Allround-Sportler

12.03.2018 15:46

KTM 790 Duke: Ein Herzog als König der Landstraße

250 Mitarbeiter haben insgesamt 111.000 Arbeitsstunden hineingesteckt, 900.000 Testkilometer lief er auf der Straße und 604.000 auf dem Prüfstand. Herauskommen ist der erste Parallel-Twin aus dem Hause KTM, ein Motor, der die Lücke zwischen dem fast schon legendären LC4-Einzylinder und dem brachialen LC8-Zweizylinder aus Super Duke, -Adventure & Co. schließt: Der LC8c (für kompakt), der für die Zukunft noch einige spannende Motorrad-Modelle aus Mattighofen erwarten lässt, ob unter dem orangen Logo oder der hauseigenen Traditionsmarke Husqvarna.

Dass er sein Debüt in der 790 Duke gibt, war genauso gut gewählt wie der Ort der ersten Fahrpräsentation. Die kurvenreichen Straßen auf Gran Canaria sind dem agilen Motorrad förmlich auf den Leib geschnitten, wovon sich die Krone Anfang März auf der spanischen Atlantik-Insel ausgiebig überzeugen konnte. Ist doch die 790er durch und durch eine echte Duke geworden, mit den Genen des Urahns, der vor 24 Jahren präsentierten, ersten Duke 620: handlich, sportlich, kompromisslos.

Die moderate Sitzhöhe von 825 Millimeter macht sie fast für jedermann fahrbar, bei Bedarf gibt es noch einen niedrigen Sitz mit 805 oder die Low-Kit-Variante mit 790 Millimeter Sitzhöhe. Der Kniewinkel fällt angenehm aus, alles ist sehr kompakt, wozu auch die Tatsache beiträgt, dass der Motor selbsttragender Teil des Chassis ist.

Die progressive Upside-Down-Gabel von WP ist nicht verstellbar, das speziell für das Motorrad entwickelte Federbein lediglich in der Federvorspannung – voll adjustierbare Komponenten werden also dem R-Modell vorbehalten sein, das in bewährter KTM-Manier voraussichtlich 2019 nachgereicht wird. Was allerdings weder bei der engagierten Kurvenhatz auf der Landstraße, noch bei unserem Ausflug auf die relativ enge Rennstrecke des Circuito Maspalomas wirklich nötig gewesen wäre. Ganz im Gegenteil. Die Duke zieht ihre Linien bei jedem Tempo präzise, der Beiname „Skalpell“ kommt nicht von ungefähr. Lastwechsel sind kaum zu spüren, trotz ihrer Leichtigkeit von 169 kg trocken liegt sie unglaublich stabil auf dem Asphalt. Auch die in Zusammenarbeit mit dem spanischen Hersteller Juan entwickelte erste KTM-Bremse macht einen außerordentlich guten Job, auf unseren gut 300 Straßenkilometern kam fast nie der Wunsch nach aggressiverer Verzögerung auf.

Mit 105 PS liegt die 790er zwischen der 690 Duke und der 1290 Super Duke R (73 bzw.177 PS), der Motor glänzt durch ein sehr breit nutzbares Drehzahlband, das maximale Drehmoment von 87 Newtonmeter liegt bei 8000 Umdrehungen an. Geschaltet kann mittels Quickshifter werden, also ohne die Kupplung zu betätigen, rauf und runter. Ein Novum für ein Motorrad dieser Preisklasse, das mit 10.998 Euro um fünf Hunderter billiger ist als eine 690 Duke R, die zwar mit voll einstellbaren Fahrwerks-Elementen und giftigerer Brembo-Bremsanlage daherkommt, aber leistungsmäßig doch recht deutlich darunter liegt.

Dazu hat KTM dem Skalpell praktisch alles an Technik reingepackt, was derzeit in Mattighofen verfügbar ist: Kurven-ABS, Traktionskontrolle, vier verschiedene Fahrmodi (Rain, Street, Sport und Track), Wheelie-Stop, Slip-Adjuster. Angezeigt wird das alles auf einem gut ablesbaren und mit der linken Hand am Lenker bedienbaren TFT-Display, das individuell anpassbar ist und sich mit dem Smartphone verbinden lässt, um unterwegs Musik zu hören oder zu telefonieren. Im Track-Modus – in der großen Super Duke R ein Extra und hier serienmäßig an Bord – kann man stufenlos selbst entscheiden, wie viele der elektronischen Helfer in welcher Intensität zugreifen sollen, und so sein persönliches Set-up konfigurieren. Dann ist man allerdings schon rasch mal auf dem Hinterrad – ganz so, wie es viele Duke-Kunden haben wollen!

Eine Neuentwicklung ist auch der Supermax ST von Maxxis, auf dem die 790 Duke daher rollt: Der taiwanesische Reifenhersteller, der bislang ausschließlich auf Offroad- bzw. Mountainbikereifen spezialisiert war und nun auch im Straßensegment Fuß fassen will, setzte dabei in enger Zusammenarbeit sämtliche Anforderungen der KTM-Techniker bzw -Testfahrer um. Das Ergebnis ist gelungen, der Tourensportreifen glänzt durch Grip, bis die Rasten am Asphalt kratzen, kommt auch mit unterschiedlichen Straßenbedingungen gut klar. Was Lebensdauer sowie Nassfahrverhalten anbelangt, muss er erst noch im Alltagsbetrieb Farbe bekennen.

Unterm Strich hat KTM mit der 790 Duke ein Naked-Bike auf die Gussräder gestellt, das um diesen Preis keine Konkurrenz zu scheuen braucht, Einsteiger nicht überfordert und sportliche Fahrer alles andere als langweilt. Im Gegenteil: Dieser Herzog (Deutsch für Duke) hat das Potential zum König der Landstraße, auf der er mit beispielhafter Handlichkeit leistungsmäßige Defizite locker wettmacht. Kurven, ganz egal welcher Radien, sind sein Metier – schwer vorstellbar, dass wir auf den gefahrenen Strecken mit der Super Duke schneller unterwegs gewesen wären. Genauso wenig, dass dieses Motorrad Made in Austria kein Bestseller werden könnte. Der Sommer kann kommen!

Wolfgang Haenlein

 krone.at
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