Ex-Häftling packt aus

Chinesische Gefangene schuften für Modeketten

Ausland
21.02.2018 20:05

Schwere Vorwürfe gegen C&A und H&M: Ein britischer Privatdetektiv berichtet, er habe als Häftling in einem chinesischen Gefängnis gesehen, wie Insassen zu Hungerlöhnen für diese Handelsketten produzierten. "Unsere Männer stellten Verpackungsteile her. Ich erkannte bekannte Marken wie 3M, C&A, H&M", schrieb Peter Humphrey in einem Artikel für die "Financial Times" über seine Haftzeit in den Jahren 2013 bis 2015. Für ihre Arbeit in Vollzeit erhielten die Gefangenen demnach einen Monatslohn von umgerechnet rund 15 Euro.

Beide Modeketten kündigten am Mittwoch eine Untersuchung an. "Wir nehmen diese vom Autor erwähnten Vorwürfe sehr ernst und werden versuchen, mehr Informationen über den Fall zu recherchieren", hieß es in einer Mitteilung von C&A. Das Unternehmen toleriere "keine Form der Zwangsarbeit oder Schuldknechtschaft" in seiner Lieferkette. "Im Falle von Zwangsarbeit würden wir die Geschäftsbeziehung zum Lieferanten sofort aufkündigen. Dies schließt jegliche Art von Gefängnisarbeit ein."

Auch H&M teilte mit, es sei "komplett inakzeptabel", die Herstellung von Profukten in Gefängnisse zu verlegen. Dies würde zu einer sofortigen Beendigung von Verträgen führen. "Wir kennen die Behauptungen und nehmen sie sehr ernst. Im Moment können wir nicht bestätigen, ob sie zutreffend sind oder nicht." Eine Untersuchung sei bereits eingeleitet. Offiziell wurde die Zwangsarbeit in China 2013 abgeschafft.

C&A und H&M wollen Missstände beenden
Die Vorwürfe treffen zwei Unternehmen, die sich nach Ansicht von Experten in den vergangenen Jahren Mühe gegeben haben, ihre Lieferketten transparent zu machen und damit Verantwortung für die Produktionsbedingungen vor Ort zu übernehmen. Allein H&M listet auf seiner Website über 660 Fabriken in China mit Namen, Adressen und Eigentümern auf. C&A nennt 273 Produktionsstätten in dem Land.

Im sogenannten Mode-Transparenz-Index der nach dem Rana-Plaza-Unglück in Bangladesch entstandenen weltweiten Initiative "Fashion Revolution" rangiert H&M unter den 100 überprüften globalen Modemarken und -Händler auf Rang drei, C&A auf Platz 18. C&A wurde außerdem erst vor wenigen Monaten von der Thomson Reuters Stiftung in London für seine Bemühungen im Kampf gegen Sklaverei mit dem "Stop Slavery Award" ausgezeichnet.

Privatdetektiv samt Ehefrau 2014 in China verurteilt
Peter Humphrey und seine US-amerikanische Ehefrau Yu Yingzeng wurden 2014 in China zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Dem Paar wurde vorgeworfen, illegal Informationen über chinesische Staatsbürger beschafft zu haben. Humphrey hatte sich in China als Privatdetektiv verdingt und war von dem britischen Pharmariesen GlaxoSmithKline beauftragt worden herauszufinden, wer Korruptionsvorwürfe gegen den Konzern in China erhoben hatte. Der Mann wurde 2015 aus gesundheitlichen Gründen gemeinsam mit seiner Frau aus der Haft entlassen und kehrte nach Großbritannien zurück.

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