location und sehr begeisterungsfähiger Fans nicht wirklich, einen roten Faden durch das Set zu ziehen, das ein solches Konzert ansonsten zu einem Gesamtkunstwerk macht.

So klingen viele Passagen wie Stückwerk und sind klanglich medioker in Szene gesetzt. Der Sound lässt an diesem Abend stark zu wünschen übrig, vor allem die Stimme ist viel zu leise abgemischt und wird von der dichten Instrumentierung fast erschlagen. Am feinsten klingen Awolnation in den ruhigen Momenten, wie etwa bei der großartigen neuen Single „Handyman“, die ähnlich wie „Burn It Down“ oder „Not Your Fault“, das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinreißt. Trotz der guten neuen Songs ist der Qualitätsunterschied zum unerreichten Debüt „Megalithic Symphony“ zu jeder Zeit merkbar.

Etwas zu wenig
Nach einer guten Stunde ist das Spektakel dann auch viel zu früh wieder vorbei, auch wenn beim Megahit „Sail“ noch einmal alle Kehlen im Saal voller Inbrunst mitsingen. Mit Songs wie „My Molasses“, „Knights Of Shame“, „People“ oder „Some Kind Of Joke“ hätte Bruno noch haufenweise Hits in der Hinterhand gehabt, um seinem Headlinerstatus würdig gerecht zu werden. So bleibt trotz seiner offenkundigen Wien-Liebe und guter Laune der schale Beigeschmack, dass Awolnation dieses Mal nur auf Sparflamme köchelten und sehr viel Potenzial ungenutzt verstreichen ließen. Für einen weiteren Karriere-Push muss einfach mehr passieren.

Robert Fröwein
Robert Fröwein

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